Jedes zehnte Mobilfunkgespräch in den neuen Netzen in Italien und Großbritannien bricht zusammen
UMTS-Technik hat noch viele Macken

Wie bei GSM hat die Branche die Schwierigkeiten bei der Einführung von UMTS, der nächsten Generation der Mobilfunktechnik unterschätzt. Deshalb reift auch diese Technik beim Kunden und stellt die Geduld der Nutzer auf die Probe - in erster Linie in Italien und Großbritannien, wo der Neueinsteiger auf dem europäischen Mobilfunkmarkt und UMTS-Pionier Hutchison Whampoa im März die neue Technik auf den Markt brachte.

DÜSSELDORF. Die Pannen nehmen kein Ende: Funklöcher, Gesprächsabbrüche, Softwareprobleme, Macken an den unhandlichen und schweren Mobiltelefonen. "Die Markteinführung ist noch lange nicht abgeschlossen", erklärt ein Topmanager der Deutschen Telekom die Anlaufschwierigkeiten beim Start der neuen Mobilfunktechnik. Das war 1993, in den Kindertagen des heute etablierten Standards GSM.

Eine Geschichte, die sich wiederholt: Heute, zehn Jahre später, haben die Mobilfunkgesellschaften dieselben Probleme. Dieses Mal geht es um die Nachfolgetechnik UMTS. Sie soll bestehende mobile Internetdienste schneller und bequemer machen sowie neue Angebote ermöglichen, zum Beispiel Videokonferenzen. Im Labor bietet der Mobilfunkstandard Übertragungsraten von bis zu 2 Megabit pro Sekunde. In der Praxis versprechen die Unternehmen zunächst jedoch nur 144 Kilobit pro Sekunde an der Grenze der Funkzelle.

Preissenkung soll Kunden beruhigen

Neueinsteiger auf dem europäischen Mobilfunkmarkt und UMTS-Pionier Hutchison Whampoa, der die neue Technik im März auf den Markt brachte, versucht nun mit hohen Handy-Subventionen und einer Preissenkung bei den Gesprächstarifen die Kunden zu beruhigen. Analysten fürchten bereits einen Preiskrieg. Parallel dazu weitet Hutchison die Abdeckung des britischen UMTS-Netzes in diesem Monat aus. All das kündigte das Unternehmen Anfang Juni für Großbritannien an.

Die etablierten Unternehmen mit einer Kundenbasis gehen einen anderen Weg: Sie testen UMTS im kleineren Rahmen, Mitte Juni schaltet beispielsweise T-Mobile ein Lucent- Testnetz in Nürnberg ein. Ansonsten verschieben die Unternehmen den kommerziellen Start des neuen Standards immer wieder. Wollte Vodafone in Deutschland ursprünglich bereits im Frühjahr den UMTS-Schalter umstellen, war schnell von der zweiten Jahreshälfte die Rede. Inzwischen will sich Jürgen von Kuczkowski, Chef der Deutschland-Tochter von Vodafone, auf gar keinen Termin mehr festlegen. Der deutsche Mobilfunkmarktführer T-Mobile hält zwar offiziell noch an dem Starttermin im Herbst fest, bereitet gleichzeitig aber ebenfalls den Rückzug vor: "Erst wenn unsere Qualitätskriterien erfüllt sind, werden wir loslegen", sagte Timotheus Höttges, Chef von T Deutschland, -Mobile jüngst.

Erste Probleme wurden erfolgreich beseitigt

Es sind in erster Linie drei Probleme, die gelöst werden müssen: Die Übergabe von Gesprächen von einer UMTS-Funkzelle zu einem Gebiet, in dem es nur die ältere GSM-Technik gibt, muss automatisch und ohne Unterbrechung funktionieren. Das ist bisher nicht der Fall. Die Siemens-Techniker, die das Hutchison-Netz bauen, haben immerhin einen Teil des Problems beseitigt: Bewegt sich der Nutzer von einer UMTS-Zelle in Richtung GSM, bricht sein Gespräch nicht zusammen. Das passiert aber dann, wenn der Kunde in umgekehrte Richtung geht.

Weitere Herausforderung: Die Netze und Endgeräte unterschiedlicher Hersteller müssen miteinander kommunizieren können. Auch dafür ist nach Angaben der Techniker noch "einiges an Optimierung und Feinjustierung der Software" notwendig.Darüber hinaus muss eine ausreichende Anzahl an Endgeräten zur Verfügung stehen. Auch das ist bisher nicht der Fall. So hat Hutchison beispielsweise seinen UMTS-Dienst auch in Schweden bereits gestartet, doch bisher heißt das nur: Die Interessenten können sich in Wartelisten eintragen, denn UMTS-Handys gibt es noch nicht zu kaufen.

Folge der technischen Probleme: Etwa jedes zehnte Gespräch bricht zusammen. Normal ist eine Abbruchquote von einem Prozent oder weniger. "Es gibt keine inhärenten Probleme. Die Technik funktioniert grundsätzlich", sagt Peter Scherer, Siemens-Manager in Italien. Den potenziellen Kunden reicht das nicht, so dass Analysten Hutchisons Ziele auch als sehr ambitioniert betrachten. Jeweils eine Million Nutzer will der Konzern in Großbritannien und Italien bis zum Jahresende für UMTS gewinnen. Bisher sind es in beiden Ländern zusammen knapp 120.000.

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