Jena
Mit alten Tugenden und neuem Gründergeist hochgetüftelt

In Jena läuft kaum etwas ohne die "Zeissianer". In der 100 000-Einwohner-Stadt arbeiteten 69 000 Menschen bis 1989 im VEB Carl Zeiss Jena, dem Technologiezentrum des Ostblocks. Das Know-how von Zeiss hat der Stadt ein kleines Wirtschaftswunder beschert.

JENA. Sie sind überall. Sitzen in Unternehmensspitzen, in Behörden und Ämtern, in der Wissenschaft und Forschung. Sie kennen sich, tauschen sich aus, treffen Verabredungen, helfen sich gegenseitig. An den "Zeissianern" kommt in Jena niemand vorbei. 69 000 Menschen arbeiteten bis 1989 im VEB Carl Zeiss Jena, dem Technologiezentrum des Ostblocks. Bis heute läuft ohne sie kaum etwas in der Stadt. Dabei haben die meisten von ihnen nach dem Ende der DDR ihren Job verloren, als die Treuhand Zeiss zerschlug. "Das Know-how von Zeiss hat die Wende aber überlebt", sagt Jenoptik-Chef Alexander von Witzleben.

Und es hat in Jena ein kleines Wirtschaftswunder entfacht. Die 100 000-Einwohner-Stadt ist der mit großem Abstand erfolgreichste Standort in den neuen Bundesländern, zeigt der Zukunftsatlas 2004 von Prognos und Handelsblatt. Im gesamtdeutschen Ranking schafft es Jena auf den 24. Platz - nur knapp hinter Hamburg (Platz 20) und deutlich vor Köln (41) und Berlin (262). Riesig gar ist der Vorsprung Jenas gegenüber dem zweitbesten ostdeutschen Standort - Dresden rangiert auf Platz 110. "Wenn es im Osten irgendwo blühende Landschaften gibt, dann in Jena", sagt Mathias Bucksteeg, Deutschland-Direktor von Prognos. "Das Beispiel zeigt, was man auch im Osten erreichen kann, wenn man sich auf seine Standort-Stärken konzentriert."

Diese Stärke hatte vor, während und nach der Wende einen Namen: Zeiss. Heute bilden drei bedeutende Nachfolge-Unternehmen des VEB-Kombinats den Kern der örtlichen Wirtschaft: der Technologiekonzern Jenoptik, der auch Rechtsnachfolger des DDR-Unternehmens ist, sowie die Carl Zeiss Jena GmbH und die Schott Jenaer Glas GmbH, beides Töchter der westdeutschen Carl-Zeiss-Stiftung. "Die drei großen Zeiss-Nachfolger haben die Region zusammengehalten", sagt Jenoptik-Chef von Witzleben.

Der Staat hat dabei kräftig nachgeholfen. Seit der Wende sind Milliardensummen nach Jena geflossen, allein die lange von Lothar Späth geführte Jenoptik AG kassierte mehr als 1,8 Mrd. Euro - 80 Prozent davon allerdings für Sozialpläne und die Übernahme der Zeiss-Altschulden. Das Geld war im Gegensatz zu dem in den meisten anderen ostdeutschen Regionen gut angelegt.

Zusammen beschäftigen Jenoptik, Zeiss und Schott heute 3 900 Mitarbeiter in Jena. Im Dunstkreis des Trios sind seit der Wende viele kleine Unternehmen entstanden, spezialisiert auf Optik, Biotechnologie, Medizintechnik, Mess-, Steuer- und Regeltechnik sowie Pharmazie und Kosmetik.

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