Archiv
Jenoptik gut positioniert

Die Halbleiterindustrie läuft auf Hochtouren - und das nicht nur zur Freude der Chiphersteller, sondern auch der Anlagenbauer und seiner Aktionäre.

Handelsblatt, BERLIN. Die Thüringer Jenoptik AG, noch im vergangenen Jahr heftig von seinen Kleinaktionären als "unübersichtlicher Gemischtwarenladen" kritisiert, zeigt sich in einer ihr bislang unbekannt guten Form. Zwar hat die Aktie seit ihrem Höhenflug Anfang Juni auf 35,50 Euro wieder leicht an Wert verloren - der Kurs des Papiers bewegt sich bei 33 Euro - doch vor einem Jahr kam der einzige im M-Dax notierte ostdeutsche Wert nicht über 20 Euro hinaus.

Erfolgversprechender High-Tech-Wert

Lothar Späth hat es fürs erste geschafft, die Analysten vom Umbau eines am Boden liegenden DDR-Molochs zu einem erfolgversprechenden High-Tech-Wert zu überzeugen: Abgesehen davon, dass Jenoptik noch "hier und da" eine strategische Ergänzung brauche, sei der Umbau des Konzerns abgeschlossen, urteilt Jürgen Wagner vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Das Unternehmen ist sehr gut positioniert. Beide operativen Bereiche wachsen sehr dynamisch". Doch nachdem sich das Management zuletzt sehr mit dem Umbau des Konzerns beschäftigt habe, sei es jetzt an der Zeit, sich auf die Erweiterung der beiden Sparten Reinraumtechnik und optische Systeme zu konzentrieren. Der Analyst hält einen Kurs von 42 Euro innerhalb der kommenden sechs bis neun Monate für realistisch.

Analysteneinschätzung

Die Sparte Reinraumtechnik ist für Wagner heute und auch künftig die stärkste im Konzern. In der Tat zeichnet sich Jenoptik in diesem Bereich durch besondere Erfolge aus: Erst in der vergangenen Woche erhielt die Jenoptik-Tochter M+W Zander aus Israel einen Auftrag über 400 Mill. DM zum Bau einer schlüsselfertigen Chip-Fabrik - und damit bereits den dritten Großauftrag in diesem Jahr.

Die Sparte Beteiligungen ist für Wagner ein Geschäft mit abnehmender Bedeutung. Der Analyst geht davon aus, dass schon in diesem Jahr die industriellen Sparten deutlich mehr zum Ergebnis beitragen würden. Das war im vergangenen Jahr noch anders: Damals war das Verhältnis 50 zu 50. Mehr Aufschluss zu diesem Punkt könnten die Halbjahreszahlen geben, die am Mittwoch in Jena bekannt gegeben werden sollen.

Für Ingo Frommen, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, ist dagegen das Beteiligungsgeschäft der Bereich, aus dem sowohl 2000 als 2001 "die Dynamik in den Erträgen kommt". Durch die Börsengänge aus dem Beteiligungsportfolio der Jenoptik-Tochter Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft (DEWB) - Asclepion Meditec im ersten Quartal, Analytik Jena im zweiten - streiche der Konzern hohe Gewinne ein. Die bisherigen Zukäufe der DEWB bezeichnete der Analyst als "interessant", erklärte aber gleichzeitig, dass Anleger genau beobachten sollten, ob die Dynamik weitergehe, nicht zuletzt auf Grund der Entwicklung an den Börsen. Frommen hält ein Kursziel von 40 Euro innerhalb der nächsten sechs Monate für realistisch.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%