Jeremies für Ballack?
Kahn: "Spiel des Lebens"

"Wenn wir sie schlagen wollen, muss jeder Spieler das Spiel seines Lebens machen", erklärte Kapitän Oliver Kahn am Donnerstag in Seoul. Rudi Völler plant, den vierten WM-Titel einer deutschen Mannschaft mit einer massierten Abwehr zu gewinnen. Noch unklar ist, wer anstelle des gesperrten Michael Ballack spielen wird.

dpa SEOUL. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft geht mit großem Respekt in das Finale der 17. Weltmeisterschaft am Sonntag in Yokohama gegen Rekord-Champion Brasilien. "Das ist ein absolutes Wahnsinns-Endspiel. Wenn wir sie schlagen wollen, muss jeder Spieler das Spiel seines Lebens machen", erklärte Kapitän Oliver Kahn am Donnerstag in Seoul. Rudi Völler plant, den vierten WM-Titel einer deutschen Mannschaft mit einer massierten Abwehr zu gewinnen.

Auch der DFB-Teamchef verwies am Donnerstag auf das einzigartige Potenzial, über das der viermalige Weltmeister im Gegensatz zu allen anderen Nationen verfügt. "Man kann ja praktisch einen zweiten 23- Mann-Kader der Brasilianer aufstellen und hierhin schicken, wenn man sieht, wen die alles zu Hause gelassen haben, allein aus der Bundesliga", kommentierte Völler. Trotzdem herrscht Zuversicht im deutschen Team: "Mein Gefühl sagt mit, dass wir Weltmeister werden", verkündete Kahn.

Drei Tage vor dem Finale drehte sich die zentrale Personalfrage im deutschen Lager darum, wer auf die Position des gesperrten Michael Ballack im Mittelfeld rücken kann und wird. "Was seine Qualitäten als Spieler anbelangt, ist es schwierig, ihn zu ersetzen", meinte Völler. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die erste Option scheint allerdings der Münchner Jens Jeremies zu sein. "Jens ist eine sehr gute Alternative. Er hat eine Menge Power", erklärte Skibbe.

Mit der Hereinnahe von Jeremies für Ballack würde die Ausrichtung des deutschen Spiels noch eine Spur defensiver. Doch im Duell der besten WM-Abwehr (1 Gegentor) mit dem besten WM-Sturm (16 Tore) vertrauen Völler und Skibbe ganz offensichtlich in erster Linie auf die zerstörerischen Qualitäten ihres Kaders. "Wir dürfen uns nicht auskontern lassen, das ist den Engländern passiert, deswegen hat auch die Türkei verloren", bemerkte Skibbe, der am Dienstag das 1:0 der Brasilianer gegen die Türken im japanischen Saitama beobachtet hatte.

Mittelfeldspieler Dietmar Hamann mahnte ebenfalls Disziplin und Ordnung an: "Das Wichtigste ist, dass wir nicht versuchen, mit den Brasilianern mitzuspielen. Auf keinen Fall dürfen wir den offenen Schlagabtausch suchen, sonst ist man zweiter Sieger", sagte der 28- Jährige. Hamann muss wegen einer Innenbanddehnung im Knie weiterhin behandelt werden und im Training kürzer treten. Er wird aber ebenso am Sonntag mit dabei sein wie Miroslav Klose. Dem Torjäger bereitet eine Rippenprellung weiterhin Beschwerden.

Am Donnerstagabend trainierte die deutsche Mannschaft zum letzten Mal auf südkoreanischem Boden. Im "Misari Ground", wo auch schon die US-Amerikaner trainiert hatten, war aber weiterhin in erster Linie Regeneration angesagt. "Im Moment versucht man zu relaxen, das Adrenalin kommt erst Stunden vor dem Finale", bemerkte der Bremer Marco Bode. Am Freitagmorgen fliegt die deutsche Mannschaft von Seoul zum Finalort Yokohama.

Für große Aufregung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sorgte am Donnerstag kurzfristig eine Falschmeldung im südkoreanischen Rundfunk. Ein Radiosender hatte gemeldet, dass das deutsche Team vom Weltverband (FIFA) wegen Dopings vom Finale ausgeschlossen worden sei. Der große staatliche Fernsehsender SBS und der private Sender MBC trugen das Gerücht in ihren WM-Sendungen weiter. Der DFB, die FIFA und das südkoreanische Organisationskomitee (KOWOC) reagierten jedoch umgehend mit Dementis, nach zwei Stunden war das Thema aus der Welt.

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