Jetzt fehlen nur noch die Medaillen
„Gott ist Grieche. Die Griechen sind Götter.“

Kurz vor der Eröffnung freuen sich die Athener doch noch auf Olympia. Ein Land hat aus sich heraus Selbstvertrauen geschöpft.

ATHEN. Von Evangelia Leftheris Wohnung sieht man hinüber zum Panathenäischen Stadion von Athen, jenem hufeisenförmigen Bau ganz aus weißem Marmor, in dem 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit stattfanden. Draußen brummt es. Aber das sind nicht die Kehrmaschinen, mit denen die Arbeiter über den Vorplatz des Stadions kurven. Als das Brummen näher kommt, steht Evangelia aus ihrem Sessel auf, geht zum Fenster und zieht die Vorhänge zu. "Hier guckt mir keiner rein", sagt die Rentnerin.

Das Brummen steigert sich zum Dröhnen, lässt die Fenster der kleinen Dachgeschosswohnung zittern. Da ist er wieder, der Zeppelin. Seit Tagen kreuzt das Luftschiff über Athen. Seine drei Kameras senden Bilder in die Überwachungszentrale der griechischen Polizei. Das für 1,2 Millionen Euro in der Schweiz gecharterte und mit Elektronik voll gestopfte Luftfahrzeug ist Teil des ausgeklügelten Sicherheitssystems für die Olympischen Spiele 2004. "Jetzt hören sie uns ab", sagt Evangelia, als das Luftschiff über ihre Wohnung hinwegbrummt.

Der weiße Zeppelin beflügelt nicht nur die Phantasie der resoluten Hausverwalterin. 70 000 Sicherheitskräfte mobilisiert Griechenland für die Spiele. Awacs-Flugzeuge der Nato überwachen den Luftraum, die Mittelmeerflotte der Allianz patrouilliert in der Ägäis, und rings um Athen richten Patriot- und Hawk-Flugabwehrbatterien ihre Radarantennen in den Himmel. Aber nichts fasziniert die Athener mehr als dieses Ufo über ihrer Stadt.

Überwachungskameras? Viele können da nur lachen. Sie sind von der Idee besessen, dass der "Große Bruder" am Himmel viel mehr kann: Kaffeehausgespräche abhören, Schlafzimmergeflüster belauschen, Bewegungsprofile erstellen - wer weiß. Die "Demokratische Sammlungsbewegung für Persönlichkeitsrechte", eine zwei Dutzend Mitglieder zählende Bürgerinitiative, versucht jetzt, die "Spionageflüge" per einstweiliger Anordnung verbieten zu lassen. Bis Ende dieser Woche will Richterin Maria Klonari über den Antrag entscheiden.

Dies ist also das Hauptproblem, das die Griechen kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele am Freitag haben. Und das allein ist eine unerwartet gute Nachricht.

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