Jetzt noch „Berti wegputzen“
Ballack krönt Wandlung zum Siegertypen

Dieses Mal verließ Michael Ballack das Berliner Olympiastadion als strahlender Triumphator. Mit seinen beiden Toren machte der Fußball-Nationalspieler den Weg zum 11. Pokalsieg von Meister Bayern München frei und streifte persönlich ein für alle Mal das ihm aus Leverkusener Zeiten anhängende Verlierer-Image ab.

HB/dpa BERLIN. Vor zwölf Monaten hatte er im Endspiel noch mit Bayer gegen Schalke 04 verloren (2:4), jetzt krönte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler mit dem 3:1-Sieg gegen seinen Ex-Club 1. FC Kaiserslautern gleich seine Premieren-Saison im Bayern-Trikot mit dem "Double".

"Im Sport zählen nur erste Plätze. Da ist es nach der letzten Saison sensationell, wenn man gleich im ersten Jahr zwei Titel holt", sagte Ballack in Erinnerung an die gleich drei zweiten Plätze mit Leverkusen, an die sich noch das verlorene WM-Finale gegen Brasilien anschloss, bei dem er wegen Gelb-Sperre tatenlos zuschauen musste.

Schon nach zehn Minuten hatte er mit seinem Kopfballtreffer und dem verwandelten Foulelfmeter das Spiel vorentschieden, beim 3:0 von Claudio Pizarro (50.) glänzte Ballack zudem als Vorbereiter. "Er ist in München ein Winner geworden", lobte Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Die Wandlung vom Bayer-Pechvogel zum Bayern-Glückskind liegt für Ballack in der Münchner Erfolgs-Mentalität begründet. "Wenn man mit anderen Mannschaften verliert, ist es vielleicht nicht so schlimm. Der Druck, die Erwartungen sind hier ganz anders. Das ist vielleicht der Tick, die paar Prozent, die zum Titel führen", glaubt er.

Die Lobeshymnen auf den sechs Millionen teuren Nachfolger von Stefan Effenberg, über den in München längst keiner mehr spricht, kannten in der Nacht der Pokalfeier kaum Grenzen. "Er hat dem Bayern - Spiel eine ganz andere Richtung gegeben", bemerkte Präsident Franz Beckenbauer. Und dass man die Bayern zu Saisonbeginn als "weißes Ballett" tituliert habe, "das war er", meinte Beckenbauer.

"Er hat jetzt im Mittelfeld das Zepter übernommen", kommentierte Karl-Heinz Rummenigge. Effenberg habe sich "um den Mittelkreis aufgebaut, und die anderen mussten für ihn laufen", verglich der Vorstandsvorsitzende, Ballack dagegen laufe "unglaubliche Kilometer" und sei zudem der "torgefährlichste Mittelfeldspieler der Welt".

Trainer Ottmar Hitzfeld bescheinigt seinem neuen Leitwolf "eine unheimliche Effizienz und Präsenz" auf dem Platz. Doch ausruhen darf sich Ballack nicht, Hitzfeld erwartet in der neuen Saison noch mehr von seiner Nummer 13: "Ich hoffe, dass er dieses Potenzial nächstes Jahr auch in der Champions League abruft und die Mannschaft dorthin führt, wo sie hingehört: unter die ersten Acht", sagte der Trainer.

Zum Feiern blieb für Ballack selbst am Wochenende kaum Zeit. "Es ist noch nicht Urlaub, es kommen noch zwei EM-Qualifikationsspiele", erinnerte er selbst an die Partien in Schottland (7. Juni) und vier Tage später auf den Färöer Inseln. Nach einem halben Jahr kehrt Rudi Völlers Erfolgsgarant in die Nationalelf zurück und soll im Kampf um das Europameisterschafts-Ticket vor allem dabei mithelfen, "Berti wegzuputzen" (Rummenigge). Auf die Partie in Glasgow ist Ballack total heiß: "Mein Verhältnis zu Berti Vogts ist ja bestens bekannt. Ich kann nur sagen: Mich braucht der Rudi sicher nicht zu motivieren."

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