Jiang Zemin kommt zum Eröffnungsspiel
WM: Südkorea hofft auf 100.000 Chinesen

Japans Kaiser Akihito wird wohl nicht kommen, Chinas Staatspräsident Jiang Zemin hat sich dagegen bereits für das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 31. Mai in Seoul angemeldet: Das Verhalten der beiden obersten Repräsentanten ihrer Länder macht deutlich, welch politische Brisanz die Titelkämpfe im kommenden Jahr birgt, und wie groß die Spannungen zwischen den beiden Gastgeberländern Südkorea und Japan noch immer sind.

dpa PUSAN/TOKIO. Denn während die vom Weltverband FIFA zur gemeinsamen Kandidatur genötigten Ausrichter nach wie vor nur widerspenstig zusammen arbeiten, hat Seoul in Peking einen neuen Partner gefunden: Die Chinesen sollen in Massen kommen und dafür sorgen, dass die WM für Südkorea nicht im finanziellen Desaster endet.

Allein diesen Grund hatte die in Seoul am Donnerstag gefeierte und in Tokio reserviert betrachtete Entscheidung der FIFA, dass China seine drei Gruppenspiele in Südkorea austragen darf. Denn die als besonders fußball-verrückt und unternehmungslustig geltenden Chinesen werden im kommenden Jahr die größte ausländische WM-Fangemeinde bilden, weil sie eine kurze Anreise haben und sich in Korea fast heimisch fühlen. "Wir sind Nachbarn, wir haben eine Kultur und benutzen zum Teil dieselben Schriftzeichen", sagte Chung Mong-Joon. Der Präsident des südkoreanischen Fußballverbandes und des südkoreanischen Organisationskomitees (KOWOC) hofft, dass über 100  000 Fans aus dem erstmals für eine WM qualifizierten Reich der Mitte anreisen: "Es werden sehr, sehr viele sein. China hat 1,3 Mrd. Einwohner, davon sind 20 % Fußball-Anhänger, darunter sehr, sehr reiche Menschen."

Koreanische Experten erwarten durch den "China-Effekt" Einnahmen zwischen 500 Mill. und einer Milliarde $. Und die benötigt Seoul dringend. Denn anders als in Japan, wo der Kartenvorverkauf keine Wünsche offen lässt, sind in Südkorea gerade mal 40 % der Tickets abgesetzt. Dies liegt einerseits an der südkoreanischen Mentalität, nicht zu weit im Voraus zu planen, andererseits an der Preisgestaltung. Denn die 300 DM, die ein Ticket im Durchschnitt kostet, schmerzen den Japaner weitaus weniger als den Südkoreaner.

Dennoch wiesen Japans Medien am Donnerstag in bemerkenswert markanter Aufmachung auf die Bevorteilung des Mit-Gastgebers durch den "China-Effekt" hin. Das koreanische WM-Organisationskomitee KOWOC habe wohl schon Kopfschmerzen gehabt, die Stimmung würde anders als in Japan nicht so heiß werden, mutmaßte die Boulevardzeitung "Sports Nippon".

Dass die Beziehungen zwischen Südkorea und dem einstigen Kolonialherren Japan noch immer von großem Misstrauen geprägt sind, wird derzeit auch bei den Vorbereitungen zur Endrunden-Auslosung am Samstag in Pusan deutlich. Im gigantischen und brandneuen Medienzentrum Bexco präsentiert sich das KOWOC dermaßen dominant, dass dem neutralen Besucher der Eindruck vermittelt wird, als finde die WM nur in einem Land statt. Für das japanische Organisationskomitee JAWOC bleibt lediglich eine Statistenrolle.

Doch nicht nur auf der Ebene der Fußball-Funktionäre, auch auf der politischen Bühne läuft längst nicht alles reibungslos, wie das Tauziehen um die WM-Hymne "Boom" von US-Superstar Anastacia verdeutlicht. FIFA-Präsident Joseph Blatter schrieb einen Brief an die koreanische Regierung mit der geradezu grotesk anmutenden Bitte, dass der neue Song am Samstag nicht nur in der englischen und koreanischen, sondern auch in der japanischen Fassung vorgetragen werden darf. Eine Antwort steht aus. Dafür konnte sich Koreas Fußball-Chef Chung, zugleich FIFA-Vizepräsident, einen Seitenhieb Richtung Japan nicht verkneifen. "Wenn schon Chinas Staatspräsident zur Eröffnungsfeier kommt", so Chung, "dann ist es an der Zeit, das auch der japanische Kaiser sein Erscheinen ankündigt."

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