Jim Hagemann Snabe
„Die drei Gründer stehen zu SAP“

Jim Hagemann Snabe, SAP-Vorstandssprecher, will die Unabhängigkeit des Softwarekonzerns verteidigen und das Geschäft auch ohne den Zukauf von Rechnerherstellern voranbringen. Im Interview erläutert er, warum Wikileaks für SAP auch Vorteile bringen kann.
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Handelsblatt: Herr Snabe, Datendiebstahl ist das große Thema dieser Tage. Fürchten Sie den Verlust persönlicher Daten?

Jim Hagemann Snabe: Nein. In der Geschäftswelt ist Datensicherheit kritischer als etwa bei einem Spiel auf dem iPhone.

Handelsblatt: IT-Konzerne wie SAP treiben das Cloud-Computing voran. Unternehmen lagern ihre Daten und Programme dabei ins Internet, also auf externe Rechner, aus.

Halten Sie das in Zeiten von Wikileaks wirklich für eine gute Idee?

Snabe: Ich glaube nicht, dass Cloud-Computing durch Wikileaks zurückgeworfen wird. Aber es sensibilisiert für einen sorgfältigen und sicheren Umgang mit Geschäftsprozessen und Unternehmensdaten, die ganz andere Anforderungen haben als etwa Dienstleistungen für den Konsumenten.

Handelsblatt: Also sehen sie Wikileaks als Chance für Ihr Unternehmen?

Snabe: Wikileaks ist natürlich ein Problem. Es macht allen klar, dass Sicherheit für alle wichtig ist, auch für Regierungen und Unternehmen. Aber es ist ein Thema, bei dem wir unsere Stärken zeigen können. Wir werden unsere Expertise beim Thema Sicherheit auch für mobile Anwendungen in der Geschäftswelt nutzen.

Handelsblatt: Fürchten Sie, dass die Politik der Wirtschaft wegen des zunehmenden Datendiebstahls schärfere Gesetze aufbrummt?

Snabe: Die Unternehmen brauchen Rahmenbedingungen, um das Thema Datensicherheit managen zu können. Das muss aber international geschehen, denn das Netz hat keine Grenzen. Wir brauchen eine Mischung aus klarer Selbstverpflichtung der Branche und sinnvoller Regulierung.

Handelsblatt: Wenn künftig alle Daten und Programme per Cloud-Computing aus dem Netz kommen sollen, braucht SAP doch ein viel breiteres Angebot. Ihr Erzrivale Oracle bietet mittlerweile auch Großrechner an - also alles aus einer Hand.

Snabe: Wir glauben nicht an die Idee, dass man Software, Datenbank und Rechner nur als Paket verkaufen kann. Alle Kunden, mit denen ich gesprochen habe, wollen mehr Wahlmöglichkeiten. Sie wollen zwar alles gleichzeitig kaufen, aber eben nicht von nur einem Anbieter. Statt Hardware zu integrieren, ist es wichtiger, dass wir im Kernbereich Software neue Ideen entwickeln.

Handelsblatt: Apple-Chef Steve Jobs hat einen riesigen Erfolg dadurch, dass er Soft- und Hardware aus einer Hand anbietet.

Snabe: Keine Frage, in der Welt der Konsumenten ist Apple sehr erfolgreich. Aber auch hier werden ganz viele kreative Applikationen von anderen Anbietern entwickelt. In der Geschäftswelt gibt es auf den einzelnen Stufen gewaltige Möglichkeiten, neue Ideen umzusetzen. Nehmen Sie Firmen wie Cisco oder auch VMware. Sie konzentrieren sich auf einen Teil und sind damit erfolgreich.

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