Job-"Inaktiv"-Gesetz
Wie Bürokratie die Jobvermittlung behindert

Die Forderung nach enger Zusammenarbeit zwischen Arbeitsamt und privaten Vermittlern gibt es nicht erst seit dem Skandal um geschönte Zahlen. Schon am 1. Januar ist ein Gesetz mit genau diesem Ziel in Kraft getreten. Doch bürokratische Hürden stehen der Umsetzung von "Job-Aqtiv" bislang im Weg.

DÜSSELDORF. Aus Sicht der privaten Dienstleister wäre alles ganz einfach: "Genau wie wir jetzt im Auftrag von Unternehmen geeignete Mitarbeiter suchen, könnten wir auch im Auftrag der Arbeitsämter Stellen für Arbeitslose finden", erklärt Sieglinde Schneider von der Bundeszentrale für Personalvermittler (BPV). Die Kritik, private Vermittler würden sich nur um die leichten Fälle kümmern, lässt sie nicht gelten. "Klar, haben wir bei den schwereren Fällen ähnliche Probleme wie das Arbeitsamt. Aber wir sind näher an den Unternehmen dran, kennen die Wünsche besser und können schneller handeln."

Das Gesetz mit dem sperrigen Namen "Job-Aqtiv" hat die Weichen gestellt für eine stärkere Einbindung der privaten Vermittler. Nach einem halben Jahr erfolgloser Arbeitssuche kann demnach jeder Arbeitslose darauf bestehen, dass das Arbeitsamt private Vermittler einschaltet. Einer schnellen und effizienten Zusammenarbeit steht aber noch einiges im Weg - aus der Sicht der privaten Vermittler sind es genau 19 eng bedruckte Seiten: die "Durchführungsbestimmungen" der Bundesanstalt für Arbeit.

Der Erlass schreibt für jeden Arbeitsamt-Mitarbeiter vor, wie bei der Umsetzung zu verfahren ist - für die Zusammenarbeit mit den privaten Vermittlern eine grosse Bürde. "Würden wir uns auf diese Bedingungen einlassen, würden wir bald genauso schwerfällig agieren müssen wie die Arbeitsämter", wettert der Bundesverband für Personalvermittler in seiner offiziellen Stellungnahme. Sie trägt den unmissverständlichen Titel: "So nicht!"

Die Vorschriften machten nicht einmal aus Sicht der Ämter Sinn, meint BPV-Sprecherin Sieglinde Schneider: Wenn sich die Beamten daran halten müssten, hätten sie viel zu tun - "Da könnten sie den Arbeitslosen gleich selbst vermitteln."

Hinzu kommt, dass aus Sicht der privaten Vermittler eine wichtige Frage weiter ungeklärt ist: die Bezahlung ihrer Dienstleistung. Für die Personalvermittler ist das Arbeitsamt der Kunde: Analog zu auftraggebenden Unternehmen soll das Amt bei erfolgreicher Vermittlung zahlen. Die Bundesanstalt für Arbeit dagegen ist der Meinung, dass sich der einstellende Betrieb an den Kosten beteiligen soll. Doch diese Forderung gilt als praxisfremd. Nur in Ausnahmefällen werden Unternehmen dazu bereit sein.

Warum diese Fragen noch ungelöst sind, erklärt die Entstehung des Gesetzes: Ungeachtet früherer Kooperationen gab es bei der Ausarbeitung von "Job-Aqtiv" keinerlei Zusammenarbeit zwischen dem Arbeitsamt und der Interessengemeinschaft der privaten Dienstleister. Der Durchführungserlass war in den Ämtern, bevor die Personaldienstleister davon erfuhren.

Job-Aqtiv sei der richtige Schritt, meint Sieglinde Schneider, trotz alledem. Dass in den letzten Wochen beim Arbeitsamt "soviel in Bewegung geraten" sei, bestärkt sie in ihrer Hoffnung, dass auch die letzten bürokratischen Hürden auf dem Weg zu schneller Zusammenarbeit bald fallen. Vielleicht verschwindet dann ja auch die Vorgabe, dass private Vermittler erst nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit tätig werden können. Schließlich sinken mit jedem Monat Arbeitslosigkeit die Chancen auf Vermittlung.

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