Job kann den Reiz verlieren: Auftauchen nach der Auszeit

Job kann den Reiz verlieren
Auftauchen nach der Auszeit

Am Ende seines Sabbaticals konnte Uwe Napiersky die Worte "Mentale Simulation" nicht mehr sehen. Neun Monate hatte der Wirtschaftspsychologe an dem Thema für seine Doktorarbeit gesessen.

Am ersten Arbeitstag nach der Auszeit, gegen vier Uhr morgens, war er endgültig fertig. Der 42-Jährige fühlte sich glücklich - und erschöpft. Zu erschöpft, um ein paar Stunden später wieder seinen Job bei der, auf Online Management Diagnostik spezialisierten Unternehmensberatung Cubiks anzutreten. Napiersky saß pünktlich um acht Uhr bei seinem Vorgesetzten im Büro und bat mit Erfolg um Urlaub von der Auszeit. "Erst nach zwei Wochen sonnen, baden und tauchen in Florida hatte ich den Kopf wieder frei." Hochmotiviert kehrte er an seinen Schreibtisch in Düsseldorf zurück.

Wer sich, wie Napiersky, für eine längere Auszeit entscheidet, sollte sich gut auf den Wiedereinstieg vorbereiten. Eine Herausforderung weitab vom Arbeitsalltag, wie die Doktorarbeit, kann immens motivierend wirken - wenn genügend Raum vorhanden ist, sich mental und physisch wieder auf den Job einzustellen. Letzteres gilt auch für die Zeit nach einer weniger kräftezehrenden Pause: Wer monatelang sein eigener Herr gewesen ist, für den kann die Umstellung auf den geregelten Alltag ein Problem sein. Karriereberater aus den USA und Kanada, wo der Sabbatical viel geläufiger ist als hier, haben eine Reihe von Techniken parat, mit deren Hilfe die Rückkehrer langsam wieder Fuß fassen sollen.

Sich gleich mit einigen Kollegen zum Mittagessen zu verabreden, kann einen kräftigen Motivationsschub auslösen, schlägt Richard Bayer, Chief Operating Officer des New Yorker Karrierenetzwerks Five O?Clock Club, vor. "So finden Sie heraus, womit die Kollegen gerade beschäftigt sind, und wie Sie sich wieder ins Bild einfügen können."

Wer von einer temporären Auszeit zu seinem früheren Arbeitsplatz zurückkommt, sollte sich vorher fragen: "Was hat mich früher an dieser Arbeit eigentlich immer gereizt? Wo will ich mich jetzt engagieren? Wo liegen neue Herausforderungen, denen ich mich stellen will? Was muss noch fertig gestellt werden?", meint John Izzo, President der Managementberatung Izzo Consulting, Kanada. Wird man nach der Rückkehr auf eine andere Stelle versetzt, sollte man sich darauf besinnen, was man während der Zeit fern vom Arbeitsplatz über sich selbst herausgefunden hat.

"Die meisten Leute nehmen sich den Forschungsurlaub nicht, weil sie Erholung brauchen. Sie tun es, weil sie keinen Spaß mehr an ihrer Arbeit haben oder nicht mehr enthusiastisch genug sind", meint Izzo. "Finden Sie heraus, was Sie wirklich interessiert und wenden Sie das auf Ihren Job an", rät er. Am besten sei es, wenn die Rückkehrer positive Angewohnheiten oder Projekte, die sie während ihrer Beurlaubung aufgenommen haben, weiterführen könnten, urteilt die Bostoner Karriereberaterin Anne Hawley Stevens.

"Wenn Sie zum Beispiel eine neue Fremdsprache gelernt oder ein Fitnessprogramm angefangen haben, dann sollten Sie versuchen, das in ihr Arbeitsleben zu integrieren. Achten Sie darauf, nicht völlig in die alte Routine zurückzufallen." Dafür muss sich der Aussteiger auch Zeit zur Besinnung nehmen.

Die hatte Alanna Timmons nicht. Die 43-jährige Talentsucherin des Chip-Herstellers Intel kehrte nach einer zehnwöchigen Sabbatpause an ihren Schreibtisch zurück. Bereits nach 20 Minuten hatte sie den ersten dringenden Auftrag eines Kollegen vor sich liegen. Eine große Chance, über ihren Wiederanfang zu philosophieren, blieb ihr also nicht.

Fast drei Wochen brauchte Michael Neumann, um sich nach einer Pause von einem Monat wieder zurecht zu finden. "Es gab eine Menge neuer Leute, die ich erst einmal kennen lernen musste", erzählt der 36-jährige Manager von Service Net, einem Anbieter von Wartungsdiensten. "Es war fast, als käme ich zu einer neuen Firma zurück. Man darf einfach nicht erwarten, gleich wieder wie gewohnt loslegen zu können."

Andere Sabbatrückkehrer finden plötzlich, ihr Job habe seinen Reiz verloren. Diese Kandidaten sollten dann entweder den Arbeitgeber oder eventuell sogar das Berufsfeld wechseln. "Der Sabbat sollte Ihnen gezeigt haben, was gut für Sie ist und was nicht," sagt Odette Pollar von der Firma Smart Ways to Work.

Doch nicht immer verursacht das Sabbatical Probleme für den Wiedereinstieg: "Ich wollte so schnell wie möglich wieder mittendrin sein und meine normale Routine wieder aufnehmen", sagt etwa Paul Froehlich, Manager beim Direkt-Broker Charles Schwab. Im Frühjahr hatte der 34-Jährige seinem Arbeitgeber für vier Wochen den Rücken zugekehrt. Gerade die Tatsache, dass seine Arbeit während der Abwesenheit nicht brachgelegen hatte, habe ihn motiviert, Auch Uwe Napiersky von Cubiks musste sich nach seinem Sabbatical plus Florida-Aufenthalt nicht mehr extra motivieren. "Nach der Doktorarbeit war mein Gedankenapparat geschärft, und ich hatte Distanz zu meiner Arbeit gewonnen", sagt der Wirtschaftspsychologe, der für Cubiks viel und gerne reist. "Ich hab mich dann wieder auf den Job gefreut".

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