Jobaussichten stehen schlecht
Qualitätsmanager: Boomzeiten vorüber

Das Thema Qualität ist ausgepowert", urteilt Kay Kessler von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) knapp. Im Sog der Konjunkturflaute und nach dem Ende des Zertifizierungsbooms kann die Jobsuche für Qualitätsmanager eine langwierige Sache werden.

Bei Arbeitsvermittler Kessler klopfen derzeit doppelt so viele Führungskräfte an, wie es offene Stellen gibt. Vor fünf Jahren stellte sich die Situation noch ganz anders dar: Viele Unternehmen ließen sich nach der Normenreihe DIN ISO 9000 ff. zertifizieren, nicht zuletzt, um dem Vergleich mit Konkurrenten Stand zu halten und Solidität auszustrahlen. Der Beruf des Qualitätsmanagers oder-auditors war noch recht neu; Kräfte zu bekommen war ein Kunststück. Inzwischen haben sich Tausende Ingenieure, Kaufleute und Naturwissenschaftler zum Qualitätsmanager ausbilden lassen, haben in Unternehmen neue Managementmethoden sowie Qualitätssicherungsmaßnahmen eingeführt und sind dabei, diese zu einem Total Quality Management-System (TQM) auszubauen.

Die Aufgaben nehmen zu, aber nicht die Stellen, denn vor Jahren eingesetzte Qualitätsmanager halten immer noch die Stellung, weil sie ihre Maßnahmen umsetzen und ständig verbessern. Entsprechend schwach ist die Wechselwilligkeit. "Wir haben eine extrem niedrige Fluktuation in diesem Bereich. In den letzten Jahren kam es praktisch zu keinem Wechsel", berichtet AEG-Sprecherin Birgit Steffen.

So wie bei AEG sind daher auch in anderen Unternehmen keine Neueinstellungen geplant: Daimler-Chrysler in Berlin kommt mit drei Mitarbeitern aus, Bahlsen in Hannover beschäftigt 30 Mitarbeiter, die sich um die Qualität kümmern, davon sind zehn Führungskräfte. Auch sie werden in diesem Jahr keine neuen Kollegen bekommen. Genauso sieht es bei der Telekom und Nestlé aus. Sie melden: "Alle Stellen besetzt." Immerhin: Automobilbauer wie Audi, BMW und VW haben für das laufende Jahr keine konkrete Stellenplanung, sind aber durchaus bereit, Spitzenkräfte an Bord zu nehmen.

Trocknet da ein Berufszweig aus? "So weit würde ich nicht gehen", sagt Kienbaum Vice President Wolfgang Lichius, "aber die Blütezeit ist vorbei. Der Bedarf hat sich auf ein Normalmaß eingependelt." Qualitätsmanager seien nach seiner Erfahrung genauso gesucht, wie jede andere etablierte Position in Unternehmen - etwa die des Vertriebs- oder Marketingleiters - auch. Daran zeige sich, dass nach der ISO-Manie quer durch alle Branchen Qualität optimiert worden sei. "Die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Qualität bedeutet nun mehr als Kontrolle, heute ist Agieren statt Beaufsichtigen gefragt."

Und genau deshalb sieht Rolf Henning, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ), durchaus viele neue Aufgabenfelder. Zwar notiert auch er Anzeichen eines gesättigten Markts, nachdem sich im ersten Quartal dieses Jahres deutlich weniger Führungskräfte zum Auditor ausbilden ließen. Aber deren Fähigkeiten würden zusehends auch im öffentlichen Dienst, im Gesundheitswesen und in sozialen Einrichtungen benötigt.

"Im Vordergrund steht nicht mehr, Normen zu erfüllen, um ein Zertifikat zu erhalten, sondern die Selbstbewertung, um Geschäftsprozesse zu verbessern", erklärt Henning. Dies und schließlich das TQM gehe einher mit Risiko- und Wissensmanagement, mit gezielter Förderung von Sozialkompetenzen der Belegschaft und strikter Kostenkontrolle.

"Für sich neu entdeckt hat das die Touristikbranche. Die Erkenntnis: Ein gutes Beschwerdemanagement löst nicht die eigentlichen Probleme, man muss vorher ansetzen", sagt Henning. Trocken, aber wahr: "Meine Prognose ist, dass die Statistik eine Renaissance nach der verflogenen Euphorie des Managerkults erleben wird. Sie ist für Qualitätsmanager wichtiges Handwerkszeug, um Prozesse zu optimieren."

Damit wird klar: Der umfassend ausgebildete Qualitätsmanager, der staubende Statistiken nicht scheut, hat auch auf einem gesättigten Arbeitsmarkt gute Chancen. Seine Verdienstaussichten können sich sehen lassen: Das Gros verdiene, so Arbeitsvermittler Kay Kessler, zwischen 60 000 und 90 000 Euro im Jahr. Abteilungs- und Bereichsleiter in Großunternehmen können gar 120 000 Euro erwarten. Gleichwohl werde auch bei Top-Kräften eine weiterhin lahmende Wirtschaft Spuren hinterlassen.

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