Jobst-Hubertus Bauer ist Seniorpartner bei Gleiss
Der Anwalt der Bosse

Er machte das Arbeitsrecht in Deutschland salonfähig. Mit seinen Meinungen hält Jobst-Hubertus Bauer nicht hinterm Berg. Der 57-Jährige ist Anwalt der Arbeitgeber.

STUTTGART. Kokettieren aus Gewohnheit, Schauspielerei nicht ausgeschlossen. Nein, englische Fälle übernehme er normalerweise nicht. "Dafür ist mein Englisch zu schlecht."

Wer sich mit einer solchen Aussage um einen Job in einer renommierten deutschen Kanzlei bewirbt, bekommt postwendend eine Absage. Leisten kann sich diesen Satz nur, wer eine feste Größe ist im Anwaltsmarkt. Jobst-Hubertus Bauer gilt unter Arbeitsrechtlern als "einer der profiliertesten Köpfe der Branche - und er ist der bekannteste", wie ein Kenner sagt.

Bauer ist Senior-Partner der Kanzlei Gleiss, Lutz, Hootz, Hirsch in Stuttgart und hat führende Unternehmen in Deutschland beraten. Dazu gehören Konzerne aus dem Versandhandel, der Automobil- und der Chemiebranche. Allerdings: Betriebsräte und Gewerkschaften vertritt der 57-Jährige nicht. Denn Bauer ist Anwalt der Bosse. In seinen zahlreichen Veröffentlichungen vertritt er meistens arbeitgeberfreundliche Thesen. "Aus Überzeugung", wie er sagt. So äußerte er sich in der Wirtschaftswoche zum geplanten Antidiskriminierungsgesetz der Bundesregierung: "Es wird zu einer Klageflut von Neunmalklugen kommen, die auf Schadensersatz aus sind", sagte er.

"Als ich Ende der 70er-Jahre mit Arbeitsrecht anfing, waren die Sozien sehr skeptisch. ,Das ist doch armer Leute Recht?, sagten sie mir", schmunzelt Bauer. Heute gehört dieses Rechtsgebiet zu den wichtigsten Standbeinen der Kanzlei und beschäftigt rund 21 der 170 weltweit tätigen Anwälte.

Ein Händchen für Leute

Ihm gelang es, den Bereich Arbeitsrecht zügig auszubauen und junge Talente dafür zu begeistern. Er hat, bescheinigt ihm ein befreundeter Anwalt, vor allem eines: ein Händchen für Leute. Viele der jungen Anwälte, mit denen er intensiv zusammenarbeitete, sind heute ebenfalls erfolgreiche Arbeitsrechtler. Mit einem Teil dieser Juristen führt Bauer nun den Bereich Arbeitsrecht bei Gleiss in Stuttgart.

Sein Weg dahin war vom Zufall bestimmt. Angefangen hat er mit Kartell-, Wettbewerbs- und Gesellschaftsrecht. 1978 bekam er Gelegenheit, an einer Betriebsschließung mitzuarbeiten, weil der Fall für den damaligen Sozius zu umfangreich war. "Da musste Arbeitsrecht von A bis Z gemacht werden: Zahlreiche Verhandlungen mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften waren zu führen, ein Sozialplan wurde aufgestellt. Das war mein Einstieg ins Arbeitsrecht", erinnert er sich.

Als die sozialliberale Koalition 1972 das Betriebsverfassungsrecht novellierte, erhielten die Arbeitnehmer neue Mitbestimmungsrechte. Es dauerte einige Zeit, bis das neue Recht angewandt wurde, doch dann gab es immer mehr Streit mit den Betriebsräten. Das Arbeitsrecht gewann an Bedeutung.

200 Aufsätze zum Arbeitsrecht

Bauer war einer der wenigen Anwälte, die diese Entwicklung publizistisch begleitete. Er hat mehr als ein halbes Dutzend Bücher und über 200 Aufsätze zum Arbeitsrecht geschrieben, "ein Hobby", wie er schmunzelnd sagt. "Meine Frau möchte immer, dass ich bei der Gartenarbeit helfe, doch dafür bin ich ungeeignet. Ich schreibe lieber Artikel." Reizvoll an seiner Arbeit findet er den Mix: "Vorträge, interessante Mandate quer durchs Bundesgebiet und hier und da eine Publikation."

Kritiker werfen ihm vor, er übertreibe es mit dem Selbstmarketing zuweilen. Doch auch sie erkennen seine hohe fachliche Kompetenz an. Gegnerische Anwälte schätzen seine Verlässlichkeit. "Bei Bauer gilt das gesprochene Wort", weiß ein Kollege.

Bei seinen Mandaten ist Bauer wählerisch geworden. Er bearbeitet fast nur noch klassische deutsche Fälle. Vor allem die Vertretung von US-Firmen überlässt er gerne Kollegen. US-Amerikanern das hiesige Arbeitsrecht zu erklären sei schwierig. "Die glauben einem entweder nichts oder denken, sie sind beim falschen Anwalt - so wie das in Deutschland läuft", sagt er grinsend.

Er ist froh, dass seine Kanzlei nicht mit der britischen Herbert Smith fusionierte, sondern nur eine engere Kooperation vereinbarte. "Ich möchte auch mal ein Mandat annehmen, das nicht lukrativ, aber interessant ist und mir Spaß macht. Bei einer Fusion wäre das kaum mehr möglich", fürchtet Bauer.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%