Jobsuchende sollten Spielregeln beachten
Initiativbewerbungen: Direktmarketing in eigener Sache

Der Rückgang der Stellenangebote in führenden Printmedien ist ein sicherer Indikator für die veränderten Vorzeichen im Arbeitsmarkt. Wenn heute bis zu 50 Prozent weniger Stellen in den Zeitungen annonciert werden, heißt das aber nicht, dass die Zahl der offenen Stellen in gleicher Höhe sinkt. Die Einsteller sitzen lediglich wieder am längeren Hebel und greifen auf unangefordert zugesandte Bewerbungen zurück.

Gleich in welchen Branchen, Funktionsbereichen und auf welchen Ebenen: In rezessiven Zeiten ist die Initiativbewerbung das Instrument für Stellensuchende schlechthin - wenn sie fehlerfrei sind, und die Schreiber erkennbar die Erfolgsgesetze des Direktmarketings beherrschen.

Es gibt zwei Spielarten der Initiativbewerbung. Bei der unternehmensbezogenen Variante wendet sich der Kandidat an eine kleine Anzahl von Unternehmen, für die er gerne arbeiten möchte. Die Alternative ist die branchenbezogene Initiativbewerbung, bei der bis zu 100 Bewerbungen in Umlauf gebracht werden. Am Anfang steht die Recherche:

  • Was bewegt die Unternehmen und Branchen zurzeit am meisten?
  • In welchen Bereichen besteht überhaupt Personalbedarf?
  • Welche Aufgaben müssen dort gelöst werden?
  • Welche Schlüsselqualifikationen sind gefragt?
  • An wen sollte die Bewerbung gerichtet sein?

Für die Informationssuche gibt es jede Menge Quellen. Sie reichen von der schriftlichen Anfrage an die Unternehmen über das Vorabtelefonat bis hin zur Internetrecherche. Kostenpflichtige Unternehmens- und Branchenreports enthalten Presseveröffentlichungen, Geschäftsberichte und aktuelle Bilanzen. Der Bewerber sollte nach der Recherche abschätzen, wo die Unternehmen der Schuh drückt. Im Anschreiben muss er sich als Problemlöser verkaufen.

Wie das geht? Ein Kandidat interessiert sich für die Position des Vorstandsassistenten. Er findet das Zitat des Vorstandsvorsitzenden: "Unser strategisches Ziel umfasst die Straffung des Produktionsprogrammes und der Rohstoffpalette sowie die internationale Vereinheitlichung des Informationswesens." Der Bewerber schreibt also im Anschreiben sehr passend: "An der Deutschen Außenhandels- und Verkehrsakademie eignete ich mir aktuelles internationales Controllingwissen an. Als Produktmanager Zentraleinkauf bereinigte und standardisierte ich das Sortiment. Bei internationalen Informationsprojekten und der Optimierung der Rohstoffpalette kann ich Sie daher unterstützen." Beim branchenbezogenen Initiativanschreiben müssen analog Themen im Anschreiben aufgegriffen werden, die von hoher Aktualität sind und die meisten Unternehmen der Branche betreffen.

Wichtig ist, das Anschreiben an die tatsächlichen Personalentscheider zu adressieren. Je nach Zielpositionen sollte der Jobsuchende Mitglieder der Geschäftsführung oder den adäquaten Fachbereichsmanager direkt und persönlich vertraulich anschreiben. Der schnellste Weg, Adressen und Namen der Entscheidungsträger zu erfahren, führt über Adressbroker, die Adressen zum einmaligen Gebrauch vermieten. Gute Dienste leisten auch Adressbücher, wenn sie denn aktuell sind.

Qualifikationsprofil darf nicht fehlen

Neben dem Anschreiben stellt das Qualifikationsprofil einen wichtigen Bestandteil der Initiativbewerbung dar. Es umfasst eine DIN A4-Seite und ist generell zweispaltig aufgebaut. Links befinden sich bis zu fünf Schwerpunkte, rechts daneben kurz und prägnant das dazu gehörende Wissen oder die praktischen Erfahrungen. Der Leser muss auf die Idee kommen, dass die aufgeführten Qualifikationen als Lösungen zu den Problemen passen, die er in seinem Unternehmen hat. Nur dann beginnt er sich für den Bewerber zu interessieren. Wer auf seinen Lebenslauf nicht verzichten möchte, kann als dritte Seite einen kurzen biographischen Abriss bringen. Ein Foto ist nicht erforderlich. Wenn Fach- und Führungskräfte fürchten, als Massenbewerber in ihrer Branche bekannt zu werden, sollten sie einen Mittelsmann einsetzen. Das muss selbstverständlich klar aus dem Anschreiben hervorgehen.

Sicher ist: Wer sich vorab intensiv über die Branche informiert, wird belohnt. Etwa hundert unaufgeforderte Aussendungen führen zu fünf bis zehn intensiveren Kontakten zwischen Bewerbern und Unternehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%