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Jobvermittler ohne Jobs auf neuen Wegen

HANDELSBLATT, 30.7.2003
KÖLN. "Arbeit ist für alle da" - ein mutiger Titel für ein Buch, dessen Autor Vorstandsvorsitzender der Bundesanstalt für Arbeit ist. Der forsche Behördenchef Florian Gerster verspricht tatsächlich nicht weniger als "neue Wege in die Vollbeschäftigung". Und stellt sich so gegen sozialdemokratische Vordenker, die wie Peter Glotz ein "Ende der Erwerbsarbeit" nahen sehen.

Für Nicht-Sozialdemokraten ist es freilich nicht wirklich neu, an flexiblere Märkte, geringere Lohnnebenkosten und schlanke Verwaltungen zu denken. Es ist auch nicht neu klar zu stellen, dass Arbeitsplätze in Unternehmen entstehen. Doch liest es sich immer etwas interessanter, wenn es ein sozialdemokratischer Praktiker in dieser Form tut.

Gerster holt weit aus, um die Beschäftigungskrise einzuordnen. Damit liefert er vor allem eine auch für Laien gut lesbare Bestandsaufnahme von Ursachen: Warum die Beschäftigungsschwelle hier zu Lande so hoch ist, welche Fehler bei der deutsch-deutschen Wirtschafts- und Währungsunion gemacht wurden, warum viele Arbeitslose in der Sozialhilfefalle sitzen.

Gerster müht sich, die Reformen der Bundesanstalt durch sein Buch aufzuwerten, erklärt wie er Arbeitslose effizienter verwalten, sie effektiver qualifizieren und erfolgreicher vermitteln will. An der entscheidenden Stelle wird er aber sehr bescheiden. Der Hauptbeitrag für mehr Beschäftigung, findet Gerster, "muss von der Wirtschafts- und Finanzpolitik und von den Tarifparteien geleistet werden". Wer wollte ihm die plötzliche Zurückhaltung vorwerfen - er hat ja Recht.        David Selbach

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