Jörg Menno Harms soll in Deutschland HP und Compaq integrieren: Der Rückkehrer

Jörg Menno Harms soll in Deutschland HP und Compaq integrieren
Der Rückkehrer

Der Mann muss sich nichts mehr beweisen. Und genau das ist gut für Hewlett Packard, - entschied der Aufsichtsrat. Harms, Ex-Deutschlandchef von HP, kehrt an die Spitze zurück.

Der Arbeitsplatz von Jörg Menno Harms, Chef der Hewlett-Packard GmbH, ist in dem schmucklosen und engen Großraumbüro von jedem Mitarbeiter einsehbar. Ein kleines selbst gebasteltes Schild mit der Aufschrift "Lächeln" ist der einzige Blickfang auf dem grauen Stehpult des Chefs. Der 63-jährige Manager, der selbst gern gute Laune hat, will engagierte Leute um sich haben.

Harms sieht erstaunlich erholt aus, sehr viel erholter als vor drei Jahren. Damals, im Januar 2000, hat er als Chef von Hewlett-Packard (HP) von einem Tag auf den anderen seinen Job gekündigt, um noch etwas vom Leben zu haben. Der plötzliche Tod seines Bruders habe ihn zum Nachdenken gebracht, erzählt er heute. In ihm sei damals der Entschluss gereift, sich doch noch seinen Traum vom eigenen Unternehmen zu erfüllen. Er wechselte an die Aufsichtsratsspitze der deutschen HP und gründete eine IT-Unternehmensberatung.

Dann kündigte im vergangenen November unvorhergesehen Heribert Schmitz - sein Nachfolger bei HP. Nach dem Zusammenschluss der Unternehmen Compaq und HP kam es bei den deutschen Töchtern zu erheblichen Reibereien, was Schmitz wohl zermürbte. Der deutsche HP-Aufsichtsrat musste sofort für ihn Ersatz finden. In dem von Rezession geplagten Computermarkt wurde Harms am ehesten zugetraut, wieder für Ruhe im Unternehmen zu sorgen.

Der Diplomingenieur hat fast sein ganzes Berufsleben bei HP verbracht und kennt die deutsche Tochter und deren Kunden wie kaum ein anderer. Und er weiß um die Bedeutung des Zusammenschlusses mit Compaq - die Zahlen sprechen für sich. So kommen allein die deutschen Töchter von HP und Compaq auf einen Umsatz von fünf Milliarden Euro und knapp 8 000 Beschäftigte.

Die Umstellung zurück ins harte Managerleben - "ins Hamsterrad mit einer 60-bis-70-Stunden-Woche", wie Harms es nennt - ist ihm leicht gelungen. "Mir macht die Arbeit Spaß", schwärmt der Manager im Streifenhemd mit roter Krawatte und strahlt dabei eine Lockerheit aus, die er früher so nicht besaß. Der Jackettzwang war bei HP noch nie sehr ausgeprägt. Mancher Beobachter erzählt, dass Harms sich als Aufsichtsratschef und Unternehmensberater nicht wirklich ausgelastet gefühlt habe und ihm der Drei-Jahres-Vertrag gelegen kam.

Bei seiner Rückkehr auf den Chefsessel im vergangenen November hat er befürchtet, dass die Belegschaft sich fragen könnte, warum er keinem jüngeren Platz mache. "Aber solche Reaktionen sind ausgeblieben", wundert sich Harms selbst ein wenig und gibt den Aufsichtsräten Recht. Sie hatten die Meinung vertreten, dass es HP stabilisieren würde, wenn jemand komme, der nichts mehr werden wolle und sich nicht mehr beweisen müsse.

"Ich pfusche niemanden ins Handwerk oder bringe Zahlen durcheinander, um gut dazustehen", sagt der Manager, der sich nebenbei als Vizepräsident beim Bundesverband Bitkom engagiert und sich erneut zur Wiederwahl stellen will.

Mit seinen Chefs hat Harms fünf Ziele vereinbart, die er in den nächsten zwei bis drei Jahren erfüllen will. Dazu gehört neben den klassischen Aufgaben eines Länderchefs auch die Integration der deutschen Compaq. Dabei fährt er wie Schmitz auch eher einen Kurs der Konfrontation. Klar ist in Böblingen, dass die sehr spezifische HP-Kultur bestehen bleibt und sich die Compaq-Mannschaft anpassen muss. Doch es gibt auch Dinge, bei denen die Böblinger mit ihrer ausgeprägten Diskussionskultur von den anderen lernen wollen. "Bei Compaq wird schneller entschieden", weß Harms.

In den nächsten zwei Jahren wird er auch seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin suchen und eine kleine Liste mit möglichen Kandidaten erstellen. Sie müssen neben Erfahrung auch Glaubwürdigkeit und Autorität mitbringen, fordert Harms. Wenn der Rückkehrer das nächste Mal seinen Chefsessel räumt, will er dies geordnet tun. Dann hat er auch wieder mehr Zeit für seine Hobbys: Fast Walking in den Stuttgarter Weinbergen oder Bergsteigen in den Dolomiten. Den täglichen Arbeitsstress baut der Vater dreier Kinder mit Bücherlesen ab - Bücher, die nichts mit seiner Arbeit zu tun haben.

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VITA

Am 13. September 1939 wird Jörg Menno Harms in Schleswig-Holstein geboren. In Stuttgart studiert er Nachrichtentechnik und beginnt 1968 seinen Berufsweg bei Hewlett-Packard (HP) in Böblingen. Viele Jahre ist er in der Sparte Medizinelektronik - heute Agilent - tätig, zuletzt auch mit europäischer Verantwortung. 1993 wird er dann Chef der deutschen HP und wechselt schließlich 2000 in den Aufsichtsrat. Er gründet die Menno Harms GmbH. Im November 2002 wird er erneut in Böblingen Chef von Hewlett Packard. Die deutsche Tochter ist nach dem Standort Singapur die zweitgrößte Auslandstochter des Unternehmens.

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