Johannes Paul II.
Ein Vermächtnis

Der Papst legt den zweiten Teil seiner Autobiografie vor.

Es war im Juli 1958, als ein junger Priester es sich mit seinem Schlafsack auf dem Bahnhof von Olsztynek bequem machte. Er war gerade von einem Lastwagen gestiegen, der mit Mehlsäcken beladen war. Sein Ziel: Warschau, das Bischofshaus des Kardinals Primas Stefan Wyszynski.

Karol Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II., befand sich eigentlich auf einer Paddelpartie mit Freunden, als ihn die Ernennung zum Weihbischof des Erzbischofs von Krakau ereilte. "Eminenz, ich bin zu jung, kaum 38 Jahre alt", wagte er, dem Primas entgegenzuhalten. Doch dieser antwortete: "Das ist ein Fehler, den Sie bald überwinden werden. Ich bitte Sie, sich dem Willen des Heiligen Vaters nicht zu widersetzen."

Eine Schlüsselszene im Leben von Johannes Paul II. Wie in einem Brennspiegel zentriert sich in ihr die Vita eines Mannes, der zu einer der prägenden Gestalten des 20. Jahrhunderts werden sollte. Nicht ohne Grund leitet der amtierende Papst den zweiten Teil seiner Autobiografie mit dieser Szene ein. Denn Zeit seines Lebens war er ein "zu junger" Kirchenführer. Schon sechs Jahre später sollte er selbst die Würde eines Erzbischofs von Krakau bekleiden, 1967 bereits zum zweiten Kardinal Polens neben Wyszynski aufsteigen und schließlich 1978 als erster Nichtitaliener seit dem frühen 16. Jahrhundert zum Papst gewählt werden.

Doch die Szene spiegelt auch die Demut und die Bereitschaft zum Gehorsam wieder. "Ich akzeptiere", antwortete der junge Wojtyla seinem Kardinal Primas. Genau diese Zurücknahme der eigenen Person erwartet Johannes Paul II. bis heute von sich - und auch von anderen. Das Amt des Petrus, so sagte der Papst einmal in einem der seltenen Interviews, sei weniger Würde als vielmehr Dienst.

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