John Jakobsen ist Chef von Legoland Deutschland
Der Meister der Bauklötze

Während seiner Kindheit hat der gebürtige Däne davon geträumt, später einmal für Lego zu arbeiten. In der Nähe von Ulm hat Jakobsen jetzt ein ganzes Legoland gebaut.

An der nicht gerade geräumigen Rezeption geht es zu wie im Taubenschlag: Ein Dutzend künftiger Mitarbeiter kommt lärmend von der ersten Einführung in den neuen Job zurück, Bewerber warten ungeduldig auf ihre Vorstellungsgespräche, und neugierige Besucher probieren Gummistiefel an, um gleich danach über die matschige Baustelle geführt zu werden.

Es gibt keine Ecke auf dem Gelände des Legolands Deutschland, in der nicht eifrig gearbeitet wird. Die fast 600 Handwerker draußen im Park stehen ebenso unter Druck wie die 130 Verwaltungsangestellten an den Schreibtischen: Spätestens am 17. Mai muss jeder Legostein wie angegossen auf dem anderen sitzen. Am Freitag vor Pfingsten öffnet der Freizeitpark im schwäbischen Günzburg erstmals seine Tore.

Nur ein Mann scheint von der hektischen Betriebsamkeit nicht angesteckt: John Jakobsen, seit zweieinhalb Jahren verantwortlich für das 150-Millionen-Euro-Projekt. Jakobsen hat gute Gründe für die demonstrative Gelassenheit: "Wir liegen ganz gut in der Zeit, das Budget wird eingehalten, und die Qualität stimmt", ist der 38-Jährige zufrieden. Der gebürtige Däne weiß, wovon er spricht: Der Vater von drei Kindern hat schon das Legoland im US-Bundesstaat Kalifornien aufgebaut.

Seit 1985 lebt der jugendlich wirkende Manager von und mit den berühmten bunten Plastik-Klötzchen des dänischen Familienunternehmens. "Es war schon immer mein Traum, für Lego zu arbeiten", erinnert sich Jakobsen an seine Jugend, die er nur 30 Kilometer entfernt von Billund, dem Stammsitz der Spielzeug-Dynastie, verbrachte.

Karriere begann als Trainee

Der Einstieg dauerte allerdings länger, als Jakobsen gedacht hatte. "Schon während des Studiums habe ich mich immer um Saisonjobs bei Lego beworben, bin aber nie genommen worden. Die Firma ist ein sehr geschätzter Arbeitgeber in Dänemark." Nach der Universität holte Lego den ehrgeizigen Marketing-Experten schließlich doch als Trainee ins Boot.

Seither hat der begeisterte Langstreckenläufer - seine Bestzeit für die Marathonstrecke liegt bei beachtlichen 2 Stunden, 26 Minuten - zügig Karriere gemacht. So war er etwa daran beteiligt, eine Lizenz des Science-Fiction- Themas "Star Wars" für Lego zu ergattern. Die Raumschiffe gehören seit Jahren zu den erfolgreichsten Produkten des Spielwaren-Anbieters.

Mit fernen Galaxien hat Jakobsen inzwischen aber nur noch wenig zu tun. Der korrekt gekleidete Mann liebt es bodenständig. Deshalb sei ihm auch der Umzug aus Skandinavien in die schwäbische Kreisstadt Günzburg in der Nähe von Ulm nicht schwer gefallen: "Ich bin in Dänemark auf dem Land aufgewachsen, ich liebe die Natur."

Aus diesem Grund will Jakobsen auch unbedingt nach der Eröffnung des Parks im ländlichen Günzburg bleiben. Er freut sich, dass sich seine Familie wohl fühlt: "Meine Kinder haben ja schon Schwäbisch gelernt. Das ging schnell, denn als wir hier angekommen sind, konnten sie kein Wort Deutsch."

In diesen Tagen bekommt Jakobsen seinen Nachwuchs allerdings nur am Wochenende zu Gesicht. Und auch diese spärliche Freizeit wird ihm in den kommenden Wochen wohl nicht bleiben: "Zur Eröffnung hin wird die Belastung natürlich immer höher." Deshalb muss die Familie den diesjährigen Sommerurlaub auch ohne Papa im heimischen Dänemark verbringen. "Es ist einfach zu spannend, um nicht hier zu sein", erfreut sich Jakobsen aber an seiner Aufgabe.

Die Herausforderung endet mit der Eröffnung Mitte Mai keineswegs: "Ich habe mich noch nie mit dem täglichen Betrieb eines Parks beschäftigt." Obwohl er momentan gar nicht gerne darüber redet, hat Jakobsen schon die Erweiterung der Klötzchenwelt im Kopf.

Schon kommendes Jahr will er auch für Übernachtungsmöglichkeiten am Rande der weitläufigen Anlage sorgen. Geplant sind ein Hüttendorf und ein Campingplatz. Und jedes Jahr, versichert der Meister der Bauklötze, werde eine neue Attraktion aufgebaut, "sonst wird?s langweilig".

Seinen Lieblingsbereich hat sich Jakobsen im eigenen Freizeitpark schon lange ausgesucht: "Mein Herz schlägt für das Miniland." Dort haben dänische Lego-Artisten aus Millionen Lego-Steinen berühmte Gebäude aus ganz Europa nachgebaut.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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