John Kerry bleibt auf Tauchstation
Je später der Abend, desto ruhiger die Kerry-Anhänger

Nach und nach trudeln die Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten ein. Während die Stimmung im Weißen Haus steigt, werden die Gesichter im Lager des Senators John Kerry immer länger.

HB WASHINGTON. Kerry-Berater mahnten dennoch zur Vorsicht: Vor vier Jahren schwang das Stimmungspendel auch stundenlang hin- und her. Das Ergebnis stand schließlich erst nach 36 Tagen fest, und nur nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts.

Als erster wagte sich Präsident Bush vor die Kameras. Überraschend lud er ein paar Reporter in seine Privatgemächer ins Weiße Haus ein. Dort saß die gesamte Familie Bush mit zahlreichen Freunden vor den Fernsehschirmen. "Ich glaube, ich werde gewinnen", meinte er gut gelaunt. Mehrfach telefonierte er mit seinem Bruder, dem Gouverneur von Florida.

John Kerry blieb in Boston dagegen auf Tauschstation. Er schickte seinen Berater Joe Lockhart an die Medienfront. "Es sieht gut für uns aus", machte er den Anhängern Mut. Im Fairmont-Hotel, dem Medienzentrum der Demokraten, traten sich Politiker und Reporter gegenseitig auf die Zehen.

Dass es spannend würde an diesem Wahlabend, war ja schon vorher klar, aber dennoch hielt es die Bush- und Kerry-Anhänger vor den Bildschirmen lange kaum in ihren Sesseln. "Ich halte es nicht mehr aus", stöhnte Sekretärin Rebecca Jones nervös, die die Wahl mit Kollegen in ihrem Büro in Washington verfolgte. "Das wird eine lange Nacht", sagte CNN-Reporter John King vor dem Weißen Haus voraus. Die Fernsehsender machten es den Zuschauern nicht einfacher: Nach dem Wahldebakel 2000 waren sie übervorsichtig. In den Studios gaben sich Analysten und Kommentatoren die Mikrofone in die Hand, aber so richtig Erhellendes hatte niemand zu bieten. "Wir sind übervorsichtig", sagte CNN-Veteranin Judy Woodruff zum zigten Mal.

In Miami verfolgten viele Wähler die Ergebnisse in Bars. "Wenn Bush gewinnt, verfalle ich in eine tiefe Depression", meinte Susan Medina. "Dann heule ich los." Chris Kingsley aus Boston sah das völlig anders: "Ich hoffe auf Bush. Ich komme aus (Kerrys Heimatstaat) Massachusetts und habe seine Possen lange genug ertragen."

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