John McCain und die Republikaner
Das Würfeln um den Vizepräsidenten beginnt

John McCain ist nach dem Ausscheiden von Mitt Romney der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner. Ihm steht im November ein mühseliger Kampf bevor. Bei den Konservativen steht er nicht hoch im Kurs. Nun braucht er einen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft, der die Wahrnehmung der Wähler auf den Kopf stellen kann.

Die Aufgabe von McCain im Kampf gegen Barack Obama ist äußerst schwierig. Obama verknüpft moderate wirtschaftspolitische Ansichten mit einem glanzvollen Auftritt, einer angenehmen Persönlichkeit und wenigen negativen Vorzeichen. Seine offenkundige Schwäche ist der Mangel an Erfahrung.

Im Rennen gegen Obama wird McCain dies zum Kernstück seiner Kampagne machen müssen. Wenn er den New Yorker Bürgermeister Mike Bloomberg zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten kürt, könnte es funktionieren. Auch wenn er als Sozialliberaler gilt, hat sich Bloomberg als Bürgermeister gut geschlagen. Und er ist ein Milliardär aus eigener Kraft. Das Team McCain/Bloomberg würde zwar viele Stimmen im konservativen Lager verlieren, aber es könnte eine große Zahl unabhängiger Wähler anziehen, die graue Haare dem Glamour vorziehen.

Gegen Hillary Clinton wäre Bloomberg als Waffe für McCain weniger schlagkräftig. Clinton verfügt zwar über eine große Erfahrung, aber viele Wähler sehen sie sehr negativ. Wenn er Konservative mit ins Boot ziehen kann, hat McCain eine solide Chance. Sozialkonservative Wähler würden vielleicht Mike Huckabee den Vorzug geben, den ehemaligen Gouverneur von Arkansas, der das Rennen um die Nominierung noch nicht aufgegeben hat. Aber die Finanzmärkte würden einen Vizepräsidentschaftskandidaten vorziehen, der wirtschaftspolitisch erstklassige Referenzen und eine kugelsichere Integrität vorweisen kann.

Vielleicht sollte sich McCain in den Führungsetagen amerikanischer Unternehmen umschauen, besonders unter den Frauen, um ein Gegengewicht zu Clinton zu bilden, die besonders bei den Wählerinnen gut ankommt. Meg Whitman, die ehemalige Chefin von Ebay, könnte sich gut eignen, jetzt da Romney, ihr bevorzugter Kandidat und ehemaliger Kollege bei Bain, ausgeschieden ist. Auch die ehemalige Chefin von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, ist schon als mögliche Kandidatin gehandelt worden, auch wenn sie bei dem Computerunternehmen reichlich schlecht abgeschnitten hat.

Natürlich ist es um das Gedächtnis der Wähler noch schlechter bestellt als um das der Aktionäre. Sie könnten Fiorina deshalb ihre Sünden bei HP vergeben. Wie auch immer, die Wahl des Vizepräsidentschaftskandidaten ist die beste Möglichkeit für McCain, die Wahrnehmung der Wähler so durchzuschütteln, dass er im November gewinnen kann. Ein Standardpolitiker aus der zweiten Reihe wird das nicht schaffen.

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