John McEnroe gesteht ein, zur aktiven Zeit Doping genommen zu haben
Eine Sportart macht sich verdächtig

Das internationale Tennis hat ein Dopingproblem. Es gibt zwar wenig überführte Sportler, doch die Kontrollen sind lasch.

BERLIN. Es war kein gewöhnliches Erstrundenmatch, das Greg Rusedski am Montag 7:6 und 7:6 in Sydney gewann. Der Brite besiegte Juan Ignacio Chela, den Argentinier, der hinter sich hat, was Rusedski drohen könnte: eine Dopingsperre. Chela wurde 2001 für drei Monate gesperrt, weil er positiv auf das Steroid Methyltestosteron getestet wurde. Seit Freitag steht auch Rusedski unter Dopingverdacht.

Die Herrentennis-Organisation ATP und die Frauentennis-Organisation WTA meldeten bisher nicht viele Dopingsünder. Was nicht heißen muss, dass nicht gedopt wird. Im Gegenteil. Am Montag gab der ehemalige Tennisprofi John McEnroe zu, in seiner aktiven Zeit Steroide genommen zu haben. "Sechs Jahre lang war ich mir nicht bewusst, dass mir eine Art legales Steroid verabreicht wurde, das man auch Pferden gibt", erzählte der Tenniskommentator, "so lange, bis man bemerkt hat, dass es sogar für die Pferde zu stark war." McEnroe wurde nie positiv getestet.

Die beiden Profitennisverbände haben die Dopingtests nicht wie andere Sportverbände an eine unabhängige Kontrollinstanz wie die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) vergeben. Wada und ATP beabsichtigen zwar, demnächst einen Vertrag über die künftige Zusammenarbeit zu unterzeichnen. Bis dahin kontrollieren sich die Tennisverbände weiterhin selbst. Im Herrentennis brachte das erst drei überführte Dopingsünder. "Es wird Zeit, dass endlich mal die Wahrheit auf den Tisch kommt", sagt Rainer Schüttlers Trainer Dirk Hordorff. ATP-Sprecher David Higdon hingegen erklärt: "Unser Dopingtest-Programm ist deutlich und ausreichend und international anerkannt." Doch es gibt auch andere Meinungen. Der Turnierdirektor der German Open wünscht sich von der WTA stärkere Doping-Kontrollen. "Das wird sehr lax gehandhabt", sagt Eberhard Wensky, "es gibt für Turniere keine Vorschriften." Wie oft bei seinem Turnier eine Spielerin getestet wird, weiß er nicht. Wensky fordert feste Regeln statt stichprobenartiger Kontrollen. "Die Siegerin müsste immer kontrolliert werden", sagt er.

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