John Walker in den USA vor Gericht
US-Taliban bei erstem Gerichtstermin

Der US-Taliban-Kämpfer John Walker Lindh soll voraussichtlich bis Freitag erstmals vor ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Virginia gebracht werden.

dpa WASHINGTON. Richter Curtis Sewell verlas vor dem Bundesgericht in Alexandria außerhalb von Washington die Anklage gegen den 20-Jährigen, dem unter anderem Verschwörung zur Ermordung von Amerikanern im Ausland und Beihilfe zum Terrorismus vorgeworfen wird. Walker droht lebenslange Haft. Staatsanwalt Paul McNulty schloss nicht aus, dass Walker darüber hinaus des Hochverrats angeklagt werden könnte. Darauf stünde Todessstrafe.

Walker, in einem grünen Gefängnisanzug und mit kahl geschorenem Kopf, antworte mit leiser Stimme auf die Frage des Richers, ob er die Anklage verstehe, schlicht mit "Ja, ich verstehe". Und kurz darauf: "Ich habe keine weiteren Fragen, Sir." Der junge Mann war kaum wiederzuerkennen. Bislang waren nur die direkt nach seiner Festnahme aufgenommenen Fernsehbilder um die Welt gegangen, in denen Walker verwahrlost, abgemagert, mit langem Bart und wilder Haarmähne zu sehen war. Die nächste Anhörung findet am 6. Februar statt.

Walkers geschiedene Eltern sahen ihren Sohn vor der Anhörung erstmals seit mehr als einem Jahr. Walker sei in sehr guter Verfassung gewesen, sagte sein Vater Frank Lindh anschließend. Die Vorwürfe seien jedoch gegenstandslos. "John liebt Amerika. Er wollte nie einen Amerikaner verletzten. Er ist unschuldig, was die Vorwürfe angeht", sagte Lindh. "Die Liebe zu meinem Sohn ist bedingungslos", sagte Mutter Marilyn Walker vor dem Gefängnis.

Nach Angaben von Rechtsanwalt James Brosnahan verlangte Walker während der Gefangenschaft auf einem US-Stützpunkt und auf einem Militärschiff vor der pakistanischen Küste mehrmals nach einem Anwalt. Das bestreitet das Justizministerium. Walker habe vor den Verhören durch das FBI schriftlich auf Rechtsbeistand verzichtet, sagte der Ankläger. Die Verteidigung will erreichen, dass seine Geständnisse vor Gericht nicht verwendet werden.

Die Anklage bezieht sich weitgehend auf die Aussagen Walkers, der vor vier Jahren zum Islam übertrat, bei den Verhören. So soll er nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr in einem Terrorlager des El- Kaida-Netzwerks ausgebildet worden sein. Er war nach der Gefangenenrevolte in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif am 1. Dezember in US-Gewahrsam genommen worden. Walker war Ende 2000 zu Religionsstudien nach Pakistan gegangen und hatte sich später den Taliban angeschlossen. Der 20-Jährige war an Händen und Füßen gefesselt am Mittwochabend an Bord einer Frachtmaschine in die USA gebracht worden.

Ashcroft betonte anlässlich der Ankunft des Gefangenen, Walker werde gemäß dem US-Rechtssystem der Prozess gemacht werden - jenem System, das er an der Seite der Terroristen zu zerstören versucht habe.

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