Johnson Graduate School of Management, New York State
Oliver Wunde

Keine Kompromisse. Keine andere Business School. Die Leser mögen mir diese kleine Abwandlung des bekannten Spruches aus der Werbung für die Biermarke "Jever" verzeihen. Das Image dieser Marke verkörpert aus meiner Sicht hervorragend die friesischen Tugenden Freiheitsdrang, Gemeinschaftsgeist und Heimatverbundenheit. Ich glaube das beurteilen zu können - bin ich doch selber ein "waschechter" Friese und nur wenige Kilometer entfernt von der Stadt Jever aufgewachsen.

Keine Kompromisse. Keine andere Business School


Vertrauen ist der Anfang von allem


Wir machen den Weg frei


Jeder Mensch ist alles, außer gewöhnlich


Entdecke die Möglichkeiten









Entdecke die Möglichkeiten

Ich möchte das Ende des Semesters dazu nutzen, einen kurzen Rückblick auf das akademische Programm des ersten Semesters zu geben. An der Johnson School ist das erste Semester in zwei Hälften a sieben Wochen geteilt, in denen jeweils drei "Courses" unterrichtet werden. Die erste Hälfte umfasste Accounting, Microeconomics und einen Kurs namens Managing & Leading Organizations. Die zweite Hälfte hat dann Fächer wie Finance, Marketing und Statistics. Da ich kein Accounting machen musste, habe ich Management Writing and Leadership Foundations als Kurse belegt.

Durch die Teilung des Semesters in zwei Hälften hatte ich zwei "Midterms" und zwei "Finals" - jeweils nach den ersten drei Wochen bzw. in der siebten Woche. Dadurch war die Arbeitsbelastung sehr hoch - und ging nicht ohne Nachtschichten ab. Im Durchschnitt hatte ich 1 ½ Klausuren, Case Write-Ups oder schriftliche 30 Minuten Quizzes pro Woche. Dieser konstante Lerndruck sorgt dafür, dass die Studenten ständig auf dem Laufenden bleiben müssen und Verständnisprobleme schnell erkannt werden, bevor sie zu einem echten Problem werden.

Managing & Leading Organizations und Marketing waren reine Case-based Kurse, d.h. hier mussten wir in unseren Learning Teams zu jeder Stunde eine Folie und einen drei Minuten Vortrag parat haben und wurden dann nach dem Zufallsprinzip aufgerufen. Damit war Stress, aber auch gute Vorbereitung fuer die Klasse garantiert. Ein Case dauert nämlich durchschnittlich fünf bis sechs Stunden. Eine Stunde zum Lesen, eine Stunden alleine zum analysieren, zwei Stunden im Team darüber reden und eine weitere Stunde fuer die Folie. Das will gut organisiert sein. Schließlich hat jeder im Team ja auch andere Verpflichtungen.

Trotz der vielen Zeit hat "case-based learning" aus meiner Sicht den Vorteil, dass man sich den Stoff selber erarbeiten muss und er damit auch viel besser "hängen bleibt." So weiß ich noch heute - nach fast fünf Wochen - wie man in Marketing den Break-even bestimmt, d.h. wie viele Produkte ich mehr verkaufen muss, um meine Marketingkosten bzw. Rabatte wieder herauszubekommen. Daher kann ich mich über die hohen Rabatte im deutschen Einzelhandel nur wundern. Insofern hat ein Einkaufsbummel fuer mich eine ganz neue Dimension bekommen.

In Microeconomics, Statstics und Finance dagegen hatten wir normale Vorlesungen, die von Hausaufgaben und Quizzes begleitet waren.

Mir hat - mit großem Abstand - von allen Kursen Microeconomics am besten gefallen. Unser Prof. hat seinen Kurs auf sieben fundamentalen Prinzipien aufgebaut. Was aber noch viel interessanter war, war sein neustes Research über den Zusammenhang von mehr Geld und Glücklichsein, die er in seinem neuen Buch "What price the moral high ground?" zusammengefasst hat. Darin kann man dann nachlesen, dass Jobs, die moralisch fragwürdig sind, mehr Geld zahlen als solche die im Allgemeinen als sozial erwünscht angesehen werden. Prof. Robert Frank hat darüber hinaus auch festgestellt, dass es Menschen nicht auf ihren absoluten Reichtum ankommt, sondern auf ihren relativen Reichtum zu Menschen in ihrer näheren Umgebung. Dies erklärt auch, warum Menschen in der Upper East Side in Manhattan in New York City in der Regel nicht glücklicher sind als Menschen in einem kleinen Provinznest im Mittleren Westen. In beiden Fällen sind Menschen glücklicher, denen es relativ besser geht als den anderen. In der Upper East Side braucht man dazu ein zweistelliges Millionenvermögen und im Provinznest dagegen nur irgendeinen festen Job zu haben. Dieses Research stellt die bisherige Lehrmeinung von Volkswirten, die immer den absoluten Reichtum einer Volkswirtschaft (meist gemessen am Bruttosozialprodukt) optimieren wollen, auf den Kopf. Demnach geht es den Menschen nicht um absoluten Reichtum, sondern darum, mehr Geld als ein anderer in ihrer unmittelbaren Nähe zu haben. Oder anders ausgedrückt: Damit Menschen sich besser fühlen, muss an der Verteilung von Reichtum etwas geändert werden. Es reicht nicht, wenn die Volkswirtschaft einfach nur wächst und dieses Wachstum nur Wenigen zu guten kommt. Ich bin gespannt, wie die Politiker unserer Generation mit dieser Erkenntnis umgehen werden.

Ich war und bin jedenfalls von dieser Erkenntnis beeindruckt. Dieser Kurs hat mir eine ganz neue Perspektive aufgezeigt. Und Mitte Januar geht es dann im 2. Semester mit Operations, Strategy und Manufacturing weiter.

"Entdecke die Möglichkeiten" ist der Werbespruch der Möbelkette IKEA.


Jeder Mensch ist alles, außer gewöhnlich

Cornell bietet seinen Studenten unter dem Titel "EARS - We hear you" einen anonymen Counseling Service an, der von Studenten für Studenten unter fachlicher Beratung organisiert wird. Bei EARS können Studenten anrufen oder vorbeischauen, um mit Gleichaltrigen über ihre Sorgen und Probleme zu sprechen. Um ein Counselor zu werden, muss man ein einjähriges Training parallel zum Studium absolvieren. Nachdem ich das erste Semester Training hinter mir habe, muss ich feststellen, dass ich über viele Extremfälle im Leben nie richtig nachgedacht habe. Es ist schon erstaunlich mit welchen emotionalen Belastungen einige Menschen fertig werden müssen - und wie schwierig es sein kann, wenn europäische und US-amerikanische Wertesysteme aufeinanderprallen.

Was soll ein Counselor beispielsweise machen, wenn er erfährt, dass jemand minderjährig Alkohol konsumiert hat (ein Straftatbestand in den meisten Staaten der USA)? Oder wenn jemand im Studium Zweifel an seiner sexuellen Orientierung bekommt? Oder was ist die richtige Reaktion, wenn sich jemand am Telefon meldet und sagt er hätte eine geladene Waffe auf den Tisch liegen, um endlich Schluss zu machen?

Besonders in der zuletzt beschriebenen Situation wird ein Counselor plötzlich die letzte Linie zwischen Leben und Tod. Ich fand es sehr beeindruckend, von Menschen, die mit solchen Situationen regelmäßig konfrontiert sind, lernen zu können.

Diese Gespräche haben meine Perspektive für Business Probleme und Fragestellungen grundlegend verändert. Mir ist bewusst geworden, dass Manager jeden Tag Entscheidungen treffen, die Tausende von Menschen betreffen können. Während schwierige Entscheidungen, wie die Kündigung von Arbeitnehmern, fast immer aufgrund von aufwendigen Analysen und sorgfältigen Abwägungen getroffen werden, wird oft vergessen, dass am Ende immer einzelne Mitarbeiter und ihre Familien davon betroffen sind, die alle individuell verschieden reagieren werden. Und so werden Entscheidungen vielfach von überforderten Mittel-Managern umgesetzt, denen die Erfahrung mit solchen Situationen fehlt und die Warnzeichen ihrer Mitarbeiter nicht erkennen oder nicht wahr haben wollen.

Wie würden Sie sich beispielsweise fühlen, wenn sich ein Mitarbeiter, den Sie als verantwortlicher Manager entlassen haben, eine Woche später selber umbringt? Um solchen Situationen vorzubeugen, ist es meiner Meinung nach unverzichtbar, sich und seine Mitmenschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Manchmal ist es nur ein Satz zur richtigen Zeit, der den entscheidenden Unterschied machen kann. Deshalb sollte über dieses Thema meiner Meinung nach auch viel öfter gesprochen werden. Denn Miteinanderreden ist immer noch das Beste, um solche Extremfälle zu verhindern. Ignoranz und Schweigen kann dagegen tödlich enden.

Der Titel dieses Eintrags - "Jeder Mensch ist alles, außer gewöhnlich" - war der Werbespruch der Aktion Mensch, die sich als Deutschlands größte Sozialorganisation für die Gleichbehandlung und Bedürfnisse behinderter Menschen in Deutschland einsetzt.


Wir machen den Weg frei

Man nehme: Zwei MBA Studenten, zwei Sicherungsseile und zwei glatt polierte Baumstämme, die mit einem 25 cm breiten und 10 m langen Balken in 15 m Höhe miteinander verbunden sind. Und schon hat man eine "Attraktion" auf dem Hoffman Challenge Course der Cornell Universität. Was sich relativ unspektakulär anhört, sieht, wenn man auf dem Balken steht, der beide Stämme miteinander verbindet, ganz anders aus - schließlich sind 15 m drei Mittelklassewagen der Länge nach übereinander gestapelt. Und das ich auf dem Balken meine beiden Füße nur hinter-, aber nicht nebeneinander stellen konnte, hat zu meinem Wohlbefinden auch nicht gerade beigetragen. Dazu war es relativ kalt (so um die 10 Grad Celsius), stürmisch und regnerisch - eben friesisches Herbstwetter - allerdings in Ithaca, New York State.

Ich war schon sehr froh, dass ich es überhaupt soweit gebracht hatte. Der Aufstieg am Stamm entlang nur mit kleinen Klettergriffen war für mich schon Herausforderung genug - und nun sollte ich noch von der einen zur anderen Seite gehen. Und um es etwas spannender zu machen, würde ich dabei auf halber Stecke auf meinen "Partner" von der anderen Seite treffen (wohlgemerkt: der Balken ist 25 cm breit, 10 m lang und in 15 m Höhe). Nach anfänglichem Zögern habe ich einmal tief durchgeatmet und bin dann einfach losmarschiert. Nach 2/3 des Weges war es dann soweit (ich war etwas schneller gelaufen als mein Gegenüber): Wir trafen aufeinander.

Nach einer Minute hatten wir uns auf die Seite für jeden geeinigt und entschieden, wer den ersten Schritt machen würde. Danach kamen wir recht schnell aneinander vorbei. Allerdings verlor mein Partner beim letzten großen Schritt, der die Operation des Aneinandervorbeigehens beendet hätte, plötzlich das Gleichgewicht und griff nach meinem Sicherungsseil. Den Ruck konnte ich gerade noch so ausbalancieren und habe ihn dabei (zugegeben purer Zufall) wieder in die Senkrechte gehoben. Nach diesem Zwischenfall waren es für mich nur noch ein paar Schritte und ich war auf der anderen Seite angekommen. Nun musste ich mich nur noch nach hinten fallen lassen und mich mit den Füßen vom Balken abstoßen, so dass ich am Seil langsam heruntergelassen werden konnte - schließlich wollte ich nicht auch noch den anderen Baumstamm umständlich runterklettern: Einmal hoch reicht schließlich.

Die Erkenntnis: Ich habe in zehn Minuten mehr über mich selber gelernt als in acht Wochen im Klassenraum. Erst als ich aufgehört hatte zu denken und einfach losgelaufen bin, war ich angstfrei. Obwohl mir klar war, dass - rein statistisch gesehen - die Übung nicht riskanter war, als eine vierspurige Strasse zu überqueren, hat es sich nicht so angefühlt. Ich konnte meine Angst erst überwinden, als ich aufgehört hatte darüber nachzudenken. Logik siegt eben nicht immer.

Mein Partner ist übrigens ebenfalls heil auf der anderen Seite angekommen und war sogar etwas schneller unten als ich? und danach sind wir erst einmal etwas trinken gegangen.

Der Titel dieses Eintrags - "Wir machen den Weg frei" - war übrigens für viele Jahre der Werbespruch der Raiffeisen-Volksbanken in Deutschland. Die Werbespots waren bekannt dafür, die Logik außer Kraft zu setzen und Spalten und Schluchten zusammenzubringen, um auf diese Weise neue Wege zu öffnen.


Vertrauen ist der Anfang von allem.

Es ist schon einige Zeit her, als die Deutsche Bank mit dem Spruch "Vertrauen ist der Anfang von allem" geworben hat. Wie die Deutsche Bank musste auch ich bei meiner ersten Arbeit im Team lernen, wie wichtig Vertrauen wirklich ist.

Ein MBA bedeutet Teamarbeit. Die Arbeitsbelastung ist bewusst so gestaltet, dass nur ein gut organisiertes Team mit Disziplin und Arbeitsteilung alle Aufgaben bewältigen kann. Selbst hochqualifizierte Einzelkämpfer haben keine Chance. Schließlich haben alle Studenten ein hartes Auswahlverfahren überstanden: An Intelligenz, Ehrgeiz und Ambitionen gibt es daher keinen Mangel. Daher ist es praktisch unmöglich, alleine das MBA Programm zu überstehen. Ein gut funktionierendes Team ist daher überlebensnotwendig.

An der Johnson School wird jeder Student einem "Learning Team" zugeteilt, das für sieben Wochen zusammenbleibt. Dann wird wieder neu verlost und ein neues Team für die nächsten sieben Wochen gebildet. Ab dem zweiten Semester ist dann jeder Student frei, sich sein Team auszusuchen. Durch die Vorgabe von Teams im ersten Semester will die Schule das normale Arbeitsumfeld nachbilden - schließlich kann man sich seine zukünftigen Kollegen auch nicht aussuchen, sondern muss sich mit ihnen arrangieren. Mein erstes Learning Team besteht aus einem Amerikaner, der im Silicon Valley als Venture-Capitalist gearbeitet hat; einer Amerikanerin, die in Boston Software an Banken und Financial Institutions verkauft hat, und einem Russen, der in der Ukraine als Buchhalter und Controller angestellt war. Ich bin natürlich auch mit dabei. Insgesamt also ein ziemlich bunter Haufen.

Um das "Eis zu brechen" haben wir uns zum Mittagessen getroffen, uns gegenseitig vorgestellt und unsere Erwartungen ausgetauscht. Danach haben wir uns auf einige Regeln geeinigt: Wie bei einem "Deadlock" entschieden wird, wann ein solcher "Deadlock" festgestellt wird, wie sichergestellt wird, dass jeder sich an den Diskussionen beteiligt, usw.

Zwei Tage später haben wir uns dann das erste Mal "zur Arbeit" getroffen, um über unseren Case zu sprechen: Management Practices at Southwest Airlines. Wir sollten drei Fragen beantworten und eine Overhead-Folie für eine Klassenpräsentation vorbereiten. Also keine große Sache - dachte ich zumindest. Als wir uns nach drei Stunden immer noch nicht auf die wichtigsten Punkte einigen konnten, haben wir schließlich entschieden, es in zwei Tagen nochmals zu versuchen.

Nach diesem Meeting war ich wirklich schockiert, dass die Diskussion so unfruchtbar war. Die Regeln auf die wir uns geeinigt hatten, wurden nicht eingehalten und die Diskussion drehte sich im Kreis. Andere Gruppen hatten die Aufgabe innerhalb von einer Stunde beendet und wir waren nach drei Stunden immer noch nicht fertig - und eine Besserung war nicht in Sicht. Und so bin ich ziemlich ernüchternd nach Hause gegangen.

Am nächsten Morgen bin ich im Waschsalon einem Kommilitonen über dem Weg gelaufen, der fünf Jahre in Deutschland gearbeitet hat, aber ein gebürtiger US-Amerikaner ist. Ich habe die Gelegenheit genutzt und von meinem ersten Teammeeting berichtet. Seine Antwort: Kein Wunder! Du hast "typisch deutsch" reagiert. Du dachtest nur weil Regeln existieren, dass sich jeder auch daran halten würde. Das ist aber nicht so: Amerikaner bauen erst eine persönliche Beziehung auf, bevor sie miteinander arbeiten.

Das traf mich wie ein Schlag: Schließlich hatte ich fast drei Jahre in einer US-Bank gearbeitet und sollte so etwas wissen? aber natürlich: Auf der Arbeit sind Regeln vollstreckbar: Jeder kann sich beim Boss beschweren und wenn alles nichts hilft, kann dieser Querulanten kündigen oder versetzen lassen. Das funktioniert aber im Studium nicht. Darum hält sich auch keiner an irgendwelche Regeln - selbst wenn man sich vorher auf welche geeinigt hat.

Der Vorschlag meines Freundes: Unternehme etwas gemeinsam mit Deinem Team und versuche dadurch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Und so habe ich bei unserem nächsten Meeting vorgeschlagen, am nächsten Tag einfach mal abends auszugehen. Das Ergebnis: Ein feuchtfröhlicher Abend mit der Erkenntnis, dass American College Football interessant sein kann; Russen wirklich sehr viel trinken können und Schnee in Boston im Winter auf der Strasse nicht geräumt, sondern in engen Gassen mit beheizten Spezialfahrzeugen geschmolzen wird.

Danach war die Zusammenarbeit kein Problem mehr. Einen ähnlichen Case haben wir diese Woche in einem Teammeeting in 35 Minuten gelöst - mit einer weitaus besseren Fallanalyse.

Vertrauen ist eben der Anfang von allem.


Keine Kompromisse. Keine andere Business School.

Die Leser mögen mir diese kleine Abwandlung des bekannten Spruches aus der Werbung für die Biermarke "Jever" verzeihen. Das Image dieser Marke verkörpert aus meiner Sicht hervorragend die friesischen Tugenden Freiheitsdrang, Gemeinschaftsgeist und Heimatverbundenheit. Ich glaube das beurteilen zu können - bin ich doch selber ein "waschechter" Friese und nur wenige Kilometer entfernt von der Stadt Jever aufgewachsen.

Sicherlich fragen sich manche Leser, was das mit einem MBA zu tun hat. Die Antwort: sehr viel. Ein MBA ist nämlich nicht nur ein akademischer Titel, der dazu dient, den Lebenslauf zu schmücken, sondern verkörpert primär die Lehr- und Lebensphilosophie der Schule, die ihn verleiht. Daher wird nur derjenige das Beste für sich aus einem MBA Programm herausholen können, der eine Schule findet, die seiner Lebensphilosophie und Wunschvorstellung möglichst nahe kommt. Deshalb ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen MBA Bewerbung auch nicht der GMAT oder TOEFL Test wie viele meinen, sondern eine umfassende Selbsteinschätzung. Denn nur wer seine eigenen Stärken und Schwächen, Wünsche und Ziele kennt, der kann auch die Business School finden, die für ihn richtig ist. Doch zuerst einmal möchte ich mich kurz vorstellen.

Nach meinem Abitur im "Friesischen" habe ich BWL mit dem Schwerpunkt Banken und Finanzen in Stuttgart studiert. Direkt im Anschluss an mein Studium habe ich bei einer deutschen Großbank in Frankfurt im Bereich Aktienderivate angefangen (Aktienderivate befinden sich "versteckt" in vielen Finanzprodukten, wie z.B. in Garantiefonds). Nach zwei Jahren bekam ich schließlich das Angebot zu einer der führenden US-amerikanischen Investmentbanken "umzusiedeln". Dieses Angebot habe ich natürlich gerne angenommen. Nach einem weiteren Jahr in Frankfurt bin ich schließlich über einen kurzen Zwischenstopp in Zürich nach London gekommen und habe dort als Project Manager und Business Developer im Bereich Aktienderivate gearbeitet. Doch nach vier Jahren ununterbrochener Tätigkeit auf dem Handelssaal wurde mir klar, dass ich mich in diesem Umfeld persönlich nicht mehr so weiterentwickeln konnte, wie ich wollte. Während ich die Firmenkultur meines Arbeitgebers sehr schätzen gelernt habe, gab mir meine überwiegend analytisch ausgerichtete Tätigkeit auf dem Handelssaal nicht mehr ausreichend Möglichkeit, meine Sozialkompetenz weiterzuentwickeln.

Und so machte ich mich auf die Suche nach einer Organisation, die die Werte meines Arbeitgebers (Freiheit des Denkens, Teamgeist, Loyalität) verkörpert, mir aber gleichzeitig ein Umfeld bietet, dass es mir erlaubt, mich auszuprobieren und dabei etwas über mich zu lernen. Beides fand ich schließlich bei der Johnson Graduate School of Management - die Business School der Cornell University (http://www.johnson.cornell.edu).

Die Johnson School ist - wie meine Heimat Friesland - "weit ab vom Schuss" in Upper New York State gelegen. Mit dem Auto braucht man ca. fünf Stunden von New York City. Die nächste groessere Stadt Syracuse ist ca. 90 Minuten Autofahrt entfernt. Und so wird die Cornell University mit ungefähr 20.000 Studenten ganz automatisch der Lebensmittelpunkt. Es bildet sich auf diese Weise eine eingeschworene Gemeinschaft, die loyal zu "ihrer" Universität steht und die für ihre unabhängige Sicht der Dinge (wenigstens in den USA) bekannt ist. Damit war die Johnson School das perfekte Gegenstück zu mir und nach meinem zweiten Besuch im April auf dem "Admitted Student Weekend" hatte ich keinen Zweifel mehr - hier wollte ich meine Reise von einem analytischen, detailorientierten Manager zu einem selbstbewussten und motivierenden "Leader" antreten. Denn nur wer seine eigenen Stärken und Schwächen kennt, kann andere motivieren und fördern und auf diese Weise ein kleines positives Signal in unserer Gesellschaft setzen.

Die Leser und ich dürfen gespannt sein, ob es mir gelingen wird, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen. Wenn es mir gelingen sollte, wird dieses MBA-Tagebuch ein schriftliches Zeugnis dieses Wandlungsprozesses mit all seinen Höhen und Tiefen werden und dadurch einen tiefen Einblick in die "nicht-akademische" Seite eines US-amerikanischen MBA-Studiums liefern. Es lohnt sich also, öfter mal "vorbeizusurfen"!

Selbstverständlich freue ich mich jederzeit über Kommentare, Fragen und Anregungen. Einfach eine Email an die MBA Tagebuch Redaktion richten, die sie dann an mich weiterleiten wird.

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