Joker treffen oft
Und rein musst du

Bei dieser Europameisterschaft entscheiden oft die Einwechslungen über Sieg oder Niederlage. Dabei erweisen sich die Männer aus dem zweiten Glied als äußerst treffsicher.
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LISSABON. Wenn der Ball erst einmal rollt, ist der Job des Trainers getan. Er kann keine Tore schießen und keine verhindern. Für 90 Minuten lebt er auf seiner Bank von der Hoffnung, dass die Spieler auf dem Platz möglichst viel von dem umsetzen, was er ihnen vorher beigebracht hat. Als Kronzeuge für diese These wird gern Franz Beckenbauer angeführt, der seinen Spielern vor dem WM-Finale 1990 gegen Argentinien die Anweisung erteilte: "Geht's raus und spielt's Fußball." Das ist schön gesagt und wird dem Einfluss der Trainer doch nicht gerecht. Ihnen steht während des Spiels sehr wohl ein Instrument zum Eingreifen zur Verfügung, und sie haben es bei der Europameisterschaft in Portugal oft mit entscheidender Wirkung eingesetzt: die Einwechslung.

Den größten Coup landete der Brasilianer Luiz Felipe Scolari, und er ging dafür auch das größte Risiko ein. Eine Viertelstunde vor Schluss des Viertelfinalspiels gegen England befahl er Portugals Nationalheld Luis Figo vom Platz. Die Portugiesen lagen 0:1 zurück, und wäre dieses Spiel verloren worden und der Gastgeber aus dem Turnier ausgeschieden, hätte er wohl gleich nach dem Schlusspfiff mit Polizeischutz zum Internationalen Flughafen von Lissabon eskortiert werden müssen. Am Ende aber feierten die Portugiesen Scolaris Genie, denn Figos Ersatzmann Helder Postiga schaffte den Ausgleich, und später traf auch der ebenfalls eingewechselte Rui Costa. Scolari analysierte kühl: "Ich habe getan, was nötig war, um das technische und physische Niveau meiner Mannschaft aufrechtzuerhalten."

Luiz Felipe Scolari ist ein Meister des erfolgreichen Wechsels. Fünf der sechs portugiesischen Tore bei dieser EM schossen Spieler, die nicht in der Anfangsformation gestanden hatten. Das wichtige 1:0 gegen Spanien schoss der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Nuno Gomes, gegen Russland gelang Rui Costa das abschließende 2:0, bei der Auftakt-Niederlage gegen Griechenland verkürzte Cristiano Ronaldo in der Nachspielzeit auf 1:2. Ähnlich effektiv agierte Spaniens Coach Inaki Saez, allerdings nur in einem Spiel. Gegen Russland nahm er Fernando Morientes vom Platz und brachte für ihn Juan Carlos Valeron. Der Mann von Deportivo La Coruña gelang mit seinem ersten Ballkontakt das 1:0-Siegtor.

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