Jordanische Königin im Gespräch
"Krieg gegen Irak bringt mehr Terrorismus"

Die jordanische Königin Rania Al-Abdullah hat kurz vor ihrem Deutschlandbesuch am Montag eindringlich vor einem Krieg gegen den Irak gewarnt. Ein solcher Krieg drohe zu verstärkten Terrorismus zu führen, da er "die Wut und die Frustration" vieler Araber bestärken würde.

HB/dpa ROM. Zugleich forderte die 32-jährige Königin in einem dpa-Gespräch in Rom den Westen auf, sich auch mit "den Ursachen und den Wurzeln des Terrorismus" zu beschäftigen.

"Terrorismus darf zwar in keinster Weise akzeptiert werden. Aber wir müssen auch sehen, warum es Terrorismus gibt." Als Ursachen für die Frustration der Araber nannte die Monarchin die ungelöste Palästinenserfrage, Ungerechtigkeit und "schlechte Regierungen" in der Region. Derartige öffentliche politische Äußerungen von weiblichen Angehörigen arabischer Königshäuser sind extrem selten.

Die Attentate vom 11. September 2001 in New York bezeichnete sie als eine "Manifestation des großen Missverständnisses zwischen dem Westen und der arabischen Welt". Dieses gegenseitige Unverständnis müsse schnellstens überwunden werden. "Es gibt eine große Kluft zwischen der Art und Weise, wie wir (Araber) die Dinge sehen, und wie der Westen uns sieht. Diese Kluft, die uns trennt, ist sehr gefährlich. Die Attentate vom 11. September sind ein Symbol dieser Kluft." Unglücklicherweise sei diese aber im vergangenen Jahr eher noch tiefer geworden.

Ohne die USA beim Namen zu nennen, warnte die Königin davor, den Irak isoliert zu betrachten. "Für uns ist der israelisch- palästinensische Konflikt das größte Übel. In einen neuen Krieg zu gehen, solange dieses nicht gelöst ist, würde nur das Gefühl der Wut und der Frustration (in Nahen Osten) vergrößern." Dies wiederum würde den Terrorismus nur verstärken.

Bereits seit dem Golfkrieg 1991 kämpften Osama bin Laden und sein El-Kaida-Netzwerk vor allem gegen die Militärpräsenz der USA im Nahen Osten. Ein Krieg gegen den Irak und eine noch größere amerikanische Präsenz würde daher "Osama bin Laden nur stärken und zur Gründung weiterer (Terror-) Organisationen führen".

Der jordanische König Abdullah II. und seine Frau wurden am Montag zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Berlin erwartet. Raina Al Abdullah, eine Palästinenserin aus Kuwait, engagiert sich seit Jahren in Jordanien politisch und sozial. Sie tritt vor allem dafür ein, die Situation der Frauen in arabischen Ländern zu verbessern. Dabei wird sie immer wieder von jordanischen Traditionalisten hart kritisiert. "Aber diese Kritik wird mich nicht davon abhalten, das zu tun, was ich zu tun habe", sagte sie.

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