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Joschka Fischer für Verlegung des Einheitstags

Der Außenminister möchte den Einheitstag auf den 9. November verlegen, stößt aber bei der Regierung auf Zurückhaltung.

ap BERLIN. Bundesaußenminister Joschka Fischer hat die Verlegung des Tages der Deutschen Einheit vom 3. Oktober auf den 9. November gefordert. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye reagierte am Mittwoch in Berlin zurückhaltend auf den Vorschlag. Er sprach von einer "Empfehlung" Fischers, die sich nicht an die Bundesregierung richte. Die Entscheidung über eine eventuelle Verlegung des Nationalfeiertages sollte in einem gesellschaftlichen Diskurs fallen, sagte Heye.

Fischer betonte in der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit": "Der 9. November ist der Freudentag, an dem die Mauer fiel - und zugleich ein tief tragischer Tag, weil er an den Absturz Deutschlands im Jahr 1938 erinnert, an den beginnenden Holocaust." Er begründete seine Forderung außerdem mit der aktuellen Parteiendiskussion um die Einheit, die er als "innenpolitisches Spektakel" und als "Unfug" bezeichnete. Eine derart "unwürdige Diskussion" sei an einem Nationalfeiertag 9. November "unführbar", sagte Fischer.

Am 9. November 1989 fiel die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten. Am selben Tag des Jahres 1938 steckten die Nationalsozialisten die Synagogen in Brand.

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth hatte am Dienstag erklärt, Altkanzler Helmut Kohl habe von Anfang an "die Einheit im Wesentlichen mit seinem Namen und seiner Ära verbunden" wissen wollen. Die CDU-Politikerin hielt Kohl vor, er habe deshalb den 3. Oktober als Nationalfeiertag durchgesetzt. Nicht ein Tag, "der die friedliche Bürgerrevolution symbolisiert, wurde dazu erkoren, sondern der Tag, an dem Helmut Kohls Einigungsvertrag in Kraft trat".



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