Joseph Biden
Obamas Vize-Kandidat geht in die Offensive

Nach seiner Ernennung zum Vize-Kandidaten von Barack Obama hat der demokratische Senator Joseph Biden seinem Ruf als Haudegen alle Ehre gemacht. Beim ersten gemeinsamen Auftritt polterte er kräftig gegen desen Rivalen. "Sein Mundwerk ist eine große Belastung" hatte das Lager des politschen Gegners schon im Vorwahlkampf geätzt.

p>rtr SPRINGFIELD. Der 65-Jährige nutzte am Samstag den ersten gemeinsamen Auftritt zu einem Frontalangriff auf den republikanischen Konkurrenten John McCain. Die Republikaner verloren ihrerseits keine Zeit, einen Fernsehspot mit Aussagen von Biden aus dem Vorwahlkampf der Demokraten zu schalten, in denen er Obama als zu unerfahren bezeichnet hatte. Obama und Biden sollen auf dem am Montag beginnenden Parteitag der Demokraten formell zu Kandidaten gekürt werden.

Obama hatte die seit Wochen mit Spannung erwartete Entscheidung am Samstagmorgen auf seiner Website bekanntgegeben. Zudem erhielten Mill. Anhänger des 47-Jährigen E-Mails und SMS-Botschaften. Mit dem 65-jährigen Biden holt sich Obama einen altgedienten Politiker an die Seite, der den Bundesstaat Delaware seit mehr als 30 Jahren im Senat vertritt und als Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses über umfassende außenpolitische Erfahrung verfügt.

Das erste gemeinsame Auftritt des demokratischen Wahl-Duos fand vor dem Old State Capitol in Illinois statt, dort, wo Obama im Februar 2007 seine Kandidatur gestartet hatte. "Er vereinigt eine seltene Mischung in sich: Seit Jahrzehnten hat er Washington verändert, aber Washington hat ihn nicht verändert", sagte Obama über Biden. Dieser lobte Obama als "scharfsichtigen Pragmatiker" und ging dann zum Angriff auf den Vietnam-Kriegs- Veteranen McCain über: "Diese Zeiten benötigen mehr als nur einen guten Soldaten - sie benötigen einen weisen Führer."

Experten hatten spekuliert, dass sich Obama einen Kandidaten für die Vize-Präsidentschaft aussuchen würde, der eine gute Portion Angriffslust mitbringt - eine traditionelle Aufgabe des "veep", wie der "vice president" kurz genannt wird. Biden war zwar früh aus dem Vorwahlkampf der Demokraten ausgeschieden. Bei den Debatten hatte er jedoch mitunter die schärfte Kritik an der Regierung von George W. Bush geübt. "Niemand sollte daran zweifeln, dass es von jetzt an ein harter Wahlkampf wird", sagte der demokratische Stratege Simon Rosenberg. "Und Biden weiß, wie man kämpft."

Der Katholik Biden stammt aus einer Arbeiterfamilie und könnte damit Wähler ansprechen, die sich mit dem eher intellektuellen Image von Obama schwer tun. Bidens Frau und junge Tochter kamen kurz nach seiner Wahl zum Senator bei einem Unfall ums Leben. Später heiratete er wieder. Ein Sohn dient in der Nationalgarde und soll im Oktober in den Irak verlegt werden. Politisch hat Biden liberale bis moderate Positionen eingenommen. Zwar unterstützte er 2002 die Irak-Resolution, übte jedoch bald harsche Kritik an dem Krieg. Im den 80ern brach er eine eigene Präsidentschaftsbewerbung ab.

Allerdings hat Biden auch den Ruf, zu verbalen Ausrutschern zu neigen. Im Vorwahlkampf hatte er Obama als "wortgewandt und gescheit und sauber" bezeichnet, was als herablassende Bemerkung gegenüber dem Afroamerikaner verstanden wurde. "Sein Gehirn ist ein Pluspunkt, aber sein Mundwerk ist eine große Belastung", sagte der republikanische Berater Kevin Madden über Biden. "Wenn letzteres anfängt, das erste zu übertrumpfen - und das wird unweigerlich passieren - dann werden die Demokraten ein Problem haben."

McCains Wahlkampfbüro wies auch sofort darauf hin, dass Biden bislang auch nicht mit Kritik an Obama gespart habe. In einem schnell geschalteten Fernsehspot zeigten die Republikaner Ausschnitte aus dem demokratischen Vorwahlkampf, in denen Biden Obama als noch nicht erfahren genug für das Präsidentenamt bezeichnet und McCain lobt. Dieser hat noch keinen Vize bekannt.

Deutsche Politiker begrüßten die Wahl Bidens. Der SPD - Außenexperte Gerd Weisskirchen sprach in der "Welt am Sonntag" von einer "außergewöhnlich guten Entscheidung". Dies sei ein gutes Signal an die Europäer, denn Biden sei gut mit den Verhältnissen in Europa vertraut. Der CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden wies darauf hin, dass die Entscheidung innenpolitisch nicht ohne Risiko sei. "Biden ist Teil des Establishments", sagte er dem Blatt. Da Obamas Wahlstrategie auf den Kampf gegen das Establishment ausgerichtet sei, könne dies zu Spannungen führen.

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