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Jospin greift Chirac stärker an

Vier Tage vor der ersten Runde der französischen Präsidentenwahl hat Ministerpräsident Lionel Jospin am Mittwoch seine Angriffe auf Amtsinhaber Jacques Chirac verstärkt.

Reuters PARIS. Mit Blick auf den Generalstreik am Dienstag in Italien sagte der Sozialist Jospin, mit Streiks werde auch Frankreich rechnen müssen, sollte Chirac von der konservativen RPR wieder gewählt werden. Jospin tritt seinerseits für das höchste Amt des Staates an.

"Wenn der scheidende Präsident zurückkehrt, wenn man berücksichtigt, was in seiner vergangenen Amtszeit geschah, und wenn man die Kernaussagen seiner Politik ansieht, dann glaube ich nicht, dass wir bis 2007 ohne Krise sein werden", sagte Jospin der Hörfunksender Europe 1. Der Präsident wird für fünf Jahre gewählt.

Frankreich wurde Ende 1995, zu Beginn von Chiracs Amtszeit als Präsident, von einer Streikwelle erfasst, mit der die Beschäftigten gegen die Sparpolitik der damals amtierenden rechten Regierung protestierten. Chirac löste 1997 die Nationalversammlung, das Unterhaus des Parlamentes, auf und setzte Neuwahlen an in der Hoffnung, die Konservativen würden erneut die Mehrheit erzielen. Bei den Parlamentswahlen siegten aber überraschend die Sozialisten, und Jospin wurde Ministerpräsident.

"Ich erinnere daran, dass die Regierung, die er (Chirac) damals ernannte, nach zwei Jahren Amtszeit endete, dass er die Nationalversammlung auflöste, und dass wir seither das Land regieren", sagte Jospin.

Vor der ersten Runde der Präsidentenwahlen liegt Jospin nach jüngsten Umfragen mit 16,5 bis 19 Prozent der Stimmen hinter Chirac, dem 20 bis 22 Prozent vorhergesagt werden. Weil vermutlich keiner der insgesamt 16 Kandidaten am Sonntag die absolute Mehrheit erreichen wird, sind für den 5. Mai Stichwahlen zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen geplant. Die Nationalversammlung wird im Juni neu gewählt.

Jospin und Chirac haben sich zuversichtlich geäußert, beide Wahlen zu gewinnen. Umfragen vom Wochenende zufolge ist eine niedrige Wahlbeteiligung zu erwarten.

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