Juan-Pablo Montoya siegt beim Großen Preis von Monaco – Schumacher hadert mit seinen Reifen
Neue Farbe im Spiel der Formel 1

Alles auf Rot zu setzen, wäre normal gewesen beim Großen Preis von Monaco. Doch am Ende der strapaziösen Hafen-Rundfahrt kam zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder Blau-Weiß als Siegerfarbe ins Spiel. Der Kolumbianer Juan-Pablo Montoya triumphierte im BMW-Williams dank der besseren Taktik am Ende mit 0,6 Sekunden über Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) und Michael Schumacher im Ferrari. Ralf Schumacher im zweiten BMW wurde Vierter, Nick Heidfeld im Sauber Elfter.

MONACO. "Wir haben alles versucht, aber an diesem Wochenende waren wir einfach nicht stark genug", musste Michael Schumacher eingestehen. Unter diesen Umständen nahm der Weltmeister hin, dass seine Aufholjagd weitergehen muss: "Ich bin eigentlich ganz zufrieden, nachdem ich mich vom fünften auf den dritten Rang verbessern konnte." Unzufrieden war der Weltmeister mit seinen Reifen. Die schwankende Leistungsfähigkeit der Bridgestone-Reifen hätten ein besseres Ergebnis verhindert.

Montoya, der seit September 2001 auf seinen zweiten Formel-1-Sieg gewartet hatte, war einfach nur "überglücklich". Dass eine neue Farbe im Spiel ist, tut der Spannung der WM weiter gut. Der Andrang der exklusiven Boxen-Luder - namentlich Heidi Klum und Nadja Auermann - am Hafenboulevard von Monte Carlo war weit attraktiver als der Rennverlauf beim 50. Formel-1-Gastspiel im Fürstentum. Der Start durch die gefürchtete, aber durch rot-weiße-Markierungen etwas entschärfte erste Kurve war diesmal nicht der Rede wert. Ralf Schumacher war mit dem BMW-Williams unbedrängt von dannen gezogen, Teamkollege Juan-Pablo Montoya ging innen am Silberpfeil von Kimi Räikkönen vorbei. Michael Schumacher, der schon in der Qualifikation schwer mit den Reifen gehadert hatte, behielt mit Rang fünf seine Lauerstellung.

Die Annahme, dass alles gelaufen ist, wenn das erste Reißverschlußverfahren überstanden wurde, hielt nicht mal eine ganze Runde. Dann versenkte der Mönchengladbacher Wahl-Monegasse Heinz-Harald Frentzen nach einem Ausrutscher seinen Sauber-Rennwagen in den Reifenstapeln an der SchwimmbadSchikane, und für drei Runden musste mal wieder das Safety Car die Führung übernehmen. Ohnehin war das Feld diesmal nur mit 19 Autos gestartet, nach einem Trainingsunfall musste der Brite Jenson Button (BAR) auf Anraten der Ärzte pausieren.

Große Positionsverschiebungen verhinderte in Monte Carlo jenes durch die allgemeine Platzangst verhängte Überholverbot. Spitzenreiter Ralf Schumacher rollte nach 21 von 78 Runden erstmals zum Nachtanken an die Box, ein erster Hinweis auf die Zwei-Stopp-Taktik. Da hatte der Trainingsschnellste seinen Sieg praktisch verspielt, da er auf der Spitzenposition einen zu geringen Vorsprung herausgefahren hatte. Auf die Taktik zu achten, brachte die größte Spannung. Würde Michael Schumacher mit nur einer Boxenanfahrt auskommen? In Runde 31 fasste er reichlich Sprit, nahm das Rennen als Dritter hinter Montoya und Räikkönen auf. Die beste Tankkalkulation, so viel war zur Rennmitte klar, würde entscheiden. In der 59. Runde war es soweit: Nach Montoya und Räikkönen musste auch Schumacher ein zweites Mal nachtanken. Alles andere wäre ein Wunder gewesen, doch auch auf diese Art lässt sich in Monaco Spannung konservieren.

Es geht aber auch ganz, ganz anders: Das Team von BAR-Honda war wegen einer alten Provisionsforderung eines Gläubigers permanent von der Pfändung seiner Rennwagen bedroht. Was wiederum Max Mosley prima ins Konzept passt. Der Präsident des Automobil-Weltverbandes Fia nutzte ausgerechnet den Glitzer-Grand-Prix, um weitere Maßnahmen zur Kostenreduzierung vorzuschlagen. Der neueste Plan des Funktionärs sieht einen Finanzausgleich zwischen den beteiligten Motorenherstellern und den drei unabhängigen Teams (Sauber, Jordan, Minardi) vor. Jeder Konzern soll um die fünf Millionen Dollar in eine Art Hilfsfonds einzahlen.

Mosley: "Wenn den Kleinen nicht geholfen wird, werden sie verschwinden. Dann müssten die großen Teams jeweils drei Autos einsetzen, das würde ein Vermögen kosten." Mercedes-Sportchef Norbert Haug ("Fonds liegen nicht in der Natur des Sports") lehnt das ab, und verweist auf das Angebot, 2004 günstig Motoren an kleine Teams abgeben zu wollen. Allerdings dürften die nicht wie ursprünglich geplant für zehn Millionen Dollar erhältlich sein.

Eine Einigung im Streit um die Formel-1-Zukunft bahnt sich zwischen der Herstellervereinigung GPWC, Promoter Bernie Ecclestone und den Banken an, denen die Vermarktungsholding der Formel 1 mehrheitlich gehört. "Entweder haben wir in drei Monaten eine Einigung, oder die Verhandlungen sind beendet", sagte Renault-Manager Patrick Faure. "Zwei der drei beteiligten Parteien sind sich bereits einig. Ob es zu der guten Lösung kommt, hängt von der dritten Partei ab, den Banken." Monte Carlo war am Sonntagnachmittag schon wieder mehr Finanz- als Sportplatz.

Quelle: Handelsblatt

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