Jubel am Bosporus
Ein großer Tag für die Türkei

Die Türkei jubelt - mit brasilianischer Hilfe gelang der Einzug ins Achtelfinale. Der Druck auf Trainer Senol Günes ist vorerst gewichen: "Wir wollten in die zweite Runde. Das haben wir geschafft. Ich hoffe, dass unsere Kritiker jetzt diesen Erfolg zu schätzen wissen."

dpa SEOUL. Die Türkei bejubelt ihren größten Fußball-Tag und den Aufstieg in die Beletage der Weltmeisterschaft. Das 3:0 (2:0) über den Debütanten China hat die "Brasilianer vom Bosporus" am Donnerstag in nie erlebte Glücksgefühle und ihr Land in einen Freudentaumel versetzt. Der in der Heimat zuvor heftig umstrittene Trainer Senol Günes, dessen pathetisches Achtelfinal-Versprechen an das türkische Volk eingelöst wurde, empfand gewaltige Genugtuung. Doch im Kontrast zu seinen Spielern blieb er ganz cool. "Wir wollten in die zweite Runde. Das haben wir geschafft. Ich hoffe, dass unsere Kritiker jetzt diesen Erfolg zu schätzen wissen", meinte der 49 Jahre alte, nun plötzlich zum Helden aufgestiegene Coach.

Unter seiner Regie zogen die Türken bei ihrer zweiten WM-Teilnahme nach 1954 erstmals in die Runde der besten 16 ein. Bei einem Vorrunden-Aus hätten die Verbandsoberen Günes den Stuhl vor die Tür gesetzt.

Frankreich und Argentinien in Asien in den Schatten stellen zu können, macht die Türken unheimlich stolz. Aber es bedurfte schon der Schützenhilfe Brasiliens mit dem 5:2 gegen Costa Rica. Als die Mittelamerikaner in Suwon zum 2:3 verkürzten, wurde es zwischenzeitlich ganz eng. Der WM-Erfolg ist eine Bestätigung des türkischen Aufschwungs in den vergangenen Jahren. Bei der EM 2000 hatte es sogar bis ins Viertelfinale gereicht. Nun kann das Team gespannt abwarten, ob Gastgeber Japan am Freitag die Gruppe H gewinnt und dann am Dienstag zum K.o.-Spiel in Miyagi erscheint.

Ein Sponsor hatte große Teile der türkischen Fangemeinde, deren Reihen sich nach dem 1:2 gegen Brasilien und dem enttäuschenden 1:1 gegen Costa Rica schon gelichtet hatten, mit gelben T-Shirts ins World-Cup-Stadion von Seoul geschickt. Sie leisteten ihre Unterstützung in der mit 55 000 Zuschauern gefüllten Arena. Die asiatische Übermacht wurde rasch ruhig gestellt. Die Treffer von Hassan Sas (5.) und Bülent Korkmaz (8.) bescherten dem Türken-Team einen optimalen Start. Trotz dieses Balsams für das eigene Nervenkostüm ließ die Mannschaft jedoch überraschend stark nach. Erst das 3:0 durch Ümit Davala (85.) setzte den Schlusspunkt.

Erneut konnte Kapitän Hakan Sükür im Angriff keine Akzente setzen. Torschütze Sas stahl ihm die Schau. Pech für das Günes-Team, dass Torwart Rüstü Recber (35.) wegen einer Oberschenkelverletzung ausscheiden musste. Sein Vertreter Ömer Catkic zeigte aber anschließend keine Schwächen. Yildiray Bastürk kam in der türkischen Mannschaft nicht wie erhofft zum Zuge. "Ich bin mit meiner Auswechselung wieder nicht einverstanden gewesen. Heute abend werde ich mit dem Trainer darüber sprechen", kündigte der Leverkusener Mittelfeldakteur an. Gleichwohl freute er sich. "Wir stehen im Achtelfinale. Nach dem schwachen Auftakt haben uns das nur wenige zugetraut."

Für China war die WM schon vor diesem Vergleich mit der Türkei vorbei. Auch ein Tor als Trostpflaster blieb dem Team versagt. Der zuletzt für Eintracht Frankfurt stürmende Chen Yang traf in der 28. Minute nur den Pfosten, der eingewechselte Jiayi Shao (59.) sah die Rote Karte. "Wir haben hier einiges gelernt. Unser Team hat Zukunft. Ich bin der Meinung, dass wir uns von Spiel zu Spiel verbessert haben", meinte Shen Yang.

Für Trainer-Weltenbummler Bora Milutinovic war es wahrscheinlich die letzte Station als Coach. Er blieb auch in Südkorea seiner Einstellung treu: "Hast Du keinen Erfolg, muss Du aufhören." Zunächst wird er sich wieder nach Mexiko zurückziehen - bis ein Angebot kommt.

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