Jubelfeiern
Türken außer sich - Hunderttausende feiern

Ob am Bosporus oder in Berlin - die Türken feiern den dritten Platz ihrer Mannschaft. In Istanbul wollen Hunderttausende den Spielern einen rauschenden Empfang bereiten.

dpa ISTANBUL/BERLIN . Hunderttausende begeisterte türkische Fußball-Fans warteten am Sonntag in Istanbul auf die Rückkehr ihrer Fußball-Helden. "Türkei - Nummer drei der Welt", titelte die "Turkish Daily News" am Sonntag nach dem größten Erfolg des Halbmond-Teams bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. "Das wunderbare Team", feierte "Hürriyet" die Elf von Trainer Senol Günes, die eskortiert von F-16- Jets am Sonntagabend in der Heimat zurückerwartet wurde und im offenen Bus durch die Istanbuler City gefahren werden sollte. Tags zuvor hatte sie beim 3:2 (3:1) im "kleinen" Finale in Daegu gegen Mit-Gastgeber Südkorea den kaum erhofften und noch nie da gewesenen dritten WM-Platz erkämpft - und für Jubel im arg gebeutelten Land am Bosporus gesorgt.

Am Samstag hatten fern und nah der Heimat die Festivitäten bereits gleich nach Abpfiff des Spiels um Rang drei begonnen. Feiernde Türken versammelten sich in Massen in der Hauptstadt Ankara, in Istanbul und auch in deutschen Städten auf den Straßen - und schwenkten stolz die Nationalflagge mit dem Halbmond durch die Luft. Die Erfolge des Teams von Günes sorgten für einen wahren Freudentaumel und drängten die großen wirtschaftlichen Probleme im Lande vorübergehend in den Hintergrund.

Jubeln bis zum Abwinken war auch in Berlin angesagt. In der deutschen Hauptstadt leben rund 200 000 Türken in der größten Gemeinde außerhalb des Heimatlandes. Rund um das Cottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg und den Kurfürstendamm feierten Fans in Autokorsos. Menschen lehnten und reckten sich aus Schiebedächern, Cabrios und Seitenfenstern. Aus etlichen Wagen wehten die roten Halbmondflaggen, Kinder und Frauen waren mit den türkischen Nationalsymbolen geschminkt. In Kreuzberg ertönten aus vielen Kehlen auf den Straßen "Türkiye"-Rufe. In den Türken-Zentren Wedding und Tiergarten waren zahlreiche Böllerschüsse zu hören. Am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg erklangen immer wieder Jubelschreie aus Dönerbuden.

Lautstark feierten viele Türken auch in anderen deutschen Städten den Triumph im "kleinen Finale". In Hannover, wo mehr als 20 000 türkische Mitbürger leben, drehten hunderte Anhänger bereits kurz nach der Halbzeit im Gefühl des sicheren Sieges Ehrenrunden rund um das Steintorviertel in der Innenstadt. Nach dem Abpfiff gab es auch in Hamburg kein Halten mehr. Mehrere tausend "Sieger" liefen Fahnen schwenkend durch die City. Neben türkischen Sprechchören gab es auch viele Verbrüderungsszenen zwischen türkischen und deutschen Fans.

Die Nürnberger Innenstadt wurde von rund 3000 Menschen in ein rotes Fahnenmeer verwandelt. In Nordrhein-Westfalen war türkischer Karneval angesagt. In Duisburg kam es dabei allerdings auch zu einem blutigen Zwischenfall: Wie die Polizei am Sonntag berichtete, war ein 16-Jähriger nach einer Rangelei in einem türkischen Kulturverein aus den Räumen verwiesen worden. Als der Jugendliche mit seinem Onkel zurück kam, dieser eine Waffe zog und mehrfach auf die Kontrahenten feuerte, wurden zwei Männer durch Kugeln am Bein verletzt.

Andernorts ging es friedlicher zu. In Essen versammelten sich rund 300 Fans zum Fahnenschwenken, in Dortmund bildeten sich Autokorsos. Und in der Düsseldorfer Altstadt feierten deutsche Fußball-Freunde mit, um sich auf das Finale ihres Teams gegen Brasilien einzustimmen.

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