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Jubiläumsspiel der Bayern ein Betriebsausflug

Der FC Bayern hat in den vergangenen 42 Jahren für viele unvergessliche Fußball-Abende gesorgt. Doch ausgerechnet das 300. Europapokalspiel wird zum belanglosen Betriebsausflug.

dpa AMSTERDAM. Der FC Bayern hat in den vergangenen 42 Jahren für viele unvergessliche Fußball-Abende gesorgt. Doch ausgerechnet das 300. Europapokalspiel wird zum belanglosen Betriebsausflug.

Nach dem vorzeitig gesicherten Einzug ins Achtelfinale der Champions League geht es für den deutschen Rekordmeister im letzten Gruppenspiel gegen Ajax Amsterdam nur noch um 327 000 Euro Siegprämie und die Vermeidung von Verletzungen. Absolute Priorität genießt das "Endspiel" um die Herbstmeisterschaft gegen Verfolger VfB Stuttgart. "Das Bundesligaspiel hat natürlich eine höhere Bedeutung, weil wir gegen Stuttgart mehr verlieren können als in Amsterdam", bestätigte Trainer Felix Magath.

"Es ist nicht die Anspannung da wie sonst", räumte auch Nationalspieler Sebastian Deisler ein. Höchstens für Roy Makaay ist das Spiel in der Heimat etwas Besonderes, zumal er nach seinen drei Toren beim 4:0-Sieg im Hinspiel auch in der Amsterdam-Arena vor Familienangehörigen und Freuden treffen möchte. Ein 2:5 wie beim Halbfinal-K.o 1995, der bis dato höchsten Champions-League-Niederlage der Bayern, soll es in der vermutlich ausverkauften Amsterdam-Arena jedenfalls nicht geben, weshalb eine Total-Rotation à la Ottmar Hitzfeld für Magath auch tabu ist. Sein Vorgänger war im März 2000 zum bedeutungslosen Zwischenrundenspiel gegen Dynamo Kiew gleich ohne neun Stammspieler angereist und hatte mit einer Verlegenheitself eine einkalkulierte 0:2-Schlappe kassiert.

"Ich wüsste nicht, warum ich Stammkräfte zu Hause lassen sollte", sagte Magath. Wie Ernst er seine Aussage meinte, bekam Weltmeister Lucio zu spüren. Der Brasilianer hatte sich nicht am Flughafen eingefunden, sondern war ohne Abmeldung beim Trainer wegen seiner Adduktoren-Probleme zum Chiropraktiker gefahren. Magath griff zum Handy und ließ seinen Star-Verteidiger nachreisen.

Trotz Erkältung saß schließlich auch Kapitän Oliver Kahn im Bayern-Flieger. Denn die Münchner, die in Gruppe C als Zweiter hinter Juventus Turin feststehen, wollen sich im letzten Vorrundenspiel keine Wettbewerbsverzerrung nachsagen lassen. Schließlich kann ihr Auftreten darüber entscheiden, ob Ajax oder Maccabi Tel Aviv (beide drei Punkte) Gruppendritter wird und wenigstens im Uefa-Cup weiterspielen darf. "Das muss sauber abgewickelt werden", meinte Torhüter Kahn.

Gegen ein hochmotiviertes Ajax-Team, das sich auch für die Pleite in München revanchieren will, wird Magath allerdings schon dem einen oder anderen Reservisten eine Bewährungschance geben. Zum Beispiel auch Tobias Rau, der für Hasan Salihamidzic (Leisten-Operation) links in der Vierer-Abwehrreihe zum Zug kommen dürfte und sich unbedingt empfehlen möchte. "Sicherlich ist das Spiel für mich eine große Chance", sagte der Nationalspieler, den Aufsteiger 1. FC Nürnberg in der Winterpauese verpflichten möchte. "Der Club hat Interesse", bestätigte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge eine Anfrage der Franken und erteilte Rau die Freigabe: "Es liegt am Spieler, was er macht."

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