Judge Institute of Management (Cambridge)
Joern Roegler

Hallo liebe Tagebuchleser, ich bereite mich gerade auf meinen MBA am Judge Institute der University of Cambridge vor, der am 22.09. beginnen wird. Ab heute will ich versuchen, Euch einen kurzen Einblick in das tägliche Leben eines MBA Studenten zu geben.

14.09. - 20.09.2003


21.09. - 27.09.2003


28.09. - 04.10.2003


05.10. - 11.10.2003


12.10. - 14.10.2003


15.10.2003 - 04.01.2004


05.01.2004 - 11.01.2004


12.01.2004 - 18.01.2004


19.01.2004 - 25.01.2004


26.01.2004 - 01.02.2004


02.02.2004 - 08.02.2004


09.02.2004 - 15.02.2004


16.02.2004 - 22.02.2004



Montag, 16.02.2004 - Sonntag 22.02.2004

Ein ganz großes Highlight (1) !!!
Kevin Roberts, CEO von Saatchi&Saatchi kam am Dienstag, und hat eine 3-stündige Veranstaltung gehalten. Er ist momentan unser "CEO in residence", also jemand, der aktiv an unserem Programm mitarbeitet und uns unterstützt. Ich kann nicht einmal das Thema genau beschreiben, es war eine Mischung aus Inspiration, persönliche Werte, neue Arten von Unternehmensführung - aber sehr gut. Wir hatten im Anschluss noch eine lange und interessante Diskussion, die ganze Klasse fühlt sich irgendwie neu motiviert. Charisma live ist schon ein besonderes Erlebnis.

Ein ganz großes Highlight (2) !!!
Am Mittwoch fliege ich zu meinem Kumpel nach Düsseldorf, um rechtzeitig um 11:11 in Köln in der Kneipe zu sein, denn Weiberfastnacht ist ja nur einmal im Jahr. Wecker um halb 7, dann ab ins Kostüm und im Zug nach Köln. Um 9 Uhr stehen wir als Nummer 1 und 2 in der Schlange, damit wir den einen ganz besonderen Tisch bekommen. Und es hat sich gelohnt, den ganzen Tag wird wild gefeiert. Freitag dann noch eine Karnevalsparty und am Samstag fahre ich dann in meinem Auto zurück nach England. Mal sehen, wie das Leben mit Auto in Cambridge wird.

Ein ganz großes Highlight (3) !!!
Samstag abend haben sich alle Spanier, Portugiesen und Lateinamerikaner etwas besonderes einfallen lassen - Fiesta Caliente! Lateinamerikanische Rhythmen beben durch den College Pub von Clare Hall, Tequila und Pisco Sour fließen in Strömen, die Hitze des Südens lässt sogar die Fenster beschlagen. Bis 3 Uhr wird heftig gefeiert, getanzt, gelacht und getrunken. Am nächsten morgen fühle ich mich reif für die Entschlackungskur - aber mal keine Müdigkeit vortäuschen, jetzt geht es in die Endphase. Pro Woche sind jetzt 3-4 Assignments fällig und am 12.3. wartet das große Abschlussexamen.


Montag, 09.02.2004 - Sonntag 15.02.2004

Montag morgen - 4:30 in Berlin. Mein Kommilitone hat gerade festgestellt, dass er seinen Perso verloren hat!

Abgesehen davon, dass er ohne nicht an sein Billigticket kommt, kann er auch weder aus- noch einreisen. Und der Flieger geht in 80 Minuten.

Aber zum Glück sind wir ja in Deutschland, am Flughafen wird ihm tatsächlich innerhalb von 10 Minuten ein vorläufiger Ausweis ausgestellt und wir können rechtzeitig einchecken.

Ansonsten gibt es in dieser Woche nicht viel zu berichten, die Kurse gehen ihren gewohnten Gang, Strategy und Global Marketing sind richtig gut, International Business richtig schlecht. Und Operations interessiert mich nur am Rande. Am Wochenende ist wieder eine Truppe MBA's unterwegs, um Europa unsicher zu machen, diesmal Brüssel. Aber da ich nächsten Mittwoch schon wieder nach Köln fliege, um Karneval zu feiern, lasse ich diesen Trip mal aus.

Am Wochenende haben wir die Gelegenheit, unsere neue Fußballformation auszuprobieren. Nach einer Serie von Niederlagen mit mindestens 6 Toren Unterschied habe ich mich mit einem Mitspieler zusammengesetzt, um eine neue Formation auszuknobeln. (wenigstens theoretisch kenne ich mich im Fußball ja aus.)

Und - O Wunder, wir schaffen es tatsächlich, ein 0:1 zu halten, mit ein bisschen Glück hätten wir sogar punkten können. Darauf lässt sich doch aufbauen.


Montag, 02.02.2004 - Sonntag 08.02.2004

Diese Woche wird ganz klar dominiert von meiner Vorfreude auf einen Wochenendausflug nach Berlin. Ein Studienkollege hat mich eingeladen, ihn auf eine große Party in einem Herrenhaus zu begleiten. Lustigerweise bin ich einer der wenigen MBA-Studenten, die noch nie in Berlin waren, also hole ich mir jetzt Tipps von Australiern, Amerikanern und Chinesen ab, was man so alles unternehmen kann.

Freitag geht's los, direkt nach der Klasse springen wir ins Auto und ab nach Stansted. Als wir endlich ankommen (der Kommilitone ist Italiener!) ist der Check-In schon geschlossen, aber wir können die Dame überreden, für uns noch einmal aufzumachen (der Kommilitone ist Italiener!!).

Der Trip entpuppt sich allerdings als ein großer Reinfall - das Herrenhaus liegt in der Mitte vom Nichts bei Magdeburg und die Party ist in Wirklichkeit ein Promotion-Event für Stammgäste des angeschlossenen Restaurants. Also stehen wir mit Canapees zwischen 50-jährigen Paaren und fragen uns, warum in alles in der Welt wir jetzt nicht in einem guten Club in Berlin sein können.

Am Sonntag geht's dann zurück in die Hauptstadt und wir haben noch einen lustigen Abend (wenigstens das) bevor wir uns abends in einem Hotel für Rucksacktouristen einquartieren.


Montag, 26.01.2004 - Sonntag 01.02.2004

Zuerst einmal eine Entschuldigung an meine regelmäßigen Leser - ja, in meinem MBA wiederholen sich die Kurse jede Woche, ihr seid also nicht aus Versehen in einen alten Eintrag geraten.

Highlight dieser Woche sollte eine Betriebsbesichtigung werden, meine Gruppe sollte zu Rolls Royce Jet Engines fahren. Damit wir uns aber nicht allzu sehr amüsieren, hängt an dem Besuch natürlich auch wieder eine Aufgabe - die Prozesse beschreiben, analysieren und Verbesserungsvorschläge entwickeln. Alles auf Basis eines 3-stündigen Rundgangs. Und dann wundern sich alle, wenn später MBA-Absolventen als Berater arrogant durch die Fabrik spazieren und nach einem halben Tag alles besser wissen.

Aber das wahre Highlight der Woche war nicht dieser Ausflug, allerdings am gleichen Tag - SCHNEE! Das ist in England schon fast eine Sensation. Tage vorher wurde über die Maßnahmen berichtet, mit denen sie diesmal alles besser im Griff haben wollten. Als dann tatsächlich gut 6 cm Schnee lagen - totaler Zusammenbruch des öffentlichen Lebens. Autobahnen verstopft, Unfälle, Telefonstörungen, kurz - das totale Chaos. Und unsere Busse waren natürlich auch blockiert. Das bedeutet, einen kompletten Tag frei. Wir haben uns gefreut wie die Sextaner und erst einmal eine riesige Schneeballschlacht angezettelt. Ein paar MBAs hatten tatsächlich noch nie Schnee gesehen!!! Aber welch eine Gelegenheit, die Klasse mit dem Konzept des Glühweins bekannt zu machen.

Ansonsten alles beim alten - Lesen, Schlafen, Kurse ! Und am Wochenende dann das gleiche plus Feiern. Zum Glück war das Fußballteam diese Woche spielfrei, keine weitere Schlappe zu vermelden. (Und die Bayern nur 1:1 in Frankfurt, YES!)


Montag, 19.01.2004 – Sonntag 25.01.2004

Jetzt sind wir wieder richtig im Trott – jeden Tag Vorlesungen und die Menge an Vorbereitung ist auch mehr als ausreichend. Gut, wieder hier zu sein.

Die neuen Fächer sind allesamt ziemlich gut, die Dozenten sehr engagiert und reißen einen mit – deutlich besser als im ersten Term. Für Global Marketing steht direkt in der ersten Woche eine 20 Min. Präsentation auf dem Programm. Montag bis Mittwoch werden deswegen lange Abende. Der Schlaf reduziert sich wieder auf ein Minimum von 5 Stunden täglich.

Am Freitag bekomme ich eine positive E-Mail zurück. Ich hatte mich bei Boston Consulting auf ein Diskussionsforum zum Thema deutsche Industriepolitik beworben und bin für nächsten Freitag nach London eingeladen um daran teilzunehmen. Immer auch eine gute Gelegenheit, sich ein Bild von einem potentiellen Arbeitgeber zu machen.

Mittwoch gibt es ein besonderes Erlebnis – unsere chinesischen Studenten organisieren eine Party zum chinesischen Neujahrsfest. Typisches Essen, Dekorationen und Geschenke werden verteilt. Jeder Gast bekommt eine Namenskarte mit Schriftzeichen, die den Klang des eigenen Vornamen wiedergeben und die zugehörige Übersetzung. Mein Vorname heißt offensichtlich soviel wie „Du hast ein Date zu Thanksgiving“. Na toll – das sind noch 9 Monate.

Freitag erwischt mich eine Blitzgrippe. Ich liege 14 Stunden im Bett und schwitze, aber danach geht es mir wieder bestens. Seltsam.

Am Samstag ist wieder Fußballzeit für den MBA – allerdings verletzen sich beim Aufwärmen 4 unserer Stammspieler, und der Torwart konnte gar nicht erst kommen. Das folgende Spiel gerät so zum Fiasko und wir verlieren 8:2.

Und Sonntag heißt es dann ausruhen und auf die nächste Woche vorbereiten. Am Abend gehe ich noch in den Gottesdienst in einem alten traditionellen College – aber nur, weil ein Orgelkonzert mit Chor in die Messe integriert ist. Die Atmosphäre und die Musik – nicht schlecht.

Damit genug für jetzt.


Montag, 12.01.2004 – Sonntag 18.01.2004

Diese Woche (und auch nächste) haben den entscheidenden Vorteil, dass sie mit jeweils einem freien Montag beginnen. Allerdings ist auch das natürlich relativ, denn am Dienstag geht es direkt mit einem Doppelprogramm los, International Business und Operations Management. Und damit wir nicht einrosten, haben uns die Professoren mit jeweils gut 2 ½ Stunden Vorbereitung beglückt.

Und im gleichen Takt geht es dann auch direkt sportlich weiter – Mittwoch Strategy, Donnerstag Global Marketing, Freitag dann wieder International Business und Operations. Und immer heißt es lesen, Case Study vorbereiten und dann natürlich nachbereiten.

Montag ist der erste Interviewtag für die Klasse des nächsten Jahres. Jetzt sehen wir die Bewerber, alle ganz begierig nach Informationen in ihren dunklen Anzügen. So habe ich auch vor 6 Monaten da gesessen, es erscheint mir sehr unwirklich, fast wie eine andere Welt.

Am Ende der Woche sehen wir wieder alle so aus wie vor Weihnachten – dunkle Ringe unter den Augen, Erkältung und generell einfach müde. Ein paar Tage Urlaub nach den Examina hätten schon nicht geschadet.

Dafür wird dann am Freitag heftig gefeiert! Nicht zuletzt, weil AT Kearney vorbeikommt, und uns unsere Trophäen für den Global Prize überreicht. Schon nicht schlecht!

Und Samstag beginnt die zweite Hälfte der Fußballsaison, wir werden direkt wieder mit 5:1 abgefertigt (aber es war knapper, als es das Ergebnis ausdrückt). Immerhin das drittbeste Ergebnis der Saison !!

Samstag und Sonntag verbringe ich ansonsten hauptsächlich mit der Vorbereitung einer Präsentation für Global Marketing und der Analyse einer Case Study für Strategy. Was für ein trauriges Leben. Aber meine Infobroschüre zum Fallschirmspringen ist angekommen – es scheint tatsächlich erschwinglich und machbar zu sein. Also mal abwarten, was passiert.

Bis bald und Fragen einfach an mich (ich antworte ab jetzt auch wieder zuverlässiger).


Montag, 05.01.2004 - Sonntag 11.01.2004

Diese Woche stehen die Vorbereitung und Durchführung der ersten zwei wirklich wichtigen Examina an. Corporate Finance & Accounting am Mittwoch, Organizational Behaviour dann Freitag morgen.

In Deutschland habe ich es tatsächlich nicht geschafft, auch nur einen einzigen Handschlag zu lernen. Familie, Freunde und allerlei Organisatorisches waren leider höher auf der Prioritätenliste platziert. Aber glücklicherweise habe ich Finanzierung ja schon vor 8 Jahren in Deutschland studiert. Also müssen 2 Tage reichen. Und Organizational Behaviour - na ja, wird schon mit einem Tag klappen.

Tatsächlich stellt sich im nachhinein heraus, dass ich mit beidem ganz gut zurechtkomme und ganz gut bestanden haben sollte, falls nicht alle anderen nobelpreisverdächtige Ergüsse zu Papier gebracht haben.

Ansonsten ist der Start ins Jahr ein wenig seltsam, da wir uns jetzt alle eine Weile nicht gesehen haben und auch während der Klausurvorbereitung irgendwie fremd wirken. Das gute Gefühl einer großen Familie will sich nicht so recht wieder einstellen. Ich hoffe, dass das Ende des Examensstress auch hier wieder Wunder wirken wird. Mittwochs halten wir trotz der Examina an der Tradition des gemeinsamen Abendessens fest, ein gutes Zeichen.

Am Freitagmittag dann die große Erlösung - 12.30 Abgabe der Klausur, 12.45 das erste Bier an der Theke. Und fast alle sind mitgekommen - es ist doch noch meine gute alte Klasse!

Nach einer durchfeierten Nacht haben wir für Samstag einen ganz besonderen Programmpunkt - Paintballing!! Schon vor Weihnachten hatte ein vorausschauender Student geahnt, dass etwas Aggressionstherapie gut ins Programm passen würde und diesen Ausflug organisiert. Morgens um 9 (!!) geht es dann also los, die halbe Klasse wird mit dem Bus in ein nahegelegenes Gehölz kutschiert, wir bekommen Gewehre und Farbkugelmunition, dann wird ohne Hemmungen aufeinander geballert, gerobbt, in Deckung gesprungen und gebrüllt.

http://www.apocalypsepaintball.co.uk/

Die dazugehörigen Fotos würden auch einer Reportage über serbische Freischärlertrupps zur Ehre gereichen. Abgekämpft fahren wir dann nach 6 Stunden Waldkampf wieder zurück und ergeben uns in unser Schicksal, welches wieder einmal aus Pub und Club besteht. Glücklicherweise haben wir am Montag noch vorlesungsfrei, so können wir uns am Sonntag alle ausruhen und mit der Vorbereitung auf das neue Studienjahr ab Dienstag beginnen.

Als nächstes werde ich wohl Fallschirmspringen in Angriff nehmen, es muss ja immer noch eine Steigerung geben. Die Broschüren sind schon bestellt.


Mittwoch, 15.10.2003 - Sonntag 04.01.2004

Irgendwann vor ein paar Tagen oder Wochen (oder Monaten?) habe ich einmal geschrieben, dass ich aufpassen muss, nicht vom Programm überrollt zu werden. Tja, das hat offensichtlich nicht geklappt. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, ist der Nachschub an Tagebucheinträgen deutlich zurückgegangen und auch jetzt schaffe ich nur eine einzelne Zusammenfassung der letzten 2 Monate. Ich gebe Euch einfach mal einen kurzen Überblick über alles, was in den letzten 8 Wochen passiert ist.

Das wichtigste zuerst - mein Team und ich haben den weltweiten Wettbewerb der Unternehmensberatung A.T. Kearney (ATKearney Global Prize) gewonnen. Dabei haben wir 3 andere europäische und 8 Nordamerikanische Schulen geschlagen. Das ist natürlich für das Renommee unserer Schule enorm wichtig, und außerdem gab es auch einen kleinen Aufschlag für mein Studienbudget.

Entsprechend intensiv waren auch die Feiern, und am schönsten war, dass uns die komplette Klasse und Schule wahnsinnig unterstützt haben. Allerdings haben wir dabei sehr viel Zeit investiert und entsprechend auch das Programm etwas schleifen lassen müssen.

Direkt danach gab es ein fünfwöchiges Beratungsprojekt für lokale Start-Ups. Unser "Kunde" war ein Zwischenhändler für Antikörper, der über das Internet vertreibt. Jetzt überlegt er, wie die Gründer einen Teil Ihres Geldes zurückbekommen können, und wir sollten die Möglichkeit eines Börsengangs evaluieren. Auch nicht schlecht.

Die üblichen Kursinhalte treten dabei schon wieder etwas in den Hintergrund, obwohl mir gerade die Kurse, in denen eigenes Verhalten und das Erfahren der eigenen Stärken und Schwächen analysiert werden, extrem gut gefallen und auch wirklich hilfreich sind. Ich habe mich in den letzten 3 Monaten schon enorm verändert, ich denke zum positiven, aber das wird sich erst auf lange Sicht zeigen.

Ansonsten gab es eine Menge Parties, einen Wochenendausflug nach Dublin, viele Besuche von interessanten Firmen und zu guter Letzt 2 Wochen Weihnachtsferien in Deutschland. Leider nicht reine Erholung, denn am 7.1. und 9.1. stehen die ersten beiden wichtigen Examina an. Das heißt, auch die jetzt kommende Woche wird wieder sehr stressig werden. Aber erst mal bin ich ganz froh, wieder hier zu sein.

Dem Stundenplan nach sollten die nächsten Wochen etwas weniger stressig werden, so dass ich wieder mehr Zeit für das Tagebuch finden kann. Also, ich halte Euch auf dem Laufenden.

Soviel zum ersten Term aus Cambridge und bis bald mit aktuelleren Nachrichten.


Dienstag, 14.10.2003

Morgens Marketing, nachmittags Organizational Behaviour - diese Kombination setzt sich schon gut im Wochenrhythmus fest. Und zwischendurch müssen wir noch unsere erste Entscheidung für die Marketingsimulation abgeben. Wir haben diesmal noch nur eine eingeschränkte Auswahl an Aktionen, um uns langsam ans Spiel zu gewöhnen. Darum kommen wir auch relativ schnell zu einer Entscheidung - Preis und Produktion sind für 2 Marken festzulegen.

Abends wird es dann noch länger, weil sich ein Gastsprecher von L'Oreal vorstellt - die Präsentation ist allerdings weniger aufschlussreich. Da wäre ich doch besser wieder zur Vorlesungsreihe Unternehmertum gegangen. Aber die Priorisierung und Auswahl von Veranstaltungen, die man besucht, ist eins der großen Probleme - es gibt einfach zu viele Möglichkeiten.

Montag, 13.10.2003

Heute haben wir die erste Stunde in Entrepreneurship. Dabei wird ausführlich auf die Case Study eingegangen. Man merkt an der Qualität der Diskussion deutlich, dass alle eine Analyse erstellt haben. Es kommt das erste Mal so etwas wie ein Meinungsaustausch zustande.

Als ich mittags meine Arbeit ausdrucken möchte, spielt der Drucker natürlich verrückt. Als ich das Problem beheben kann, und der Ausdruck endlich fertig ist, habe ich nur noch 5 Minuten bis zur Abgabe. Knapp, aber rechtzeitig.

Danach wird das Klassenfoto geschossen. Darum sind wir auch schon den ganzen Tag in Anzügen herumgelaufen. Es ist gerade mal 5 Wochen her, seit wir alle nicht mehr täglich ins Büro gehen, und trotzdem fühlen wir uns schon wieder ein wenig verkleidet mit Krawatte. Man gewöhnt sich recht schnell an die Annehmlichkeiten des Studentenlebens.

Am Nachmittag bekommen wir noch eine Einführung in die Besonderheiten des Bewerbungsprozesses bei Investmentbanken und einige Tipps für Anschreiben und Vorstellungsgespräch. Außerdem hören wir zu unserer aller Freude, dass sich die Jobsituation für uns MBA etwas zu entspannen beginnt.

Als Website der Woche möchte ich heute mal etwas für den Germanisten in uns allen empfehlen:

http://www.spiegel.de/kultur/0,1518,k-4050,00.html

Zwiebelfisch auf Spiegel.de - hier wird, manchmal etwas spießig, aber häufig sehr lustig über die Verirrungen der deutschen Sprache berichtet.

Sonntag, 12.10.2003

Heute zahle ich dann die Rechnung für den erholsamen Tag von gestern. Morgens lese ich die Themen nach, die in der letzten Woche etwas zu kurz gekommen sind, Mittags wird kurz Fußball gespielt, nächsten Samstag ist schon das erste Ligaspiel gegen Queens College und wir sind immer noch chaotisch und vor allem nur 10 Mann. Da ist wohl noch etwas Marketing in der Klasse nötig.

Nachmittags und abends lese ich dann die Themen für den Montag und bereite eine erste Analyse für unsere Marketing-Simulation vor. Dazu hatte ich mich ja freiwillig gemeldet, weil ich am Samstag nicht zum Workshop musste. Und außerdem müssen wir bis morgen die Analyse einer Case Study erstellen, die mit in die Bewertung des Fachs Entrepreneurship eingeht.

Alles in allem sitze ich bis halb 2 vor den Büchern und merke, dass diese Simulation wie ein Energieschwamm ist. Man kann immer noch etwas mehr analysieren, es gibt genug an Informationen, Problemen und Zielen, die alle miteinander verwoben sind. Willkommen im Management!


Samstag, 11.10.2003

Im Gegensatz zu den meisten meiner Kommilitonen kann ich heute ausschlafen, denn ich bin einer der wenigen, die nicht zum AT Kearney Workshop gehen. Uns wurde die Gelegenheit gegeben, einen Tag lang ins Consulting reinzuschnuppern. Da die Plätze aber limitiert waren und ich schon 3 Jahre als Consultant gearbeitet habe, fiel mir die Entscheidung pro Ausschlafen nicht sehr schwer.

Der Tag beginnt wieder einmal mit strahlendem Sonnenschein. Heute ist es außerdem auch noch richtig warm. Ich nutze die Zeit hauptsächlich, um alles das zu erledigen, was in der Woche liegen bleibt - Einkaufen, Waschen, Aufräumen.

Abends steht dann das große EM-Qualifikationsspiel Türkei gegen England auf dem Programm. Wir treffen uns nach dem Consulting-Workshop und schauen es dann gemeinsam in einem Pub. Danach essen wir noch zusammen beim Thai und gehen wieder nach Hause. Das war ein ruhiger und erholsamer Tag heute.

Freitag, 10.10.2003

Heute gibt es wieder den Doppelhammer - 3,5 Stunden Accounting und 3,5 Stunden Corporate Finance am Stück.

Außerdem steht heute die Wahl des Komitees für den Cambridge Business School Social Club an. Gestern haben wir uns noch auf unseren Präsidentschaftskandidaten geeinigt - es war schön zu sehen, dass sich keiner in den Vordergrund gedrängt hat, wir haben ein sympathisches, nicht zu karrierebesessenes Team zusammen. Am Mittag erfahre ich dann, dass sich das zweite Team zurückgezogen hat, damit sind wir auch ohne Wahl das Komitee. Wow! Jetzt müssen wir aber auch etwas daraus machen, aber genau darauf haben wir ja gewartet.

Abends gehe ich mit zwei Kommilitonen zum Abendessen ins berühmteste College von Cambridge - Trinity! Hier hat Charles Darwin gelehrt, hier lehrt im Moment Stephen Hawking und alles in allem kommen über 30 Nobelpreisträger aus diesem College. Es ist ein beeindruckendes Gebäude, und der Speisesaal verströmt eine unglaubliche Atmosphäre. Heute weiß ich wieder, dass Cambridge genau die richtige Wahl war.

Kaum weniger beeindruckend ist auch der Kommilitone, der mich zum Essen mitnimmt. (man kann hier nur als Mitglied oder Gast essen) Dr. Nikhil Nair ist blind, und hat es trotzdem ins Programm geschafft, er kann die meisten Dinge nur durch Zuhören aufnehmen und muss es dann in seiner Vorstellung verarbeiten. Sein Laptop ist speziell für Blinde angefertigt und hat eine Spezialsoftware, die ihm seine Eingaben akustisch darstellt. Trotz alledem ist er in der Gruppenarbeit immer auf dem aktuellen Stand und mindestens genauso schnell wie ich. Man sagt auch, er habe mit 780 den höchsten GMAT im Kurs. Einfach unglaublich zu beobachten, wie intelligent dieser Mann ist.

Donnerstag, 09.10.2003

Ab jetzt wird abgerechnet - das erste bewertete Assignment ist heute fällig.

Morgens nehmen wir noch schnell lineare Optimierung durch, um 2 Uhr bekommen wir dann eine Fallstudie zur Bearbeitung in 3er-Gruppen. Abgabe eines Management Reports (also auch starken Fokus auf das Layout) bis 18.30 Uhr. Wer zu spät abgibt, bekommt in Halbstundenintervallen Minuspunkte aufgebrummt.

Das Thema ist zum Glück nicht zu kompliziert, wir sollen wohl eher langsam an die Arbeitsweise herangeführt werden. Außerdem zählt dieses Assignment auch nur 0,5% des gesamten MBA. Trotzdem sind einige ziemlich nervös und alle sehr engagiert.

Wir schaffen zum Glück alles frühzeitig und können in Ruhe am Layout feilen - anschließen feiern wir uns selbst im Rahmen der wöchentlichen Pub-Night und es wird ein sehr schöner, aber auch sehr später Abend, den wir in einem der schönsten Colleges von Cambridge, in Pembroke, beschließen.

Mittwoch, 08.10.2003

Auch heute steht wieder ein "weiches" Fach auf dem Stundenplan - Management Practice. Dabei soll untersucht werden, wie das eigene Verhalten auf die Umwelt einwirkt und dort Veränderungen im Verhalten anstößt. Klingt interessant, ist aber schwer im Vorlesungsstil zu vermitteln, wie sich heute herausstellt. Darum soll in diesem Kurs auch ein Schwerpunkt auf Spiele, Diskussionen und praktische Übungen gelegt werden.

Mittags wird dieser Plan auch gleich in die Tat umgesetzt - wir stellen das so genannte Gefangenendilemma aus der Spieltheorie praktisch nach. Ziel ist es hierbei eigentlich, festzustellen, dass man mit Kooperation besser dasteht als mit Konfrontation, aber dennoch fast unweigerlich in die Konfrontation rutscht, weil Vertrauen zerbrechlich ist. So passiert es dann auch bei uns - Jubelschreie und Flüche wechseln sich ab, wenn einzelne Gruppen von ihren jeweiligen Partnern reingelegt werden.

Nach dem Kurs ist man geteilter Meinung, was den Nutzen betrifft - von total überflüssig bis spannend und interessant ist praktisch jede Meinung vertreten.

Inzwischen sind 12 Tage vergangen, seit ich meinen Festnetzanschluss bestellt habe, trotz der initialen Schätzung von ca. 48 Stunden bis zur Freischaltung ertönt aus meinem Telefon nur ein freundlicher Dauerton. Meine diversen Beschwerden haben bisher auch nichts erreichen können, mal sehen, ob ich die Wartezeit auf mein Handy schlagen kann.

Dienstag, 07.10.2003

Heute kommen die ersten Fächer an die Reihe, auf die ich mich besonders freue - Marketing und Organizational Behaviour - also langsam in Richtung "weiche" Faktoren. Damit hatte ich bisher nicht viel zu tun, darum bin ich hier besonders neugierig und hoffe, einiges dazuzulernen.

In Marketing werden wir hauptsächlich mit unserem Team eine Simulation am Computer durchspielen - in einer Industrie mit 5 Firmen müssen wir über 8 Runden verschiedene Entscheidungen treffen - Produktentwicklung, Marktforschung, Distributionskanäle, Werbungsaufwand etc. Und am Ende wird dann nach einer bestimmten Formel der "Sieger" ermittelt.

Abends gehen wir noch mit einigen interessierten zu einer Vorlesung zum Thema Entrepreneurship - also Unternehmensgründung. Dabei treffe ich noch 2 deutsche Doktoranden, die ein Forum im nächsten Sommer organisieren. Vielleicht kann ich im März (wenn es angeblich etwas ruhiger wird) ein wenig mitarbeiten - man weiß ja nie, wen man dabei treffen kann. Und Netzwerk ist eins der ganz großen Ausrufezeichen in diesem Programm.

Anschließend trifft sich meine Gruppe noch zur Absprache, wie viel Geld wir für die einzelnen 5 Firmen in der Marketingsimulation bieten wollen.

Nach der Vorbereitung der Themen für morgen geht's dann gegen Mitternacht ins Bett.

Montag, 06.10.2003

Heute ist der erste Tag im richtigen Programm, nachdem die letzten 2 Wochen nur ein Vorgeplänkel waren, um den Nicht-BWLern ein paar Grundlagen zu vermitteln. Es stehen 7 Stunden Corporate Finance & Accounting auf dem Programm. Da ist es doch doppelt gut, dass ich heute um viertel nach 4 aufstehen durfte. (Siehe gestern)

Normalerweise arbeiten wir getrennt in 2 Streams à ca. 50 Personen, damit es überschaubar bleibt und jeder eine Chance zur Diskussion bekommt. Das führt leider dazu, dass man eine Hälfte des Kurses nur selten zu Gesicht bekommt. Heute allerdings sind wir wieder wild durchgemischt, da die Einteilung in 2 Gruppen nach den jeweiligen Vorkenntnissen vorgenommen wurde. So kriegt man die Gelegenheit, auch einmal mit anderen Studenten zusammenzuarbeiten.

Abends bin ich vollkommen erledigt und liege bereits um halb 10 im Bett - ich lese noch 1 Stunde die Artikel für morgen und dann fallen meine Augen zu.

Im Web kann ich heute den Besuch folgender Seite empfehlen:

www.billiger-telefonieren.de

Vor allem für Auslandstelefonate nicht zu unterschätzen, wir telefonieren jetzt für 2,5 ct. pro Minute aus Deutschland nach England.

Sonntag, 05.10.2003

Das Wetter ist immer noch überwältigend. Sonne, Sonne & Sonne. Also erstmal raus auf's Rad und ein paar Stunden den Fluß entlang, kurzer Stop im Biergarten und anschließend wollen wir noch schnell für morgen den Transfer zum Flughafen organisieren.

Am Bahnhof finden wir einen perfekten Zug, Ankunft am Flughafen um 6.50 Uhr, der Flieger geht um 8, also sollte ja wohl genug Zeit sein, so denken wir als Mitteleuropäer jedenfalls.

Die Dame am Schalter sieht das offensichtlich etwas anders. Ihre Richtzeit ist mindestens 2 Stunden vor Abflug, woraufhin sie einen Zug um 4.23 Uhr empfiehlt. Begründung: Der Zug steht zwar auf dem Fahrplan, aber er könnte ja auch einfach ausfallen und der nächste dann verspätet sein oder auch nicht auftauchen. (Das diese Logik, wenn man sie weiter denkt, dazu führt, dass ich eigentlich keinen Zug buchen könne, denn sie könnten ja alle ausfallen, erwähne ich nicht). In 3 ½ Stunden kann ich genauso gut mit dem Rad zum Flughafen fahren!!

Nachdem auf der Hinreise der Zug allerdings auch ausgefallen ist, nehmen wir diese Warnung allerdings ernst und entscheiden uns für einen Bustransfer. Abfahrt hier ist 5.20 Uhr, zwar immer noch absurd früh, aber immerhin.

Bei der Reservierung des Taxis wird uns auch eine Sicherheitsmarge von 20 Minuten aufgeschwatzt, denn das Taxi könnte ja ausfallen oder verspätet sein …

England !


Samstag, 04.10.2003

Heute schlafen wir erst einmal lange aus, anschließend kaufen wir ein zweites Fahrrad, denn zu Fuß ist man doch weit weniger mobil, wie wir gestern leidvoll herausgefunden haben.

Nachmittags ist Begrüßung der neuen Graduate Studenten in meinem College - wir bekommen einen Plan der Aktivitäten in den nächsten Wochen, aber ich habe keine Ahnung, wie ich das noch in meinem Stundenplan unterbringen soll.

Um 5 Uhr treffen sich alle interessierten Amateure und Halbprofessionellen zu einem Spielchen Rugby, aber die sanfte Version ohne Tackling. Nach einer kurzen Einführung geht's direkt los. Was am Anfang sehr nach Hühnerhaufen aussieht, entwickelt sich zum Ende tatsächlich in ein ansehnliches Spielchen, und mir gelingt sogar ein Versuch.

Abends sind wir noch bei einem Amerikaner zum Essen eingeladen - wir haben ein Team zusammengestellt, mit dem wir für die Präsidentschaft des CBSC (Cambridge Business School Social Club) kandidieren wollen. Dieser Posten ist relativ wichtig, wir sind dann für die Organisation von Sprechern, Sponsoren und Sportwettkämpfen für den diesjährigen MBA-Jahrgang verantwortlich. Nach ersten Gerüchten gibt es nur ein weiteres Team, also haben wir realistische Chancen.

Freitag, 03.10.2003

Zum Glück wurden bei der Planung der Stundenpläne nationale Feiertage berücksichtigt, so dass ich heute frei habe. (Nicht wirklich, ich habe einfach Glück!)

Aber das ist heute wirklich mein Glückstag, denn ich kann mich ab heute stolzer Besitzer eines neuen Handys und eines 1-Jahresvertrags nennen. Ich habe nach allem Hin und Her alle nötigen Dokumente zusammenbekommen und kann jetzt telefonieren.

Der Deal ist ziemlich gut, ich bekomme sofort ein neues Gerät und 50 Pfund. Dann kann ich für 21 Pfund im Monat 150 Minuten zu jeder Zeit in jedes Netz telefonieren. Allerdings bin ich am Ende tatsächlich doch bei T-Mobile gelandet. Soviel zu den Management-Theorien, dass Freundlichkeit und Service wichtiger sind als der Preis. Generell stimme ich dem zwar zu, aber bei mir hat's diesmal nicht gefruchtet.

Abends treffen sich noch 20-30 Studenten in einer Kneipe und anschließend geht es kurz in einen Club, aber alles in allem ein eher ruhiger Freitag.

Donnerstag, 02.10.2003

Heute werden wir abschließend in VWL mit Keynes und seiner Theorie der Nachfragesteuerung konfrontiert - Einige Politiker wären hier gut aufgehoben, denn wir sprechen auch kurz an, warum man inzwischen nicht mehr an die Wirkung der Keynes'schen Rezepte glaubt.

Anschließend habe ich das erste kurze individuelle Gespräch mit dem Career Office.

Wir besprechen kurz, welche Art von Projekten mich interessieren könnte und wie ich mein Profil am besten aufbauen sollte. Abends ist dann wieder die obligatorische Pub Night am Donnerstag, aber was viel wichtiger ist - meine Freundin kommt über's Wochenende zu Besuch.

Leider fällt der Zug vom Flughafen nach Stanstead grundlos aus, so dass sie erst um halb 11 ankommt, aber Hauptsache, sie ist da.

Mittwoch, 01.10.2003

Heute haben wir einen etwas ruhigeren Stundenplan, morgens 2 Stunden VWL und anschließend zwei Einführungen in das IT-Labor und die Da das Wetter immer noch erstaunlich gut ist, nutzen wir die Entspannung, um kurz in einem netten Biergarten am Flussufer zu Mittag zu essen. Dabei gehen wir noch einmal eine Case-Study zu Accounting durch.

Abends ist Champions-League auf dem Programm, Stuttgart gegen Manchester Utd. Die offizielle Mail zu diesem Event hieß: "some German side vs. Manchester United, come and see them beat the Germans yet again" Also muß ich natürlich die deutsche Fahne hochhalten (obwohl mir Stuttgart eigentlich ziemlich egal ist) - und sie gewinnen am Ende 2:1!!!

Danach schauen wir noch kurz bei einer Welcome-Party für Graduate Students vorbei, um 11:00 Uhr bin ich wieder zu Hause und lese noch kurz durch die Unterlagen für morgen.

Dienstag, 30.09.2003

Dienstag ist der Tag der Statistik, jedenfalls während der Einführungswochen. Heute sind Regressionen auf der Tagesordnung. Nach einer kurzen Einführung werden wir dann auch sofort mit einem Case ausgestattet und sollen diesen eigenständig in Gruppen von je 2-3 Studenten bis zur Nachmittagsstunde lösen. Nächste Woche steht wieder ein Case an, der dann aber bewertet wird. Das werden unsere ersten Credits Richtung Abschluss.

Aber heute ist es erst einmal schwierig genug, eine Gruppe zu organisieren. Die eine Hälfte der Klasse hat 2 Stunden Einführung in die Bibliothek, die andere ins Computerlabor, aber zu jeweils unterschiedlichen Zeiten. Dann haben einige keinen Laptop dabei, andere in ihrer jeweiligen Muttersprache aufgesetzt (zu letzteren zähle auch ich) - das macht Gruppenarbeit mit anderssprachigen Studenten leider unmöglich.

Bis halb 5 haben wir den Case dann aber trotzdem ganz ordentlich gelöst und nach einer kurzen Besprechung sind wir dann auch für den Tag entlassen.

Abends drehe ich noch eine lockere Runde mit meinem Laufpartner, der genau gegenüber wohnt, danach gehen wir noch kurz etwas essen und um halb 11 liege ich total erschöpft im Bett.

Montag, 29.09.2003

Heute steht wieder einmal VWL auf dem Programm, aber im Vergleich zu den vorherigen Vorlesungen ist es richtig interessant - Zuerst Spieltheorie und anschließend Transaktionskosten durch asymmetrische Informationsverteilung. Beides ziemlich interessante Bereiche, denn sie sind näher an der Realität als die ersten Modelle, die mit zu vielen unrealistischen Annahmen und Vereinfachungen arbeiten.


Nach der Vorlesung radele ich zurück, packe meine Wäsche und fahre rüber ins College, wo wir Waschmaschinen und Trockner zur Verfügung haben. Dann schnell zurück ins Institut, denn um 1 Uhr bekommen wir einen kurzen Überblick über die Veranstaltungen, die wir dieses Jahr von ATKearney angeboten bekommen. Ich interessiere mich besonders für die Case Study Competition, bei der unsere Uni gegen andere europäische Business Schools antritt. LBS, Rotterdam und Manchester sind sicher dabei - Madrid vielleicht.

Anschließend radele ich wieder zurück, um die Wäsche zu trocknen, falten und zurück in mein Haus zu bringen. Dann nix wie zurück, Marsch, Marsch, denn am Nachmittag bekommen wir gezeigt, wie englischer CV und Anschreiben aussehen müssen. Ein paar ganz wertvolle Tipps sind tatsächlich dabei, aber vieles ist auch selbstverständlich.

Abends trifft sich meine Arbeitsgruppe zum ersten Mal, um sich schon einmal zu beschnuppern. Wir 5 werden im nächsten Term bis Weihnachten ein gemeinsames Consulting-Projekt mit einem Startup aus Cambridge durchführen. Ich glaube, wir haben eine gute Mischung aus verschiedenen Charaktern und Hintergründen und ich bin zuversichtlich, dass wir ziemlich gut zurechtkommen werden.

Ach ja, für den interessierten Leser - die Homepage des Judge Institut in Cambridge findet ihr hier:

www.jims.cam.ac.uk

Sonntag, 28.09.2003

Heute schlafe ich zum ersten Mal richtig lange aus. Es ist schon 12 Uhr, als ich endlich wach werde. Gerade noch rechtzeitig, denn um 1 Uhr treffen sich alle Interessierten zum Fußball. Das dürfte die richtige Therapie für meinen kleinen Kater sein.

Wir kicken fast 2 Stunden, es sind 12 Mann gekommen und nachher fühle ich mich viel besser, vielleicht auch deshalb, weil wir 10:5 gewonnen haben.

Anschließend schwatzen wir noch ein wenig im Pub und am Abend bastele ich noch 3 Stunden an ein paar Excel-Dateien, mit denen man Adressen, Telefon und Interessen aller Studenten verwalten kann. Nachdem ich noch den Stoff für die morgige VWL-Vorlesung durchgelesen habe, falle ich gegen Mitternacht erschöpft ins Bett.

Der letzte Gedanke des Tages ist, dass ich heute vergessen habe zu waschen - da werde ich wohl morgen ein wenig Terminstress bekommen.


Samstag, 27.09.2003

Wochenenden sind wahrscheinlich die schönste und schlechteste Zeit des Jahres, abhängig davon, ob meine Freundin zu Besuch kommt, oder nicht.

Mittags fahre ich ins Institut, um in Ruhe meine Mail zu checken und im Intranet zu surfen. Leider stehen im Arbeitsraum alle Fenster offen, weil ein Gerüst an der Fassade daran befestigt werden muss. Dadurch haben wir eine Raumtemperatur von ca. 7-8 Grad, so dass nach 2 Stunden meine Finger steif werden. Also fahre ich zurück in mein neues Zimmer, wo ich noch den Feinschliff der Einrichtung fertig stelle.

Abends haben wir uns in einer neuen Bar verabredet, die auch wirklich sehr gemütlich ist, bis dann um 11 Uhr ca. 250 konsumwillige Leute in bester Stimmung rausgeworfen werden, weil in England halt um 11 Uhr Schluss ist. Seltsame Regel.

Also schauen wir noch einmal kurz in den Club von gestern, aber die Stimmung ist heute nicht so gut.

Freitag, 26.09.2003

Heute habe ich frei, jedenfalls keine Vorlesungen. Das scheint also der perfekte Tag für meinen Umzug ins neue Zimmer zu sein.

Ein Kommilitone mit Auto hat sich als Freiwilliger gemeldet und hilft mir beim Transport. Ich brauche tatsächlich 2 ½ Stunden, um alles zu verpacken, eine Stunde für den Transport und 3 Stunden, um alles aufzubauen (mein Schlafsofa lag fast unversehrt im Zimmer), umzuräumen und auszupacken.

Inklusive 2 Stunden Mittagspause, eines kleinen Spaziergangs zur Bank (meine PIN ist angekommen) und einiger Telefonate, um den neuen Telefonanschluss + Internet freizuschalten wird es 8 Uhr abends, bis ich fertig bin. Aber es hat sich auch gelohnt, ich wohne jetzt in einem Haus mit 4 weiteren Graduate Students, bin also aus dem schlimmsten Trubel raus, wenn nächste Woche die Erstsemester einfallen. Mein Zimmer ist ca. 13 qm groß und liegt nach hinten raus sehr ruhig. Insgesamt teilen wir uns 2 Küchen und 1 Dusche, aber 2 Toiletten. Die ersten beiden Mitbewohner, die ich treffe, sind sehr nett und hilfsbereit und so lässt es sich bestimmt gut aushalten.

Abends treffe ich mich mal wieder mit ein paar anderen MBA-Studenten, erst gehen wir chinesisch essen und anschließend in einen Club, der tatsächlich bis 2 Uhr Alkohol ausschenken darf. Die Stimmung ist gut und nachdem wir uns auf der Tanzfläche völlig verausgabt haben, falle ich um 2 Uhr ins Bett. Wir sollten diese wertvollen relativ ruhigen Tage genießen, bevor der richtige Teil des Programms anfängt, denn dann haben wir nicht mehr soviel Freizeit, das steht fest.

Donnerstag, 25.09.2003

Heute starte ich einen erneuten Versuch, mir ein englisches Handy zu besorgen. Inzwischen habe ich alle Papiere zur Verfügung, nach denen man das letzte Mal verlangt hatte. Ich prüfe noch ein letztes Mal alle Dokumente und dann geht es in den Laden. Der Verkäufer erkennt mich auch sofort und nach einer intensiven Beratung entscheide ich mich für T-Mobile.

Als ich dann meinen Kontoauszug aus der Tasche ziehe, bemerke ich sofort ein leises Zucken im Augenwinkel des Verkäufers. Es scheint ihm etwas peinlich zu sein, aber er muss mir leider mitteilen, dass es sich in Wirklichkeit um einen Kontoauszug handeln muss, der auch Kontobewegungen zeigt. Als ich dann eine Bestätigung der Bank über den Eingang von soundsoviel Pfund nachschiebe, habe ich ihn fast, aber leider nur fast. Wenn die Informationen des zweiten Briefs auch auf dem ersten Brief ständen, dann wäre alles klar, so aber….

Pest und Cholera wünsche ich dem zuständigen T-Mobile Manager an den Hals. Ich kaufe also eine Prepaid-Karte und warte auf den nächsten Kontoauszug.

In der Uni gab es heute nicht viel zu tun, 2 Stunden Economics und eine kurze Rede unseres Direktors, der einige Statistiken auflegte, unter anderem ist der Durchschnitts-GMAT dieses Jahr von 640 auf 680 gestiegen und nur jeder 6. Bewerber wurde angenommen. Außerdem liegen wir im neuen Forbes-Ranking jetzt auf Platz 3 der europäischen Schulen hinter INSEAD und IMD. Das hilft einem zwar momentan auch nicht viel weiter, aber immerhin keine schlechten Nachrichten.

Am Abend ist dann "offizieller" Pub-Abend, jeden Donnerstag findet eine Art MBA Stammtisch statt und tatsächlich füllen wir die Kneipe fast alleine, etwa 60-70 Personen kommen und der Abend vergeht wie im Flug.

Mittwoch, 24.09.2003

Morgens geht's direkt stramm voran, VWL im Zeitraffer - wir haben insgesamt 9 Stunden für einen Überblick in Mikro- und Makroökonomie, davon die ersten beiden heute. Mittags werden schnell einige Besorgungen gemacht und etwas gegessen, am Nachmittag dann Accounting bis ca. 19 Uhr und anschließend ab 8 Uhr Treffen im Pub.

Wenn man den Tag so liest, bemerkt man 2 Dinge - es kommt so langsam ein Rhythmus in das Programm, ohne den man auch kaum eine Chance hat, alles zu bewältigen, aber gleichzeitig wird man immer mehr zu einem Getriebenen der Ereignisse. Von allen Seiten prasseln nämlich immer mehr Nebenkriegsschauplätze auf einen ein.

Business Plan Wettbewerb - Teilnahme freiwillig, will ich mitmachen? Wenn ja, mit wem?
Am Wochenende ein Seminar zum Thema Markenwert, interessiert mich das genug, um einen Tag und 30 Pfund zu opfern?
Nächste Woche gibt es dann einen Consulting-Workshop mit AT Kearney.
Und wann schreibe ich mein Profil für das Jahrbuch?
Ach ja, dann gibt es noch die verschiedenen Studentenclubs, in denen man alles Mögliche organisieren kann.
Und Sport …..

Ich muss einen besseren Weg finden, wieder vor die Welle zu kommen, sonst werde ich weggespült.

Glücklicherweise habe ich das komplette Accounting, ein computer-basiertes Programm zum Selbststudium, bereits gestern beendet, so dass ich einige Stunden aus meinem Stundenplan streichen kann. Also wird am Freitag organisiert und priorisiert.

Neben meinem Umzug allerdings, denn mein endgültiges Zimmer ist endlich frei geworden, und den Handyvertrag muss ich natürlich auch noch abschließen….

Dienstag, 23.09.2003

Heute ist es wieder soweit - diesmal der erste Tag mit Inhalten. Management Analysis steht auf dem Programm - insgesamt 5 Stunden und dazu noch 2 Stunden eine Infoveranstaltung des Career Office, also der Leute, die uns bei der Jobauswahl und -suche helfen sollen.

Um 9 Uhr geht es los, und direkt überspringen wir einmal die ersten 150 Seiten des Lehrbuchs, denn die haben wir ja sicherlich alle verstanden, so der Prof. Laut seiner Aussage sind dieses Jahr die Auswahlkriterien ohnehin verschärft worden, so dass er ein schnelleres Tempo vorlegen kann.

Und an diese Aussage hält er sich auch. Bis 12 Uhr haben wir uns zur Standardnormalverteilung und Signifikanzintervallen durchgefressen - in Deutschland waren das in etwa die ersten 4 Wochen meiner Statistikvorlesung. Heute bin ich ganz froh, dass ich den Stoff zumindest vor 8 Jahren schon einmal gesehen habe. Um halb eins sind wir dann mit einer kleinen Hausaufgabe über Mittag entlassen.

In der Nachmittagssession werden dann die Aufgaben besprochen, die wir in kleinen Teams gelöst haben. Dann bekommen wir eine kleine Nachhilfe in Excel - die Analyse und Darstellung von großen Datenmengen mit einigen Hilfsmitteln aus dem Analyse-Toolpack. Sehr nützlich für den späteren Job, sofern man mit Zahlen zu tun hat.

Die Veranstaltung des Career Office ist weniger spannend - alles Dinge, die wir offensichtlich alle beachten, denn wir haben sie bei der Bewerbung in Cambridge gebraucht. Ich melde mich noch für eine individuelle 30 min-Beratung an, und um 18 Uhr können wir dann nach Hause gehen.

Ich treffe noch zufällig einen Kommilitonen, der nur 2 Minuten von meinem College entfernt wohnt, und wir verabreden uns noch, ein halbes Stündchen Joggen zu gehen. Nachher schmökere ich noch bis 11 Uhr in meinem Economics-Buch und den Profilen der Klasse vom letzten Jahr. Einige beeindruckende Lebensläufe sind schon dabei.

Jetzt fällt mir auch ein, was ich gestern vergessen habe - die Website der Woche:
Heute ist es

http://narab.infosys.de/agents/billigfluege.html

Hier findet man alle europäischen Verbindungen, die von irgendeinem Billigflieger angeboten werden, auf einen Blick und kann auch direkt buchen.

Montag, 22.09.2003

Heute ist es also soweit - ich werde den Rest des Kurses treffen, alles in allem 105 Mitstreiter für das nächste Jahr. Jetzt erst mal wieder Krawatte binden üben, denn heute werden Fotos fürs Jahrbuch gemacht. Auf dem Weg in die Uni komme ich an einer riesigen Absperrung vorbei - in der Nacht hat es wohl eine Gasexplosion gegeben, meine erste Assoziation ist ein Terroranschlag, obwohl es eine kleine Bäckerei in Cambridge ist, aber englische Polizei hinter einer Absperrung zwischen Trümmern kennt man halt sonst nur aus dem Fernsehen.

Im Institut ist dann schließlich der Teufel los, ich bin froh, dass ich ein paar Gesichter und Namen aus dem Pub von Donnerstag wieder erkenne, sonst würde ich mich schon verloren fühlen. Heute stehen nur Vorstellungen und Präsentationen des Instituts auf dem Programm und nach 5 Stunden sind wir alle ziemlich erschlagen. Zum Glück hatte ich mittags noch kurz Zeit, mir endlich ein Fahrrad zu besorgen und meine EC-Karte bei der Bank abzuholen.

Am Nachmittag ist dann "Tea Party" im Institut mit allen Partnern und Kindern der Teilnehmer, die mit nach Cambridge gekommen sind. Ich bin überrascht, wie viele tatsächlich in Begleitung kommen, sogar einige Kinder sind dabei. Ich stelle es mir allerdings sehr schwierig vor, im Laufe des Jahres noch die richtige Balance zwischen Kurs und Familie zu finden.

Wir sitzen dann noch alle eine Weile herum und quatschen, irgendwie hat keiner Lust, den Tag zu beenden, entweder, weil man noch mehr neue Leute kennen lernen möchte, oder weil es draußen angefangen hat zu nieseln, der erste (aber wohl nicht letzte) Tag mit schlechtem Wetter in Cambridge. Nachdem dann für 8 Uhr abends ein Treffen im Pub verabredet wird, machen sich dann doch alle auf den Weg, aber kaum bin ich auf mein Rad gestiegen, wird aus dem Nieselregen ein Platzregen.

Nass wie ein Pudel komme ich in meinem College an, mein Anzug trieft und ich springe erst einmal schnell unter die Dusche. Als ich dann wieder trocken bin, scheint inzwischen die Sonne. Aber das sollte ich nicht persönlich nehmen, ich bin hier halt in England.

Abends im Pub wird es sehr gemütlich, es kommen gut 20 Leute und ich treffe einen Südafrikaner wieder, mit dem ich zusammen im April beim Interview in Cambridge war. Glücklicherweise schließen die Pubs schon um 11 Uhr, denn wir hatten alle die Zeit vergessen und so liege ich dann doch noch zu einer angemessenen Zeit im Bett.

Im übrigen - meine Kontaktmail ist:

j.roegler@jims.cam.ac.uk

Sonntag, 21.09.2003

Abschied !!!

Nach dem Frühstück packt meine Freundin ihren Koffer und fährt zurück nach Deutschland. Jetzt bin ich also alleine hier. Aber ab morgen bin ich wahrscheinlich so unter Strom, dass die Zeit wie im Flug vergeht.

Heute checke ich erst einmal meine Mails im Internet-Cafe und verabrede mich dann mit einem Kommilitonen, den ich Donnerstag kennen gelernt hatte, auf einen Kaffee.

Er kann den Start auch kaum noch erwarten und so verabreden wir uns auch für den Abend, um noch etwas zu essen und zu trinken.

Am Nachmittag bringe ich erst einmal Ordnung in mein Schreibtisch-Chaos und entdecke alle die Bücher wieder, die ich hätte lesen sollen. Ich packe sie wenigstens aus der Folie aus, damit ich das nicht im Hörsaal machen muss. Wird schon gehen, zum Glück kenne ich die Materie, da ich ja als ersten Studiengang BWL studiert habe.

Ab jetzt wird es ernst, und ich frage mich, ob ich wohl weiterhin so viel Energie für mein Tagebuch haben werde. Aber das ist, ehrlich gesagt, nicht die wichtigste Frage, die ich mir stelle.


Samstag, 20.09.2003

Heute ist die Stimmung nicht so gut, ich vermute, der vorweggenommene Abschied von meiner Freundin morgen macht mich leicht reizbar.

Ich versuche noch einmal, meinen deutschen Fernseher mit einer stärkeren Zimmerantenne in Betrieb zu nehmen, muss aber vor dem nicht kompatiblen System kapitulieren und kaufe mir ein neues Gerät. Ich bin sicher, dass er mir zur Entspannung nach harten Tagen noch gute Dienste leisten wird.

Nachmittags sitzen wir bei herrlicher Abendsonne am Fluss und beobachten angetrunkene Engländer in Unterhose, die von der Promenade ins Wasser springen. Ein vortreffliches Schauspiel!

Am Abend gehen wir dann einmal richtig nett beim Inder essen und anschließend noch in eine Bar, so dass der Tag doch noch sehr versöhnlich ausklingt.

Freitag, 19.09.2003

Nach dem Pub von gestern wird heute erst einmal ausgeschlafen. Mir geht es inzwischen wieder sehr gut, und so ziehen wir erneut in die Stadt, da mein Konto heute fertig sein sollte und ich dann ja auch einen Handyvertrag abschließen will.

Das Konto hat geklappt, mit der Bankbestätigung ziehe ich freudig zum Handyshop weiter, wo man mir nach ausführlicher Beratung einen Vertrag empfiehlt, den ich dann auch gerne abschließen will. Doch hier gerate ich erneut in die Mühlen der englischen Bürokratie - ich benötige einen "proof of address" - allerdings haben die Mobilfunkunternehmen hier sehr enge Kriterien angelegt, die es ausländischen Studenten nicht unbedingt leicht machen. Denn es werden nur 4 Dinge akzeptiert, ein UK-Führerschein (schwierig!), eine Strom-, Gas- oder Wasserrechnung (noch schlechter, wenn man im College wohnt), einen Steuerbescheid (extrem schwierig) oder - voilà! - einen Kontoauszug.

Allerdings darf dieser nicht von der Bank per Hand ausgestellt, gestempelt und unterschrieben sein (das habe ich inzwischen nach 3x hin und her in der Hand), sondern muss zu mir nach Hause geschickt worden sein. Laut Auskunft der Bank wird dies am 18. Oktober passieren.

Auf meine Vorschläge, ein Mietvertrag wäre doch auch nicht schlecht, oder eine Bestätigung des College, in dem ich wohne, werden mir immer wieder die 4 Möglichkeiten aufgezählt. Aber sehr freundlich und bemüht, die Verkäufer. In Deutschland wäre ich Nervensäge sicher längst aus dem Geschäft geworfen worden.

Nun ja, ich werde mich dann wohl für einen Prepaid-Vertrag entscheiden, aber einen Versuch starte ich am Montag noch bei der Bank.

Wenigstens bekomme ich meine College-Card und fühle mich schon ein bisschen mehr wie ein Student.

Donnerstag, 18.09.2003

Heute geht es mir wieder besser, und so kann ich weiter organisieren.

Im IT-Department will ich mich für meinen Uni-Account freischalten lassen, aber ein 18-jähriger Computerfreak erklärt mir, dass dies mindestens eine Woche dauert. Auf meinen Einwand, dass bereits in 4 Tagen mein MBA-Programm beginnt, hat er den überaus hilfreichen Tipp, es gäbe tolle Internet-Cafes in Cambridge. Ruhig bleiben, ich brauche ihn wahrscheinlich noch.


Meine College-Card, mit der ich Zugang zu Bibliothek und Computerraum habe, wird wohl auch erst nächste Woche fertig - ich hätte sie früher beantragen sollen, so die Auskunft, allerdings habe ich die Unterlagen ja erst vorgestern bekommen. Auch die Zugangskarte für die Räume für Graduate Students ist noch nicht fertig - sie wird in der Regel mit der College Card ausgegeben. Alle weiteren Infos finde ich im Internet, allerdings habe ich keinen Zugang zu den Räumen ohne College Card und keinen Zugriff aufs Netzwerk ohne Uni-Account. Auch hier hilft wohl nur ruhig durchatmen und froh sein, dass ich eine Woche vorher angekommen bin.

Immerhin ist der Porter sehr bemüht, aber auch er meint, dass man schon manchmal eine gute Portion Humor braucht.

Am Abend treffen sich die bereits anwesenden MBA's im Pub, wie jeden Donnerstag, und ich lerne die ersten Mitstreiter für das kommende Jahr besser kennen. Nachher fühle ich mich noch besser, denn alle wirken sehr nett, aufgeschlossen und gut gelaunt.

Mittwoch, 17.09.2003

Es war wohl tatsächlich eine kleine Grippe, bis auf einen kleinen Ausflug nach Ely, wo die drittgrößte Kathedrale Englands steht, kriege ich heute nichts organisiert, also kann ich ja mal ein paar grundlegende Dinge zu Cambridge erzählen:

Neben der Universität, die für die Lehre zuständig ist, sind insbesondere die 31 Colleges wichtig. Diese sind das Zentrum des Studentenlebens. Jeder Student ist Mitglied in einem College und bekommt dort (wenn er will) Unterkunft, Essen, Büchereien, Computerzimmer, einen Pub, Sportmöglichkeiten etc. Auch ich habe mich für eine Collegeunterkunft entschieden, ein "Shared Graduate House", also WG mit älteren Studenten. Aber dort kann ich, wie gesagt, erst in 2-3 Wochen einziehen.

In jedem College ist der zentrale Anlaufpunkt der Porter, eine Art netter Hausmeister, der (fast) alle Fragen beantworten kann. Hier hat man auch sein "Pigeon Hole" - ein Brieffach, in dem man immer wieder interessante Infos und seine Post findet.

Cambridge selbst ist eine recht kleine Stadt, ca. 110.000 Einwohner, und wird natürlich durch die Uni dominiert. Dadurch hat man ein sehr interessantes Stadtbild, denn viele der Gebäude sind bis zu 700 Jahre alt. Aber auch die Einwohner sind in der Regel jung und sehr international. Ich denke, hier wird es mir schon ganz gut gefallen.

Dienstag, 16.09.2003

Heute geht es ans Organisieren, wir haben überraschend gut geschlafen und die Sonne lacht. Als erstes stehen Bank, Handy und College Sekretariat auf meiner Liste.

Im Sekretariat bekomme ich die Unterlagen, die eigentlich vor 1 Monat in meiner Post sein sollten. Bevor ich also weitere Fragen stelle, beschließe ich, diese durchzulesen.

Bei der Bank geht alles relativ unkompliziert, allerdings fehlen mir eine Bestätigung, dass ich meine Kursgebühren bezahlt habe, sowie eine englische Handynummer zur Kontaktaufnahme. Kein Problem, denke ich, dann schließe ich eben schnell einen Handyvertrag ab. Dort erfahre ich allerdings, dass ich ein Konto in England brauche - also zurück zur Bank. Am Ende klappt alles, aber ich habe ca. 3 Meilen in den Beinen.

Mittags treffe ich eine zukünftige Kommilitonin zum Essen im Pub, auf mein Trommelfeuer an Fragen hat sie erstaunlich viele Antworten, aber sie lebt auch schon seit 13 Jahren in England.

Gegen Abend fühle ich mich ziemlich schlapp, ich glaube, mich hat eine Grippe erwischt, also ab ins Bett und noch ein paar Aspirin hinterher.

Montag, 15.09.2003

Abfahrt um 8.30 Uhr in Köln - die Fähre ab Calais geht um 14.15 und man weiß ja nie, heute ist der erste Tag nach den Sommerferien in Nordrhein-Westfalen. Aber wir kommen ganz gut durch und sind 1 Stunde vor Abfahrt am Hafen.

Zum Glück habe ich im Internet noch eine gute Website entdeckt, die mir mit der Buchung geholfen hat:

www.ferryconsult.de

Dort ist man auf Fährverbindungen spezialisiert und für 18,- € Gebühr habe ich ein Ticket bekommen, was 145,- € billiger war als das günstigste, was ich gefunden hatte.

Nach der kurzen Überfahrt geht es dann als Geisterfahrer nach Cambridge, aber alle machen mit, und so bleibt es zwar ungewöhnlich, aber ungefährlich.

Am College angekommen, bekomme ich den Zimmerschlüssel für meine temporäre Unterkunft (in 2 Wochen kann ich in mein endgültiges Zimmer, das momentan noch untervermietet ist). Erster kleiner Kulturschock: ca. 8 qm kann ich mein eigen nennen, darin stehen ein Bett, ein Tisch, 2 Stühle und ein Einbauschrank sowie ein Klappbett für meine Freundin. Nachdem wir das Auto leergeräumt haben, bleibt ein knapper Bierdeckel zum Manövrieren. Aber wir sind so müde, dass der Schock sich in Grenzen hält.

Schnell noch ein Snack in der Stadt, und dann ab ins Bett.

Sonntag, 14.09.2003

Hallo liebe Tagebuchleser,

ich bereite mich gerade auf meinen MBA am Judge Institute der University of Cambridge vor, der am 22.09. beginnen wird. Ab heute will ich versuchen, Euch einen kurzen Einblick in das tägliche Leben eines MBA Studenten zu geben.

Ich freue mich über Feedback oder Fragen zu meinen kurzen Berichten, die Ihr bitte an xxx@yyy.com schickt.

Heute ist Packtag, da ich zusammen mit meiner Freundin morgen früh per Auto und Fähre nach England übersetze, um eine Woche Zeit zu haben, mich vor Ort zu organisieren. Gerade haben mich meine Nachbarin für ein wenig verrückt erklärt, da ich mit mehreren leeren Kartons ausprobiert habe, was ich alles mitnehmen kann.

Jetzt stehen die Taschen fertig im Flur und hinterlassen eine Leere im Schrank und etwas Abschiedsschmerz in mir. Aber ich habe alles Wichtige untergekriegt und kann mich jetzt der Pflege meines kleinen Katers widmen, da ich mich gestern noch intensiv von meinen Freunden verabschiedet habe.

Wenigstens hat Eintracht Frankfurt heute seinen ersten Saisonsieg eingefahren, 2:0 in Gladbach.

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