Judo Olympia
Judoka Böhm verpasst Bronze

Mit einem überzeugenden Sieg ist die Athen-Dritte Annett Böhm in das olympische Judoturnier von Peking gestartet.

Die deutschen Judoka haben einen doppelten Erfolg verpasst. Einen Tag nach dem Olympiasieg von Ole Bischof vergab Judoka Annett Böhm in Peking ihre Chance auf den großen Medaillen-Wurf und belegte am Ende nur Platz fünf. "Natürlich bin ich total enttäuscht. Ich wollte unbedingt ins Finale, stand so kurz davor und bin plötzlich ungeduldig geworden. Das war ein bitterer Fehler", sagte die Leipzigerin mit Tränen in den Augen.

Annett Böhm verpasste vier Jahre nach der Bronzemedaille in Athen ihre wohl letzte Möglichkeit auf einen großen Titel - durch einen kurzen Anfall von Übermut. Klar mit Yuko (mittlere Wertung) in Führung liegend, wollte sie ihre Halbfinalgegnerin Anaysi Hernandez aus Kuba "endgültig werfen, statt ruhig zu bleiben." Böhm geriet in einen Konter, landete nach einer "großen Innensichel" (Fußtechnik) nach knapp drei Kampfminuten auf der Schulter und war geschlagen.

Halbfinalniederlage wirkte nach

"Danach war die Spannung weg. Diese Aktion habe ich nicht verdaut", sagte die 28-Jährige. Anschließend verlor sie auch noch den Kampf um Bronze gegen Ronda Rousey (USA). In der 70-kg-Klasse gewann am Ende Masae Ueno die dritte Goldmedaille für Japan gegen Böhms Bezwingerin Hernandez. Bei den Männern triumphierte Irakli Tsirekidze (Georgien) in der Klasse bis 90 kg. Michael Pinske (Berlin) schied in der 1. Runde aus.

Die von Olympiasieger und Mannschaftskollege Bischof übernommene "Schlaf-Taktik" brachte der Diplom-Sportlehrerin Böhm kein Glück. "Ich habe beim Mittagsschlaf versucht, Kraft zu tanken. Stattdessen bin ich immer nervöser geworden", berichtete sie über die dreistündige Pause zwischen Vorkämpfen und Finals, die für sie zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kam. "Annett hatte einen Lauf. Die lange Pause war Gift für sie. So bleibt eben Platz fünf, ein Scheiß-Platz", sagte Bundestrainer Norbert Littkopf.

Kurzauftritt für Michael Pinske

Michael Pinske hatte nur einem Kurzauftritt. Der Berliner verlor seinen ersten Kampf gegen den späteren Bronze-Gewinner Sergej Aschwanden (Schweiz) nach nur fünf Minuten durch zwei Strafpunkte wegen Passivität. "Wenn man auf der olympischen Matte bestehen will, dann muss man einen Siegwillen entfachen, der Berge versetzt. Ole Bischof hat das geschafft, Michael nicht. Man kann verlieren, aber nicht so", ärgerte sich Bundestrainer Frank Wieneke.

In den noch ausstehenden Wettbewerben der Halbschwer- (Donnerstag) und Schwergewichte (Freitag/jeweils ab 6.00 Uhr/Mesz) treten alle vier deutschen Starter mit Medaillen-Hoffnungen auf die Matte. Annett Böhm will dann "alle anfeuern wie verrückt, und dann versuchen, den Rest der Spiele hier trotzdem zu genießen."

© SID

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