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Jürgen Grabowski wird 60: Keine Feier mit WM-KollegenDPA-Datum: 2004-07-07 09:41:21

Frankfurt/Main (dpa) - In der Weltmeister-Elf von 1974 hatte er seinen festen Platz, doch bei der Jubiläums-Party 30 Jahre nach dem Finalsieg gegen die Niederlande wird Jürgen Grabowski fehlen.

Frankfurt/Main (dpa) - In der Weltmeister-Elf von 1974 hatte er seinen festen Platz, doch bei der Jubiläums-Party 30 Jahre nach dem Finalsieg gegen die Niederlande wird Jürgen Grabowski fehlen.

Während sich die WM-Helden von einst in München zu einer großen Wiedersehensfeier treffen, begeht der einstige Dribbelkünstler von Eintracht Frankfurt seinen 60. Geburtstag in Biebrich im kleinen Kreis. «Das tut natürlich ein bisschen weh, aber die Familie hat Vorrang», sagte Grabowski der dpa.

Der begnadete Techniker aus Hessen bleibt sich auch an seinem Ehrentag treu, denn das Rampenlicht sucht Grabowski schon lange nicht mehr. Seit er vor zwölf Jahren im Unfrieden aus dem Verwaltungsrat der Frankfurter Eintracht ausschied, ist es ruhig um den Jubilar geworden. Mit seiner Frau betreibt der ehemalige Offensivspieler, der sowohl im Mittelfeld als auch im Angriff eine gute Figur abgab, eine kleine Versicherungsagentur. In der Freizeit ist er fast immer auf dem Golfplatz anzutreffen. Das Spiel mit den kleinen Bällen (Handicap 5,6) ist zur neuen Leidenschaft geworden, nachdem Grabowski dem Fußball im Alter von 53 Jahren endgültig adieu gesagt hat.

Erst als Grabowski im Vorjahr die Funktion des WM-Botschafters für Frankfurt annahm, tauchte er wieder öfter in der Öffentlichkeit auf. Seither ist auch das Kriegsbeil mit seinem früheren Vereinskollegen Bernd Hölzenbein begraben. «Ich war viele Jahre sauer auf ihn, weil ich immer der Ansicht war, dass nicht ich ihm, sondern er mir etwas getan hatte. Er hat sich dann bei mir entschuldigt, und ich habe das akzeptiert», berichtete Grabowski von der Versöhnung.

Mit den Kollegen aus der WM-Elf von 1974 hat der 44-malige Nationalspieler ansonsten nur noch losen Kontakt. «Man telefoniert hin und wieder mal, aber auf die Distanz ist es weniger geworden», berichtet Grabowski. Kein Wunder, hat sich der wohl berühmteste Frankfurter Fußballer angesichts der damaligen Dominanz von Spielern aus München und Mönchengladbach doch nie als vollwertiger Teil der Mannschaft gesehen. «Ich hatte während des Spiels häufig das Gefühl, als gehörte ich gar nicht dazu», lautet ein früheres Grabowski-Zitat.

Angesichts des zwiespältigen Verhältnisses zur Nationalmannschaft überraschte sein Rücktritt direkt nach dem WM-Sieg kaum. Im Verein, für den er in 15 Jahren 441 Bundesliga-Spiele bestritt, blühte er danach noch einmal auf. «Ich habe mich bei der Eintracht immer wohl gefühlt», sagte Grabowski, der seine Karriere nach dem UEFA-Cup-Sieg 1980 beendete.

Der größte Tag seines sportlichen Lebens bleibt aber der 7. Juli 1974. «Als Zehnjähriger habe ich 1954 den WM-Sieg vor dem Radioladen stehend verfolgt und davon geträumt, dies auch einmal zu schaffen. Wenn man dann an seinem 30. Geburtstag im Finale steht und dieses auch noch gewinnt, ist das nicht zu toppen. Es war das großartigste Erlebnis», sagte Grabowski.

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