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Jürgen Hubbert - Der Bolide

Jürgen Hubbert ist im DaimlerChrysler-Konzern der Geldbringer: Er leitet die Marken Mercedes-Benz und Smart. Hubberts Verhältnis zu Daimler-Vorstandschef Jürgen Schrempp beschreiben Vertraute als eine Mischung aus kritischer Loyalität und heimlicher Rivalität.

Ausgangslage: Hubbert will im Verbund mit Ferrari, Jaguar, BMW und Renault das Kommando über die Formel 1 übernehmen. Die KirchGruppe hält 75 Prozent an der SLEC-Holding, die die Vermarktungsrechte an der Rennserie besitzt.
Für diese Rechte hatte Kirch im vergangenen Jahr in einem komplizierten Deal insgesamt 1,5 Milliarden Dollar an den Formel-1-Paten Bernie Ecclestone und an das Medienunternehmen EM.TV hingeblättert. Die Anteile von Kirch sind vor allem an die Bayerische Landesbank verpfändet - können also ohne deren Zustimmung nicht verkauft werden.

Leo Kirch hat mit seinem Formel-1-Engagement zwei Probleme: Zum einen hat sich Alt- und Resteigentümer Bernie Ecclestone weit gehende Mitspracherechte gesichert; ohne seine Zustimmung geht bei der Vermarktung des lukrativen Kreisverkehrs rein gar nichts. Und zum zweiten läuft der Rahmenvertrag, der die Automobilhersteller an Ecclestones SLEC bindet, mit dem Ende der Saison 2007 aus. Hubbert ist überzeugt: "Ohne die Hersteller wäre die Formel 1 eine Kirmesveranstaltung" - für Kirch also wertlos. Die Hersteller lassen Kirch zappeln: "Aktuell gibt es keinen Grund für Gespräche", ließ Hubbert vergangene Woche verlauten.
Ziele Die Formel-1-Teams tragen den Löwenanteil der Kosten, erhalten aber gerade mal 43 Prozent der Erlöse aus dem Rennzirkus; den Rest kassieren Ecclestone, Kirch und der Weltmotorsportverband FIA. Außerdem fürchten die Autobauer, dass Kirch oder ein möglicher Premiere-Käufer die Formel 1 eines Tages im Bezahlfernsehen verschwinden lassen könnte. Dort würden die Rennen dramatisch an Zuschauerreichweite verlieren und damit an Attraktivität für die Sponsoren, auf deren Gelder die Rennställe angewiesen sind.

Das Ziel von Mercedes, Ferrari & Co. ist klar: Sie wollen den Einfluss von Leo Kirch und Bernie Ecclestone auf die Formel 1 so weit wie möglich ausschalten. Darum drohen sie für die Zeit nach Auslaufen des SLEC-Vertrags mit einer eigenen Rennserie namens Grand Prix World Championship (GPWC). Jürgen Hubbert ist Vorstandsmitglied der GPWC-Holding und treibende Kraft im Kampf gegen Kirch. Unterstützt wird er dabei von der Deutschen Bank, Anteilseigner von DaimlerChrysler und Gläubiger von Kirch.
Chancen Hubbert und seine Mitstreiter sehen sich in einer recht komfortablen Situation: Entweder räumen ihnen Ecclestone und Kirch erheblich mehr Mitspracherechte und Gewinnanteile ein, oder man geht mit der eigenen Rennserie an den Start. Und Hubbert selbst könnte mit einer solchen Serie endlich ein wenig aus dem Schatten des Rivalen Jürgen Schrempp treten.


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