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Jürgen Schrempp: Automanager als Reizfigur

Deutschlands mächtigster Automanager lässt niemanden kalt: Jürgen Schrempp, der den behäbigen schwäbischen Autokonzern Daimler-Benz in die harte Welt der globalen Konzerne geführt hat, ist eine der Reizfiguren unter den internationalen Top- Managern. Heute am 15. September wird der Daimlerchrysler-Vorstandschef 60 Jahre alt.

dpa STUTTGART. Deutschlands mächtigster Automanager lässt niemanden kalt: Jürgen Schrempp, der den behäbigen schwäbischen Autokonzern Daimler-Benz in die harte Welt der globalen Konzerne geführt hat, ist eine der Reizfiguren unter den internationalen Top- Managern. Heute am 15. September wird der Daimlerchrysler-Vorstandschef 60 Jahre alt.

Schrempp weiß selber, dass er polarisiert und er steht dazu: "Nie grau - immer schwarz oder weiß", sagte der früher eher hemdsärmelige Manager selber mal über sein Wesen. "Rambo" wurde er deshalb von aufgebrachten Arbeitnehmern genannt, doch das ist einige Jahre her. Heute hat der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker, der einen der größten Automobilkonzerne der Welt führt, ein sorgsam gepflegtes Verhältnis zu den Mitarbeitern, vor allem zu IG-Metall-Funktionär und Betriebsratschef Erich Klemm. Dieser stützt mit der Arbeitgeberbank im Aufsichtsrat den Schrempp-Kurs der Globalisierung der Autokonzerns, der nach anfänglicher Begeisterung von Teilen der Aktionäre seit Jahren sehr kritisch bewertet wird. Denn die Börse hat Schrempps Kurs bislang nicht goutiert.

Bei der Zerreißprobe um den umstrittenen Sparkurs bei Mercedes Benz - in Sindelfingen nutzte Schrempp seine Kontakte zu Klemm im Hintergrund, um schließlich am 23. Juli die Einigung über jährlich 500 Mill. ? Einsparungen bei den Arbeitskosten verbunden mit einer Jobgarantie bis Anfang 2012 zu verkünden. Dieses Ergebnis, ein gutes Halbjahresgewinn und die relativ geräuschlose Neubesetzung des Mercedes-Benz-Chefpostens durch seinen Vertrauten Eckhard Cordes bescherten Schrempp positive Schlagzeilen, ein in jüngster Zeit durchaus seltenes Ereignis für den gebürtigen Freiburger.

Denn als der Aufsichtsrat den 2005 auslaufenden Vertrag des Vorstandschefs Anfang Anfang 2004 vorzeitig für drei Jahre verlängerte, murrten viele Aktionäre auf der Hauptversammlung vernehmlich. Auch die stark gestiegenen Managergehälter in Deutschlands größtem Konzern und die Weigerung des Daimlerchrysler - Aufsichtsratschefs Hilmar Kopper, die Vorstandsbezüge individuell auszuweisen sowie die Probleme bei Mitsubishi Motors in Japan sorgten für die bislang vehementeste Kritik am obersten Daimlerchrysler - Manager.

Als Schrempp am 23. April bei der schwer angeschlagenen Beteiligung Mitsubishi Motors die Reißleine zog und sich von der Idee der Welt-AG verabschiedete, gab es die vielleicht größte Krise im Managerleben Schrempps. Denn der Vorstand war zerstritten und Schrempps Stuhl schien zu wackeln. Doch der bis dato unangefochtene Daimlerchrysler-Boss bewies seine bekannten Kämpferqualitäten: Wenige Tage später wurde er vom Aufsichtsrat gestützt, dafür flog Kritiker Wolfgang Bernhard aus dem Vorstand. Und Schrempp erklärte umgehend China zum neuen Mittelpunkt seiner Asien-Strategie.

Diese Schnelligkeit und sein Durchsetzungsvermögen zeichnet nach Ansicht von Managern aus der Stuttgarter Zentrale Schrempp aus. Kritiker werfen ihm vor, dabei manchmal die sorgfältige Prüfung zu vernachlässigen und erinnern an die beiden im Endeffekt milliardenschwer gescheiterten Übernahmen des niederländischen Flugzeugbauers Fokker in den 90er Jahren und eben von Mitsubishi.

Jürgen Schrempp ist ein klassisches "Daimler-Gewächs". Nach seiner Lehre in der Freiburger Mercedes-Benz-Niederlassung studierte er Maschinenbau und ging danach in die Zentrale der Daimler-Benz in Stuttgart. Nach vielen Stationen im In- und Ausland, darunter als Chef der damaligen Daimler-Benz Aerospace (Dasa), wurde er 1995 Vorstandschef bei Daimler-Benz. Schrempp sanierte den damals stark angeschlagenen Konzern, verkaufte fast alles, was nicht zum Autogeschäft gehörte und schaffte kurz darauf die Ertragswende. Sein Meisterstück sollte die Fusion mit dem US-Autobauer Chrysler im Jahr 1998 sein. Doch erst heute - deutlich später als zunächst erwartet - scheint Chrysler auf dem richtigen Weg zu sein.

Der Vater einer kleinen Tochter und von zwei erwachsenen Söhnen engagiert sich aktiv unter anderm in der Childhood Foundation und steht an der Spitze der "Global Business Coalition on HIV/Aids". Seine große Liebe gehört dem Land Südafrika, wo er lange erfolgreich als sozial engagierter Manager tätig war und zum persönlichen Freund Nelson Mandelas wurde. Ob Schrempp erst nach Ablauf seines Vertrages im Jahr 2008 häufiger Zeit für seine dortige Farm findet oder ob er schon früher den Chefsessel in Stuttgart verlässt, zählt schon heute zu den Lieblingspekulationen der Wirtschaftsmedien.

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