Jürgen Sengera plant Abbau von 1500 Stellen – Gewinnrückgang erwartet
Neuer Chef der WestLB will die Produktivität erhöhen

Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) will sich als Großkundenbank profilieren. Zudem plant sie Kosteneinschnitte, um sich auf den Wegfall der staatlichen Bankgarantien vorzubereiten. Dies sagte der neue WestLB-Vorstandsvorsitzende, Jürgen Sengera, bei einer Managementsitzung in London. Dort gab er erstmals Details zur künftigen Struktur der viertgrößten deutschen Bank bekannt.

cd LONDON. "Unser Hauptziel ist es, nach dem Wegfall der Staatsgarantien im Jahr 2005 ein gutes Rating zu erzielen", erklärte Sengera. "Ansonsten müssten wir ungewollt Geschäft abgeben." Um dies zu verhindern, strebt die neue WestLB AG eine Bewertung ohne Garantien durch die Ratingagenturen von AA- an, zwei Stufen schlechter als das derzeitige AA+. Benchmark sei damit eine Ratingeinstufung, mit der weltweit rund 60 Banken agierten. Sein Ziel will Sengera zweistufig umsetzen. Zunächst sollen bis Ende 2002 die Kosten deutlich gesenkt werden, "bevor wir die Bank ab Sommer 2002 strategisch neu positionieren".

Zunächst hat das Management den 13 Geschäftsbereichen der Bank vier Klassen zugeordnet: Ausbauen, Halten, Überprüfen und Abbauen. Ausgebaut werden sollen laut Sengera die Bereiche Spezialfinanzierung und Beteiligung. Gehalten werden soll der Handel. Allerdings müsse "der Bereich effizienter werden", sagte Sengera. "Tabulos überprüft" würden das Asset Management und die Beteiligung an den Landesbanken in Kiel und Mainz sowie der Immobilienbereich.

Da sich die Düsseldorfer auf Großkunden mit mindestens 100 Mill. DM beschränken wollen, geben sie das bisherige Geschäft mit vermögenden Privatkunden ab. Deshalb soll auch die französische Bank d?Dorsay verkauft werden. Ebenfalls trennen will sich die Bank von der Landesbausparkasse (LBS), der Wertpapierabwicklungsbank WPS und gegebenenfalls den Beteiligungen an den Provinzialversicherern.

Sengera erwartet, dass die LBS an den rheinischen und westfälisch-lippischen Sparkassenverband verkauft wird. "Das ist ein alter Wunsch der Sparkassen." Interesse signalisiert hätten die Sparkassen auch an der WPS und den Provinzialbeteiligungen.

Während des Umbaus bis 2005 will die WestLB rund 1 500 ihrer 11 390 Stellen streichen, die Eigenkapitalrendite von 11,4 auf 18 % steigern und die Kosten-Ertrags-Relation von 77 auf 65 % verbessern. Und der Neuber-Nachfolger drängt auf Erfolge. Bis Ende nächsten Jahres sollen die Ziele bereits zu 50 bis 70 % erfüllt werden.

Sengera ist überzeugt, dass das so genannte Mutter-Tochter-Modell die optimale Struktur für die WestLB bietet. Demnach wird die WestLB in eine Landesbank NRW und eine WestLB AG geteilt. Derzeit warten die Bankeigentümer auf grünes Licht aus Brüssel.

Die WestLB benötigt nach Sengeras Worten eine Eigenkapitalspritze: "Die Muttergesellschaft wird durch die Ausgabe von emittierten Inhaber-Schuldverschreibungen 2 Mrd. Euro aufnehmen und der Tochter gegen Verzinsung zur Verfügung stellen", erklärte Sengera. Doch auch diese Eigenkapitaldecke reiche für die Aufrechterhaltung und den Ausbau des WestLB-Geschäfts nicht aus. "Deshalb werden wir unsere Eigentümer in 2002 um eine Eigenkapitalerhöhung von 1,25 Mrd. Euro bitten", erklärte Sengera. Darüber habe der WestLB-Vorstand die Eigentümer bereits infomiert. "Sie sehen die Notwendigkeit." Geklärt werden müssten noch die Konditionen, doch die seien attraktiv. Den derzeitigen Wert der WestLB bezifferte Sengera auf 10,1 Mrd. Euro.

Sengera erwartet, dass sich mittelfristig neue Gesellschaften an der WestLB AG beteiligen werden. In der WestLB-Tochter könnten Dritte sehr viel einfacher strategische Entscheidungen beeinflussen als in der viel gelobten bayerischen Finanzholding: "Bei der Bayerischen Landesbank ändert sich praktisch nichts", sagte Sengera. Langfristig kann sich der WestLB-Chef vorstellen, dass die öffentliche WestLB-Mutter "irgendwann weniger als die Hälfte der Anteile an der Tochterbank halten wird". Die Beteiligung Dritter werde aber frühestens im Jahr 2005 ein Thema.

Die die mit dem damit verbundenen Umbauprozess verbundenen Kosten wirken sich negativ auf das diesjährige WestLB-Ergebnis aus. "Das Vorjahresergebnis werden wir wegen der Restrukturierung und dem schlechten Marktumfeld nicht halten", räumte Sengera ein. Im Vorjahr hatte die WestLB ein Ergebnis vor Steuern von 728 Mill. Euro erzielt.

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