Jugoslawien-Wahl
Porträt: Nikolic, der "einzig wahre Patriot"

afp BELGRAD. Als «einziger Kandidat der wahren Patrioten» sieht sich Tomislav Nikolic von der ultra-nationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS). Mit diesem Motto bemüht sich der stellvertretende jugoslawische Ministerpräsident vor der Präsidentschaftswahl am Sonntag um eigenes Profil. Denn im Parlament bildet die SRS eine Koalition mit den Sozialisten (SPS) von Präsident Slobodan Milosevic und der Partei der jugoslawischen Linken (JUL) von Milosevics Frau Mira Markovic. Um sich von seinen Koalitionspartnern abzusetzen, sprach Nikolic kürzlich von einem «großen Konflikt mit der Linken». Während seiner Kampagne setzte der 48-Jährige - der aus Protest gegen den Einsatz der KFOR-Friedenstruppen im Kosovo als serbischer Vize-Regierungschef zurückgetreten war, um später auf Betreiben seiner Partei den gleichen Posten auf jugoslawischer Ebene zu übernehmen - ganz auf die vaterländischen Gefühle seiner Mitbürger.

Um einen eigenen Stil bemüht sich der frühere Jurastudent auch im Vergleich zum Vorsitzenden seiner Partei, Vojislav Seselj. Während Seselj in seinen Reden gerne brüllt und geifert, setzt Nikolic auf ruhig vorgetragene Argumente. Innerhalb der SRS, die er vor neun Jahren zusammen mit Seselj gründete, und auch von seinen politischen Gegnern wird er wegen seiner Kompetenz geschätzt. Inhaltlich kann von einer Distanz zu Seselj allerdings keine Rede sein; Nikolic vertritt diegleichen ultra-nationalistischen Positionen wie sein Parteichef. Dieser lobt Nikolic denn auch als den einzigen Kandidaten, der über die «Integrität und den Patriotismus verfügt, die für das Amt des Präsidenten notwendig sind». Die Mehrzahl der Wähler sieht das allerdings anders; Meinungsumfragen räumen Nikolic beim Rennen um das Präsidentenamt gerade mal vier Prozent der Stimmen ein.

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