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Jugoslawischer Außenminister besucht Albright in USA

Reuters WASHINGTON. Zu seinem Antrittsbesuch reist der neue jugoslawische Außenminister Goran Svilanovic am Donnerstag in die USA. Dieser erste Ministerbesuch aus Belgrad nach dem Ende des Kosovo-Kriegs markiere zugleich das Ende einer Ära und bedeute viel für den Aufbau der künftigen Struktur Europas, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums. Im Zentrum der Begegnung des Reformers und Menschenrechtlers Svilanovic mit US-Außenministerin Madeleine Albright stehen politische und wirtschaftliche Fragen. Die USA drängen auf Freilassung der politischen Gefangenen in Serbien und den Beginn eines Verfahrens gegen Ex-Präsident Slobodan Milosevic. Jugoslawien hofft auf die Freigabe blockierter US-Hilfen.

1999 hatten sich die USA maßgeblich am Kriegseinsatz gegen Jugoslawien und den 78 Tage währenden Luftangriffen beteiligt. Albright hatte die Luftangriffe als notwendig bezeichnet, um die Verfolgung der Albaner in der südserbischen Provinz Kosovo zu unterbinden. Die Ablösung des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic durch den Reformer Vojislav Kostunica nach einem Volksaufstand und die Wahl eines von den Reform-Kräften um Kostunica dominierten Parlaments in der Serbischen Republik brachte Jugoslawien die Chance für eine Rückkehr in die internationale Gemeinschaft und zugleich für eine Normalisierung der Beziehungen zu den USA.

Das Treffen mit Albright fällt in die Phase des Regierungswechsels in den USA. Ein Treffen mit dem künftigen Außenminister, Ex-Generalstabschef Colin Powell, ist nicht vorgesehen, doch will Svilanovic während seines USA-Besuchs auch mit Vertretern der künftigen konservativen Regierung sprechen. Powell hat bereits angekündigt, das künftige militärische Engagement der USA in Europa einer gründlichen Revision unterziehen zu wollen. Derzeit beteiligen sich amerikanische Soldaten an der Friedenssicherung der KFOR im Kosovo.

Für Jugoslawien geht es bei dem Besuch um Geld: Die USA haben die Freigabe der für 2001 für die Republik Serbien eingeplanten Hilfen im Umfang von 100 Mill. $ von politischen Veränderungen und demokratischem Wohlverhalten in Jugoslawien abhängig gemacht. Zu den ungelösten Fragen gehört das Schicksal der nach Serbien verschleppten albanischen Gefangenen sowie die Verfolgung von Kriegsverbrechern. Ex- Präsident Milosevic wird vom Haager Kriegsverbrechertribunal wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gesucht. Die USA haben jedoch erkennen lassen, dass sie die Auslieferung Milosevics nicht als vordringlich ansehen, sondern im Prinzip bereit sind, auch einen Prozess gegen Milosevic in dessen Heimat zu akzeptieren, wenn dieser mit dem Tribunal abgestimmt wird.

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