Julius Bär und Deutsche Bank wollen Lizenzen beantragen: Dubai plant Finanzplatz mit null Prozent Steuern

Julius Bär und Deutsche Bank wollen Lizenzen beantragen
Dubai plant Finanzplatz mit null Prozent Steuern

"Im mittleren Osten und auf dem indischen Sub-Kontinent nimmt die Zahl sehr vermögender Privatkunden zu. Das macht die Region für uns sehr attraktiv", sagt Michael Bär, Co-Head des Private Banking beim Bankhaus Julius Bär.

DUBAI.Deshalb gehört das Bankhaus neben der Deutschen Bank zu den ersten Finanzhäusern, die bereits angekündigt haben, sich um eine Lizenz für das Dubai International Financial Centre (DIFC) zu bewerben.

Der Kronprinz von Dubai, Sheikh Mohammed Bin Rashid Al Maktoum will in den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), mit dem DIFC einen internationalen Finanzplatz etablieren. Bereits 2006 soll der Jahresumsatz im DIFC vier Mrd. Euro übersteigen. "Unser Ziel ist die Ansiedlung der 200 führenden Finanzinstitute", sagt James Hume, Senior Vice President des DIFC-Planungskommittees. "Die VAE zeichnen sich durch hohe politische Stabilität und eine große Professionalität im Geschäftsleben aus. Die rechtlichen Bedingungen machen die Region noch interessanter", sagt Bär.

Im DIFC soll internationales Recht gelten. Es locken Null Prozent Steuern. Ein eigenes Arbeitsrecht soll Unternehmen von der Vorschrift befreien, für jeden Ausländer einen Emirati einzustellen. Die Regulierungsvorschriften werden eine Komposition aus den Regeln etablierter Finanzzentren sein, über ihre Einhaltung wacht eine Behörde unter der Leitung des einstigen Lloyds-Vorstands und Geschäftsführers der Börsenaufsicht in Hongkong, Ian Hay Davison.

Wie bei früheren Großprojekten beispielsweise der Schaffung zahlreicher Freihandelszonen hat Sheikh Mohammed die Zeichen der Zeit erkannt: Arabische Investoren suchen nach Anlagealternativen, nachdem sie einen Teil ihres Vermögens aus den USA abgezogen haben. Noch können die Araber nur begrenzt in ihrer Heimat investieren. 45 Prozent ihres Vermögens sind im Ausland investiert, 35 Prozent liegen auf Geldmarktkonten. An den jungen Börsen Abu Dhabi und Dubai sind nur knapp 40 Unternehmen gelistet. "Wenn vor Ort Möglichkeiten bestehen, zu investieren, werden die Einheimischen dies tun", gibt sich Hume optimistisch. "Unser Einzugsgebiet reicht vom Sudan bis Kasachstan und Indien", sagt Hume - ein Kundenpotenzial von 1,6 Mrd. Menschen mit einer Wertschöpfung von 1,1 Billionen Dollar im Jahr. Insbesondere wohlhabende Inder will Hume anlocken.

Das DIFC baut auf fünf Säulen auf: Asset Management, Islamic Finance, (Rück-)Versicherungen, einer regionalen Börse sowie technischen Abwicklungsdiensten. Gerade in den Bereichen Rück- und Kapitalversicherung sehen Experten Nachholbedarf. Auch bei islamischen Geldanlagen ist der Optimismus groß. "Viele Araber würden ihr Geld sofort islamisch anlegen, wenn mehr Angebot da wäre", sagt ein lokaler Aktienhändler.

Die Bauarbeiten für das DIFC haben begonnen, die Rechtsvorschriften sind aber noch nicht verabschiedet. Spätestens zum Treffen von Weltbank und IWF im September in Dubai soll das Konzept stehen. Dass das DIFC ein Erfolg wird, wird in der Region kaum bezweifelt. "Ein an internationales Recht angelehnter Rechtsraum, großes Geschäftspotenzial in der Region, eine moderne Infrastruktur, ein attraktives Steuerumfeld und günstige Kostenstrukturen werden viele Institute zum Anlass nehmen, über die Eröffnung einer Niederlassung im DIFC nachzudenken", meint Rainer Tamschick, Leiter der WestLB-Repräsentanz in Dubai.

Nur für die Börse, die im DIFC entstehen soll, sind Beobachter skeptisch. "Es wird lange dauern, bis der Handel wettbewerbsfähig wird", sagt ein kanadischer Investmentbanker, der seit Jahren in Dubai lebt. Dass internationale Blue-Chips gelistet werden, glaubt er nicht. Dafür könnten aber 300 bis 400 arabische Unternehmen bald an die geplante neue Börse gehen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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