Jumbo-Pfandbrief durch Konsortialführer ein Erfolg
Hypobank gewinnt Investoren zurück

Die Konsortialführer des neuen Jumbo-Pfandbriefs der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) haben es unter anderem durch zahlreiche Gespräche mit Investoren geschafft, das Papier gut zu platzieren. Das war alles andere als leicht, denn die AHBR galt im Markt lange als ungeliebtes Kind.

HB FRANKFURT/M. Die Freude der Banken, die das Mandat für die Platzierung des Jumbo-Pfandbriefs der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) ergattert hatten, war nicht ungetrübt. "Wir sind schon mit leichten Bauchschmerzen in die Transaktion gegangen, weil wir nicht wussten, wie die Investoren reagieren würden", sagt Ralf Buschmann, Managing Director bei der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank teilte sich das Mandat mit Dresdner Kleinwort Wasserstein und der Hypo-Vereinsbank (HVB).

Pfandbriefe sind mit Staatskrediten oder Hypotheken besicherte verzinsliche Wertpapiere. Als Jumbos gelten sie ab einem Volumen von 500 Mill. Euro. Dass die Emission des Hypotheken-Jumbos der AHBR nicht ganz leicht werden würde, war den Beteiligten von vornherein klar. Um so froher, waren alle darüber, dass die Transaktion schließlich erfolgreich über die Bühne ging. Die Auftragsbücher füllten sich wesentlich schneller als erhofft, und der überzeichnete Jumbo über 1,25 Mrd. Euro mit dreijähriger Laufzeit konnte wegen der großen Nachfrage sogar früher begeben werden als geplant.

Vorangegangen war ein Kraftakt der Konsortialführer und der AHBR. Vom 16. August bis zum 4. September dauerte die Roadshow für die Emission. "Dabei war die AHBR sehr offen und hat keinen Hehl daraus gemacht, dass es einiges zu erklären gab", sagt Matthias Wittenburg, Syndikatschef für Bondemissionen bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt. Fragen kamen unter anderem zum schlechten Jahresergebnis der AHBR und dazu, dass das Institut für seine Hypothekenpfandbriefe von Moody?s das niedrigste Rating am Markt hat.

Hypobank als "opportunistischer Emittent"


Dazu kam, dass die Hypothekenbank den Ruf hatte, "ein "opportunistischer Emittent" zu sein, wie der für den Kapitalmarktauftritt der AHBR zuständige Wolfgang Bledau, selbst zugab. Dementsprechend ungeliebt war die AHBR - einer der ganz großen Pfandbrief-Emittenten - bei Investoren. Bei opportunistischen Deals werden Emissionen ohne große Rücksprache mit potenziellen Investoren in den Markt gedrückt. Die Konsortialführer nehmen einen Teil der Emission in die eigenen Bücher und versuchen, die Papiere später nach und nach zu platzieren. Das ist für die Banken zwar ein riskantes Geschäft, viele ließen sich in der Vergangenheit aber darauf ein, um Punkte für die wichtigen Rennlisten der führenden Lead Manager zu gewinnen.

Karl-Heinz Priester war der Marktauftritt der AHBR schon lange ein Dorn im Auge. "Die AHBR hat mit dem opportunistisch empfundenen Verhalten auch sich selbst geschadet", sagt der Managing Director bei der Hypo-Vereinsbank. Durch die Emission sei das Verhältnis der HVB zur AHBR aber "wieder sehr gut". Die AHBR habe gezeigt, dass sie es mit der Rückbesinnung auf die Investoren ernst meine. "An den früheren opportunistischen Emissionen waren wir zum Teil beteiligt", gibt Deutsche-Bank-Mann Buschmann zu. "Einige Male haben wir aber auch abgelehnt." Da die Deutsche - wie auch die Dresdner - schon lange zu den Hausbanken der AHBR zählt, habe man mitunter einen Spagat machen müssen, um die Geschäftsbeziehungen zu pflegen, sagt er. Nur des Mandats willen habe sich die Dresdner nicht auf solche Deals eingelassen, stellt auch Wittenburg klar.

Das viel bessere Verfahren für Neuemissionen ist für alle drei Konsortialführer das Pot-Verfahren, das sie auch bei dem Jumbo der AHBR nutzten. Dabei gibt es neben den Konsortialführern noch diverse Co-Lead-Manager. Lead-Manager und Emittent sehen die Auftragsbücher ein und wissen so, welcher Investor zu welchem Preis zeichnen möchte. "So konnten wir den Deal genau an den Wünschen der Investoren ausrichten", sagt Buschmann. Für Wittenburg hat die Transaktion gezeigt, dass "das Pot-Verfahren auch für den Emittenten das beste Mittel ist."

"Kein Sprint, sondern ein Marathon"


Unter den Hypothekenbanken haben als erste die HVB Real Estate - unter anderem mit Hilfe der Deutschen Bank und die Depfa - mit Hilfe von Dresdner Kleinwort Wasserstein - Jumbos im Pot-Verfahren begeben. Bei neuen Bonds von Unternehmen und staatsnahen Institutionen gilt das Pot-System als Standard.

Die AHBR hat bereits erklärt, dass sie auch künftig häufiger Emissionen im Pot begeben will. Opportunistisch werde sie nicht mehr agieren. Das darf sie auch nicht, wenn sie zeigen will, dass sie das neu gewonnene Vertrauen verdient hat. "Von Anfang an war uns allen klar: Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon", sagt Buschmann. Die erste erfolgreiche Transaktion könne nur der Anfang sein, um den Ruf der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden nachhaltig zu verbessern. Ihre geplante Neuausrichtung machte die AHBR am Freitag auch mit Personalentscheidungen deutlich: Der Aufsichtsrat beschloss, den Vorstand zu verkleinern.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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