Junge Tschechen sehen den EU-Beitritt überwiegend positiv
„Endlich im Ausland studieren“

Der Prager Student Jan wird beim Gedanken an die EU-Erweiterung am 1. Mai ziemlich einsilbig. "Keine Ahnung", lautet die lakonische Antwort des 21-Jährigen, wenn er nach den Veränderungen in Tschechien während der Vorbereitungsphase zum Beitritt gefragt wird. "Schau?n wir mal", setzt Jan hinzu, wenn die Zukunftsperspektiven seines Landes als EU-Mitglied zur Debatte stehen.

PRAG. Soweit die größte Erweiterung der Union in ihrer Geschichte den jungen Tschechen nicht völlig egal ist, reagieren sie - wie andere Altersgruppen auch - recht unterschiedlich auf den Beitritt. Nur in einem Punkt sind sich alle einig: Seit dem Referendum vom vergangenen Sommer sehen die meisten jungen Leute den EU-Beitritt im Wortsinn als beschlossene Sache an.

Wie ein roter Faden zieht sich allerdings die Hoffnung durch ihre Reaktionen, künftig leichter in andere europäische Länder reisen und vor allem im Ausland studieren zu können. "Ich kann es nicht abwarten, bis wir endlich EU-Mitglied sind, damit ich dieses vermiefte Land zum Studium verlassen kann", drückt es die Oberschülerin Magdalena drastisch aus. Sie ist gerade vom Sprachaustausch in Rom für einige Tage Familienurlaub zurückgekommen. Die Abiturientin Marie hat nur eine Befürchtung: Dass wegen der großen Zahl der neuen EU-Länder Stipendien schwerer zu ergattern sein könnten als bisher. Eine Ausbildung in Westeuropa können nur die Eltern aus der schmalen Schicht der Privatisierungsgewinner ihren Kindern finanzieren.

Marie war vor kurzem mit ihrer Klasse in Brüssel, bezahlt aus Mitteln des Programms "Tschechien und die EU kommen sich näher". "Wir sehen den Beitritt eher positiv", berichtet sie von den Gesprächen mit Schulkameraden und der Familie. "Wir sind jung. Vielleicht haben wir weniger Angst als die älteren Leute, die noch den Kommunismus erlebt haben."

Skepsis gibt es jedoch auch in der jüngeren Generation wegen der befürchteten Preiserhöhungen. Und die 21-jährige Adela fürchtet im Land Kafkas vor allem die Zunahme der ohnehin krakenhaften Bürokratie: "Jede Empfehlung der EU wird von unserem Parlament gründlich umgesetzt - egal, ob es unter unseren Bedingungen Sinn macht oder nicht. Freunde von mir verwalten ein Jugendheim in den Bergen. Die Vorschriften für die Sanitär-Einrichtung sind unerfüllbar."

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