Junge Unternehmer und das deutsche Arbeitsrecht
Hindernisse statt Freiräume

Er wird oft genannt, hoch gelobt und kaum unterstützt - der junge Unternehmer in Deutschland. Er sei, so heißt es, Träger der Innovationen, schafft Arbeitsplätzen und ist insgesamt Motor der Wirtschaft. Doch leicht macht es ihm der Staat nicht. Gründet einer dieser Hoffnungsträger ein Unternehmen, so hat er allein durch das geltende Arbeitsrecht einige recht steile Hürden zu nehmen.

Vor allem in der IT-Branche tendieren kleinere Unternehmen dazu, Arbeiten durch Freelancer erledigen zu lassen, um Fixkosten und Verwaltungsaufwand zu sparen. Leider dauern gerade in der Softwareindustrie die Projekte relativ lange, so dass diese Freelancer oft über mehr als ein Jahr nur für einen Auftraggeber arbeiten. Ein klassischer Fall von Scheinselbständigkeit, will man der Gesetzgebung glauben - zum Schaden aller Beteiligten.

Leider ist es auch kein Ausweg, ein Projekt in mehrere kleinere Aufträge aufzuspalten und an den bewährten Freelancer zu vergeben, denn das wäre ja ein Kettenarbeitsverhältnis. Also doch einen festen Arbeitsvertrag? Doch hier läuft ein junges Unternehmen schon in die nächste Falle. Gerade am Anfang müssen sich ja wenige Leute um viele Aufgaben kümmern. Und da wird es schwer, sich an normalen Arbeitszeiten zu orientieren - Problem Nummer eins. Geht der Geschäftsplan nicht auf, so steht man schnell vor Problem Nummer zwei: Die soziale Absicherung der Arbeitnehmer macht es nicht leicht, sich von Mitarbeitern zu trennen. Besonders für kleinere Unternehmen kann ein Rechtsstreit oder hohe Abfindungen das Aus bedeuten. Klappt hingegen alles, so kommt mit dem Wachstum auch der Ruf nach einem Betriebsrat, was wiederum eine finanzielle Belastung und zusätzlichen Verwaltungsaufwand bedeutet. Hier wäre - je nach Unternehmensgröße - eine "Light-Version" im Sinne eines Ombusmans deutlich vorzuziehen.

International gesehen bedeutet das deutsche Arbeitsrecht nahezu einen Wettbewerbsnachteil. Einige Unternehmen verlagern bereits Teile ihrer Wertschöpfung in Länder, deren arbeitsrechtliche Bestimmungen ihren Bedürfnissen mehr entgegen kommen. Gefragt wären heute Lösungen, die vermeiden könnten, dass viele junge Unternehmen mehr gezwungen als freiwillig die "Vorteile" der Globalisierung nutzen. Ein Teil der deutschen Bestimmungen wird ohnehin durch das Fortschreiten der Technik ad absurdum geführt. Wer kann beispielsweise die Arbeitszeiten an virtuellen Arbeitsplätzen kontrollieren? Gerade heute gilt es, die besten Rahmenbedingungen zu schaffen für alle, die den Mut zur Unternehmensgründung haben!

Der Autor ist Vorsitzender der VSI.

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