Junge Wettbewerber durch hohe Schulden und Preisverfall stärker bedroht
Bei Telekom-Aktien favorisieren Banker die Ex-Monopolisten

Telekom-Aktien schneiden seit Wochen deutlich besser ab als der Gesamtmarkt. Dagegen hinkten die europäischen Telekoms in den vergangenen zwölf Monaten dem breiten Euro-Stoxx-Index um 50 % hinterher. Der Grund für die Trendwende liege in den defensiven Qualitäten der einstigen Boombranche, meinen die Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB), der Investmenttochter der Finanzgruppe Crédit Suisse.

HB DÜSSELDORF. Defensive Aktien von Unternehmen aus stabilen, wenig konjunkturabhängigen Branchen waren zuletzt gefragt. Davon profitierten die Telekommunikationsfirmen, denn ihre Dienste werden auch in der Konjunkturflaute gebraucht. Besonders die großen Ex-Monopolisten erhalten derzeit gute Noten von CSFB, Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) und Sal. Oppenheim.

Allerdings sieht CSFB trotz der augenblicklichen Stärke die Probleme der Branche noch nicht gelöst. Dazu zählten die hohe Verschuldung und ein oftmals niedriger Gewinn pro Aktie. Denn als Ergebnis vieler Akquisitionen per Aktientausch und Kapitalerhöhungen sei eine zu große Aktienmenge im Umlauf. Zudem dauere es noch, bis sich die Wachstumshoffnungen der Unternehmen auszahlten. So erwartet CSFB, dass der neue Mobilfunkstandard UMTS sich erst ab 2006 rechnet.

Auf Sicht von zwölf Monaten stufen die Investmentbanker die Telekombranche nur als "neutral" ein. In den nächsten drei Monaten könnten die Telekom-Kurse aber von der Schwäche anderer Branchen profitieren, so die Analysten. Dabei sollten Anleger auf die ehemals staatlichen Monopolunternehmen setzen. Sie besitzen ein eigenes Festnetz, haben hohe und regelmäßige Einnahmen (Cashflow), und sie bieten neben Festnetzdiensten auch Internet und Mobilfunk an. Frank Alexander Rotauge, Analyst der Sal. Oppenheim betont vor allem die stabile Umsatzentwicklung im Festnetzbereich, die den etablierten Konzernen helfe.

"Kleineren Konkurrenten geht der Schnauf aus"

Außerdem dürften die Gewinnmargen steigen, da einige junge Wettbewerber den Preiskampf kaum überleben. "Kleineren Konkurrenten geht der Schnauf aus", sagt Sven Bucher, Analyst der Zürcher Kantonalbank.

Einige Ex-Monopolisten wie Swisscom sind zudem nicht verschuldet. Swisscoms Kursentwicklung übertraf die Gesamtbranche in den vergangenen zwölf Monaten knapp 120 %. CSFB bewertet das Schweizer Unternehmen mit dem Anlageurteil "Market Outperform" (überdurchschnittliche Kursentwicklung). Auch aus der Chartanalyse, die fundamentale Faktoren außen vor lässt, ergebe sich ein langfristiger Aufwärtstrend.

Dennoch Werte sieht Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin die Swisscom-Aktie zur Zeit nur bei "Halten". "Der Grund ist der Vergleich zum gesamten Sektor", sagt Huff. Andere, höher verschuldete Konzerne profitierten stärker von Entlastungen durch die jüngsten Zinssenkungen. Sven Bucher, Analyst der Kantonalbank Zürich, warnt indes davor, die Wirkung der Zinssenkungen zu überschätzen.

Ebenfalls eine gute Kursentwicklung im Vergleich zur Gesamtbranche weisen Telecom Italia und Portugal Telecom auf. Analyst James Harper von SSSB sieht Portugal Telecom als "Outperformer". Auch 80 % der vom Informationsdienst Bloomberg erfassten Analystenurteile zu dem Unternehmen, das auch in Südamerika engagiert ist, sind positiv.

Bei der Deutschen Telekom rät CSFB auf Sicht von zwölf Monaten zum Kauf. Allerdings könne der Aktienkurs in den nächsten drei Monaten unter Druck bleiben - unter anderem wegen der hohen Zahl von ehemaligen Voicestream-Aktionäre. Diese wurden mit der Übernahme von des US-Anbieters durch per Aktientausch zu Telekom-Eignern und könnten ihre T-Aktien auf den Markt werfen. Positiv bewerten Analysten auch die spanische Telefónica. Diese dürfte zwar wegen Einbrüchen bei ihren südamerikanischen Beteiligungen kurzfristig unter Druck geraten, was für Anleger aber eine gute Einstiegschance wäre, heißt es bei CSFB.

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