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Schausteller klagen über Arbeitskräftemangel

Die deutschen Schausteller klagen über einen Mangel an Arbeitskräften. Die Verpflichtung ausländischer Arbeitskräfte, ohne die viele Fahrgeschäfte nicht auskommen, sei mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden. Angesichts von vier Millionen Arbeitslosen sei der Engpass nicht nachzuvollziehen.

dpa DARMSTADT. Die deutschen Schausteller klagen über einen Mangel an Arbeitskräften. "Ohne polnische, rumänische oder tschechische Hilfskräfte gingen bei vielen Fahrgeschäften die Lichter aus", sagte der Vizepräsident des Deutschen Schaustellerbundes, Edgar Drexel, am Donnerstag in Darmstadt. Die Verpflichtung dieser ausländischen Arbeitskräfte sei jedoch mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden. Drexel forderte die Bundesregierung deshalb auf, die Beschäftigungsfrist von sechs auf neun Monate zu erhöhen und ein Wiederkehrrecht zuzulassen.

Angesichts von vier Millionen Arbeitslosen sei der Engpass nicht nachzuvollziehen, ergänzte Vizepräsident Albert Ritter. "Wir brauchen ja keine hoch Qualifizierten, sondern bieten Einsatzmöglichkeiten für den typischen Langzeitarbeitslosen." Der Wochenenddienst und die zeitweilige Trennung vom sozialen Umfeld sind seiner Meinung nach durchaus zumutbar: "Viele Arbeitsvermittlungen sehen dies jedoch anders und geben den Ausreden von Arbeitssuchenden vorschnell nach."

Als weiteres Problem für Schausteller nannte Ritter eine neue Vergabepraxis von Krediten, die sich an Bilanzgewinnen orientiere. "Bei Fahrgeschäften entwickeln wir jedoch Visionen, die sich nicht in der Bilanz des Vorjahres darstellen lassen." Falls bei den Banken kein Umdenken einsetze, werde es in Zukunft kaum noch Neuheiten auf Jahrmärkten geben.

Große Fahrgeschäfte können nach Einschätzung von Drexler nur noch Gewinn bringend auf Volksfesten eingesetzt werden, die länger als eine Woche dauern. Es sei durchaus denkbar, dass solche Attraktionen künftig von den Veranstaltern mit Geld gelockt werden müssten. Bei Sommer-Jahrmärkten sei es außerdem schwierig, Wirte für die Festzelte zu finden. Bei heißem Wetter säßen die Besucher lieber in Biergärten, sagte Drexler. Die Musikkapellen seien ebenfalls kein Anziehungsmagnet mehr, da die örtliche Gastronomie bei großen Stadtfesten meist ebenfalls Musikgruppen organisiere.

Der Deutsche Schaustellerbund vertritt rund 5000 Betriebe mit insgesamt 45 700 Beschäftigten. Nach seinen Angaben fanden im vergangenen Jahr 12 250 Volksfeste und Jahrmärkte statt, die etwa 170 Millionen Besucher anlockten. Die Bruttoumsätze werden auf knapp 4 Milliarden Euro geschätzt.

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