Juristen stufen Lockangebote als ungesetzlich ein
Mit Kahn & Co. ködern Unternehmen Kunden

"Fernseher für umsonst" - mit dieser Aussicht lockte die selbst ernannte "Mutter aller Schnäppchen" in knallroten Anzeigen so viele Kunden wie selten in die Media-Markt-Filialen. Denn der Elektronikhändler versprach, den Preis des Fernsehgerätes zu erstatten, wenn Deutschland Fußball-Europameister wird - eine Wette mit dem gewünschten Erfolg.

DÜSSELDORF. Da das Vertrauen der Deutschen in Rudi Völlers Truppe trotz der Gurkenspiele gegen Rumänien und Ungarn ungebrochen scheint, verkauften einige Filialen des zum Metro-Konzern gehörenden Elektronikhändlers am 1. Juni - nur am diesem Tag galt die Wette - viermal so viele TV-Geräte wie sonst.

Mit ihren Kunden wettet auch die Postbank, wenn auch nicht darum, ob der eigene Börsengang nun gelingt oder nicht. Je weiter die deutsche Nationalmannschaft in Portugal kommt, desto mehr Zinsen kassieren Anleger, die ihr Geld noch bis zum 12. Juni auf das Festgeldkonto "Bonus Volltreffer" bei der Postbank einzahlen. Dabei liegt der Zins, den die Bank garantiert, gerade einmal bei mickrigen 1,3 Prozent - bei einer Mindesteinlage von 2 500 Euro und einer Laufzeit von sechs Monaten. Sollte Deutschland tatsächlich Europameister werden, steigt der Zinssatz bis auf 3,25 Prozent. Scheiden die Deutschen hingegen in der Vorrunde aus, bleibt es bei 1,3 Prozent. Die Postbank würde also vom vorzeitigen Ausscheiden der Fußball-Nationalmannschaft kräftig verdienen: bis zu 2,58 Millionen Euro Zinsen, die den Anlegern nicht überwiesen werden müssten.

Doch bei Fernsehgeräten packt den treuen Fan das Wettfieber offenbar stärker als bei Zinsprodukten, die an den Erfolg der Kicker in Portugal gekoppelt sind. Denn von dem geplanten Volumen in Höhe von 265 Millionen Euro hat die Postbank gerade einmal "einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag" einsammeln können, wie eine Sprecherin der Bank bestätigte.

Den Fans bleibt auf diese Weise zumindest eine fragwürdige Wette erspart. Denn "genau genommen handelt es sich bei dem Angebot der Postbank um Glücksspiel", sagt Michael Adams, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg (siehe Interview unten). "Ein Glücksspiel besteht juristisch immer dann, wenn ein Wetteinsatz gezahlt wird und der Wettausgang vom Zufall abhängt", erklärt Anwalt Martin Bahr, der sich auf das Genre spezialisiert hat. Der Kunde verzichtet mit dem niedrigen Basiszins zunächst auf höhere Zinsen und schließt stattdessen eine Sportwette darauf ab. Die Differenz zum Marktzins ist der Wetteinsatz. "Dass ein Sportereignis wie ein Fußballspiel vom Zufall abhängt, hat schon der Bundesgerichtshof entschieden", sagt Adams und fügt hinzu, für Glücksspiele müsse die Postbank eine Lizenz beantragen, die in Deutschland aber nur staatlichen Wettbüros oder gemeinnützigen Institutionen vorbehalten sei.

Gemeinnützig ist auch nicht das Angebot der Oldenburger Landesbank, auch wenn das Interesse einem Sprecher zufolge "nicht gerade überschäumend ist". Sie bietet Festgeld für ein Jahr mit einem Basiszins von 1,85 Prozent. Mit jeder zehnten Medaille, die die deutschen Olympioniken in Athen gewinnen, erhöht sich der Zins um einen zehntel Punkt. Selbst, wenn die Olympiamannschaft wie vor vier Jahren in Sydney 56 Medaillen holt, steigt der Zins nur auf 2,35 Prozent.

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