Justiz ermittelt gegen Bankchef Wolfgang Rupf
Bankgesellschaft: Abwahl von Rupf nicht vorgesehen

Der unter Ermittlungsdruck stehende Vorstandschef der Bankgesellschaft Berlin, Wolfgang Rupf, bleibt voraussichtlich vorläufig im Amt. Zu dem von den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat angekündigten Abwahlantrag sagte Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) am Sonntag vor Beginn der Sitzung, Personalangelegenheiten stünden nicht auf der Tagesordnung. Die Frage, ob es beim Einstieg eines neuen Investors auch einen personellen Neuanfang geben solle, stelle sich erst später.

dpa BERLIN. Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Berliner Staatsanwaltschaft Rupf in ihre Ermittlungen gegen mehrere Vorstände und Mitarbeiter einbezogen hat. Dabei geht es um den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit dem gescheiterten Verkauf von Immobilien des Bankkonzerns. Bank-Sprecher Herbert Beinlich sprach am Sonntag von rund 60 Verfahren, von denen 40 schon wieder eingestellt seien.

Anfang des Jahres hatte die Bankgesellschaft einen lukrativen Bereich des Immobiliengeschäfts der Tochter IBAG ausgliedern und an eine Investmentgesellschaft in der Karibik verkaufen wollen. Mit dem Erlös sollten die verbleibenden Immobilienrisiken abgedeckt werden. Da die Gesellschaft auf den Cayman-Inseln nicht genügend Eigenmittel hatte, wollte ihr die Bankgesellschaft einen Milliardenkredit gewähren. In den USA sollten dann Investoren für die Objekte gefunden werden. Der Deal scheiterte an Bankenaufsicht und Berliner Senat.

Zu dem von Rupf vorgelegten neuen Unternehmenskonzept werde es auch noch keine "harten Beschlüsse" geben, sagte Krajewski. Es weise aber in die richtige Richtung. Vorgesehen ist, dass künftig eine kleine Holding über drei rechtlich selbstständigen Instituten steht. Das Privatkundengeschäft soll den Schwerpunkt bilden und die Allbank veräußert werden. Die gewerbliche Immobilienfinanzierung wird nach den bekannt gewordenen Einzelheiten aufgegeben. Zur Abwicklung der laufenden Kredite soll eine Immobilienbank mit der Berlin Hyp als Tochter gegründet und später veräußert werden.

Krajewski betonte, der Senat habe als Mehrheitseigner "höchstes Interesse" an einer leistungsstarken Regionalbank, die das Vertrauen des Marktes und der Mitarbeiter wieder gewinne. Der Sitz des Instituts müsse auch künftig in Berlin sein. Es wäre auch nicht sinnvoll, das Institut jetzt zu filetieren und gute Teile zu verkaufen. Zu Medienberichten, wonach das Institut anstatt der von der Bankenaufsicht genannten gut 4 Milliarden DM Kapital sogar 4,8 Milliarden DM benötigt, wollte sie sich nicht äußern. Wichtig sei, eine Kernkapitalquote von fünf Prozent zu erreichen.

Sicher sei allerdings, dass es künftig nur wettbewerbsfähige Arbeitsplätze geben könne. Ob dazu der Abbau von weiteren 1 000 Arbeitsplätzen in den nächsten zwei Jahren notwendig sei, könne sie nicht sagen. Die Bankgesellschaft wollte in diesem Jahr die Zahl ihrer Mitarbeiter von 16 000 auf 14 400 verringern.

Das Bundesfinanzministerium hat inzwischen die im Rahmen der Gewährträgerhaftung geplante Finanzspritze des Landes Berlin in Brüssel angemeldet. Die EU-Kommission muss entscheiden, ob es sich dabei um eine unzulässige Beihilfe handelt. Die Zustimmung Brüssels wäre jedoch bei einer Kapitalerhöhung, die allen Aktionären offen steht, nach Ansicht von Experten nicht unbedingt erforderlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%