Juventus ohne Trio
Bei Real geht die Angst um

Vor dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Juventus Turin macht sich beim Titelverteidiger plötzlich Nervosität breit, und sogar das "Heiligtum" ist angekratzt. Fernando Hierro, Kapitän und Abwehrchef von Real Madrid, musste sich erstmals in seiner Karriere Pfiffe vom eigenen Publikum gefallen lassen. Die Presse legte dem 35-Jährigen gar die Beendigung seiner Fußballer-Karriere nahe.

HB/dpa MADRID. Die "königliche" Blamage der 1:5-Heimschlappe vom Samstag gegen RCD Mallorca zeigte auch einen Tag vor dem Gipfeltreffen mit Juventus am Dienstag (20.45/Premiere) Wirkung. "Ich habe verdammt schlecht geschlafen", räumte Spielmacher Zinedine Zidane ein: "Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so untergegangen zu sein."

Dabei hatten die Madrider nach ihren glorreichen Partien im Viertelfinale gegen Manchester United fast schon wie der neue Titelträger ausgesehen. Nach der Mallorca-Pleite-geht bei den Weißen nun plötzlich die Angst um, ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Saison in eine Krise zu stürzen. Genau darauf hofft aber Juventus: "Wenn eine Mannschaft daheim mit 1:5 verliert, stimmt mit ihr etwas nicht", mutmaßte Juve-Trainer Marcello Lippi.

Real unternahm alles, um die Blamage bis zum Spiel gegen Juventus in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Verteidiger Michel Salgado und Roberto Carlos suchten in Barcelona beim Formel-1-Rennen Entspannung. Hierro, schon seit Wochen wegen seiner Langsamkeit in der Kritik, scherzte im Training demonstrativ, gerade so, als könnten ihm die Pfiffe nichts anhaben. Der Kapitän wird am Dienstag wieder im Zentrum der Abwehr stehen, auch wenn Real mit ihm in den letzten sieben Spielen 17 Gegentore kassierte.

"Wir haben auch nach dem 1:5 vom Samstag keine Angst vor Juventus", beschwört Zidane. Für den Franzosen hat die Partie eine ganz besondere Bedeutung. "Zizou" hatte bis zu seinem Wechsel 2001 nach Madrid fünf Jahre für Juve gespielt und dort den internationalen Durchbruch geschafft - allerdings nie die Champions League gewonnen. "Für uns ist es ein Glück, dass die Turiner auf die gesperrten Davids, Montero und Tacchinardi verzichten müssen. Damit verlieren sie viel von ihrer Gefährlichkeit", sagte Zidane. Bei Real fehlt weiterhin Torjäger Raúl, der nach einer Blinddarm-Operation das Training wieder aufgenommen hat und im Rückspiel dabei sein möchte.

Juve ist auf nationaler Ebene schon einen Schritt weiter als Real. Die Meisterschaft haben die Turiner drei Spieltage vor Ende der Serie A so gut wie sicher in der Tasche. So hat Juve den Kopf frei für die Revanche gegen Real, dem die Italiener im Champions-League-Finale 1998 in Brüssel 0:1 unterlegen waren. 3000 Tifosi sind mit nach Madrid gereist, um Juve im Fußball-Tempel "Bernabeu" diesmal siegen zu sehen.

Lippi warnt jedoch vor übertriebenem Optimismus. "Macht euch nichts vor. Gegen uns wird Real anders spielen als gegen Mallorca", warnt der Meistermacher, der mit Turin bereits drei Champions League- Finals erreichte und 1997 gegen Ajax Amsterdam in Rom den Titel holte. Hoffnungsträger ist einmal mehr "Zidane-Erbe" Pavel Nedved, der gemeinsam mit dem zu alter Form aufgelaufenen Alessandro del Piero die Real-Abwehr durcheinander wirbeln soll. Denn auch Juve- Spion Giancarlo Corradini hat entdeckt, was ganz Spanien weiß: "Hinten sind die verwundbar".

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