Kabelnetzbetreiber im Verdacht des Missmanagements
Primacom wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Mainzer Kabelnetzbetreiber Primacom hat einen Medienbericht zurückgewiesen, wonach im Unternehmen Missmanagement herrsche und nahe stehende Personen der Firma vom Vorstand bevorzugt worden seien.

Reuters FRANKFURT. Wie das Anlegermagazin "Die Telebörse" am Mittwoch vorab berichtete, soll Primacom-Vorstand Hans Wolfert laut einer Expertise der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young möglicherweise "langjährige enge Bekannte" bevorzugt haben.

Der im Aufsichtsrat von Primacom zuständige langjährige SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi habe den Verdacht aber nicht für ausreichend gehalten, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Von Dohnanyi hat laut "Telebörse" zudem ab März 2001 einen Beratervertrag von Primacom mit einer monatlichen Mindestvergütung von 12.500 Euro erhalten. Ein anderes Aufsichtsratsmitglied von Primacom sei im Zusammenhang mit diesem Vertrag kürzlich zurückgetreten, berichtete das Magazin.

Zudem berichtete das Magazin von Missmanagement bei Primacom. 300.000 der von der Mainzer Firma ans Kabelnetz angeschlossenen Wohnungen stünden leer. Vielfach seien Stellen im Unternehmen mehrfach besetzt. Ein hoher Teil der Personalkosten könnte eingespart werden. 2001 sei ein Defizit von über 90 Millionen Euro angefallen. Die Schulden lägen bei deutlich über 800 Millionen Euro, berichtete das Magazin. Primacom will am Mittwoch seine Geschäftszahlen veröffentlichen.

Ein Sprecher des am Neuen Markt gelisteten Unternehmens sagte, es habe tatsächlich im vergangenen Jahr Vorwürfe in Zusammenhang mit Bevorzugungen bei der Vergabe von Aufträgen gegeben. Dazu habe der Aufsichtsrat aber eine Untersuchung durch externe Prüfer in Auftrag gegeben, die zu keinem Ergebnis geführt habe. Das Aufsichtsratsmitglied Klaus von Dohnanyi habe tatsächlich von März bis Ende September eine Vergütung erhalten. Diese stehe aber in Zusammenhang damit, dass von Dohnanyi Verhandlungen mit Wohnungsbaugesellschaften in Ostdeutschland geführt habe und sei insofern angemessen gewesen. Der Rücktritt eines weiteren Aufsichtsratsmitgliedes stehe nicht in Zusammenhang mit dem Vertrag von Dohnanyis, sondern sei darin begründet, dass dieses Aufsichtsratsmitglied von London nach New York umgezogen sei.

Den Leerstand von Wohnungen bestätigte der Primacom-Sprecher, fügte aber hinzu, dies sei "branchenüblich". Zudem bestätigte der Sprecher, dass bei Primacom 2001 hohe Verluste angefallen seien, wies aber darauf hin, dass operativ die Ergebnisse von Quartal zu Quartal besser geworden seien. Primacom müsse immer noch hohe Firmenwertabschreibungen infolge von Akquisitionen vornehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%