Kabinett billigte Bericht am Morgen
Armutsbericht: Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten vor allem bei den Einkommen gewachsen. Das Gefälle bei den Vermögen hat zwar leicht abgenommen, ist aber weiter riesig. Das sind zentrale Ergebnisse des ersten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung, den Arbeitsminister Walter Riester (SPD) am Mittwoch in Berlin vorstellte und den das Kabinett zuvor gebilligt hatte.

dpa/afp BERLIN. Danach waren 1998 je nach Definition im Westen 3,9 bis 11,9 Millionen Menschen einkommensarm. Im Osten waren es 0,5 bis 1,8 Millionen. Besonders Arbeitslose, allein Erziehende, kinderreiche Familien, Zuwanderer und Ungelernte seien von sozialer Ausgrenzung bedroht. Umgekehrt verdienten etwa zwei Millionen Haushalte das Doppelte des durchschnittlichen Nettoeinkommens und galten damit als einkommensreich. Die Zahl der Einkommensmillionäre stieg auf 27 000 (brutto) und 13 000 (netto), die Zahl der Vermögensmillionäre wurde auf 1,5 Millionen beziffert.

Auch bei den Privatvermögen klafft die Schere zwischen Arm und Reich, Ost und West weit auseinander. Insgesamt beziffert der Bericht das Privatvermögen auf 8,2 Billionen Mark. Dahinter verbergen sich aber große Ungleichheiten. So verfügen die westdeutschen Haushalte im Schnitt über ein Vermögen von 254 000 Mark, die ostdeutschen erreichten mit rund 88 000 Mark nur etwa 35 Prozent. Dabei konzentrierten sich im Westen 42 Prozent und im Osten sogar 48 Prozent des Privatvermögens auf zehn Prozent der reichsten Haushalte. Umgekehrt mussten sich die untere Hälfte der Haushalte mit jeweils 4,5 Prozent des Vermögens bescheiden.

Die Zahl der Sozialhilfe-Bezieher hat sich im Westen seit 1973 vervierfacht und im Osten seit 1991 verdoppelt. Insgesamt erhielten 2,88 Millionen Menschen in 1,5 Millionen Haushalten Hilfe zum Lebensunterhalt. Dies entspricht einem Anteil von 3,5 Prozent der Bevölkerung. Dabei lag diese Quote im Westen mit 3,7 Prozent erheblich höher als im Osten mit 2,7 Prozent. Die größte Gruppe der Sozialhilfe-Empfänger stellten mit 1,1 Millionen Kinder unter 18 Jahren.

Das größte Sozialhilfe-Risiko hatten mit Abstand allein erziehende Mütter. Für sie sei es oft schwer, Kindererziehung und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren, sagte Riester. Auch junge Familien mit kleinen Kindern hätten ein erhöhtes Armutsrisiko. Die Zahl der Überschuldungsfälle stieg dem Bericht zufolge von 1994 bis 1999 um rund 30 Prozent auf 2,8 Millionen. Damit waren sieben Prozent aller Haushalte überschuldet.

Als arm gelten Riester zufolge Menschen und Familien, wenn sie materiell, kulturell und sozial von der allgemein üblichen Lebensweise ausgeschlossen sind. Reichtum werde dagegen nur unter den Gesichtspunkten Einkommen und Vermögen definiert.

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